Soll die Stadt eine aktive Liegenschaftspolitik betreiben und selbst Gebäude kaufen? Bei der Frage, bei der sich linke und bürgerliche Vertreter oft uneinig sind, hat der Oltner Stadtrat kurz vor den Sommerferien Fakten geschaffen: Die Stadt hat laut Amtsblatt die Liegenschaft an der Baslerstrasse 61 gekauft, die 1922 erbaut wurde. Bereits vor 30 Jahren hatte der Stadtrat versucht, das Grundstück zu kaufen. Nachdem die bisherige Eigentümerin vor kurzem verstorben ist, konnte sich die Stadt mit den Erben einigen. Der Kaufpreis befindet sich innerhalb der Stadtrats-Kompetenz von 2,5 Millionen Franken. Auf Anfrage bei der Stadtkanzlei heisst es, dass der entsprechende Stadtratsbeschluss nicht öffentlich ist und die Stadt das Haus zu einem «Marktpreis» erworben hat.

Baudirektor Thomas Marbet bezeichnet den Kauf auf Anfrage als «strategische Landreserve» im Sinne einer aktiven Liegenschaftspolitik. Warum? Der Stadt gehören bereits die beiden Grundstücke vor und nach der neu gekauften Liegenschaft. In der sogenannten Schürmann-Villa an der Baslerstrasse 57 ist das Fasnachtsmuseum untergebracht. Der grosse Parkplatz mit der Grundstücknummer 1848, dem Biergarten-Areal, ist heute vermietet. «Mit dem Erwerb eröffnet sich die Möglichkeit, mittelfristig auf einer entsprechenden Gesamtfläche Platz für eine attraktive Neuüberbauung zu schaffen und damit eine optimale Entwicklung dieses städtischen Eingangstors zu realisieren», schreibt Marbet. Kurzfristig sollen die Häuser nicht abgerissen werden, weil sie voll vermietet sind und eine «anständige Rendite» abwerfen. Bei der neu erworbenen Liegenschaft sind dies rund 70'000 Franken pro Jahr.

Investorenwettbewerb ist geplant

Mittelfristig werden die beiden Gebäude an der Baslerstrasse 57 und 61 «vermutlich einmal abgerissen», sagt Marbet. Die beiden Bauten sind nicht geschützt und in diesem Gebiet ist eine hohe Dichte möglich. Der Stadtrat hat vor, einen Investorenwettbewerb zu lancieren.

Dies soll gemäss Baudirektionsleiter Kurt Schneider in den nächsten beiden Jahren geschehen. So will die Stadt den richtigen Partner finden, um ein Wohn- und Geschäftshaus in ihrem Sinne realisieren zu lassen. Die Stadt will also das Gebiet nicht selbst überbauen, sondern nur möglichst viel Einfluss auf die weitere Entwicklung nehmen um die vorhandenen Qualitäten und Chancen vor Ort sicherzustellen. Gemäss Schneider hat Olten nämlich an diesem Standort keinen Bedarf für eine öffentliche Baute.

Beim Investorenwettbewerb sollen die Rahmenbedingungen festgelegt werden, zu welchen Bedingungen das Gebiet überbaut werden kann. Ob die drei Grundstücke verkauft oder im Baurecht abgegeben werden, wird ebenfalls Teil davon sein. Offen ist auch die Frage, ob der Teil des Frohheimwegs zwischen den Grundstücken 57 und 61 rückgebaut wird oder nicht.
Der Kauf des Hauses wirft die eingangs gestellte grundsätzliche Frage auf. Eine ganzheitliche Immobilienstrategie sei geplant, sagt Schneider.

Eine solche beinhaltet aber wichtige politische Entscheide und brauche einen entsprechenden Einbezug der Stakeholder. Einen Zeitraum für deren Ausarbeitung wollte er auch aus Ressourcengründen nicht angeben. Er sagt aber: «Dieses Beispiel zeigt, dass es positiv sein kann, wenn die Stadt eine aktive Bodenpolitik betreibt.»