Es war eine erfrischend kurzweilige Eröffnung der 10. Buchmesse Olten; ein paar freundliche Worte von Gründervater Thomas Knapp, der auch in Zukunft dem Buch und der verlegerischen Arbeit treu bleiben will, weil Ersteres eben auch als haptisches Erlebnis wahrgenommen werde und Letzteres den «Amazon-Stürmen trotzen wird», wie er meinte.

Dann folgte Landammann Roland Heim, der vom Erlebnis Lesen erzählte, vom Eintauchen in andere Welten, der leisen Gier, ein Buch fertig zu lesen und vom anschliessenden Bedauern, dass just dieses schon zu Ende ist. Lesen ist eben mehr als simple «Kulturtechnik»; zwar an der Eröffnung nicht so gehört, aber so war der kleine Hochgesang aufs Buch wohl doch zu verstehen.

Was die Welt bedeutet

Und dann: Dann folgten Nippes – als Amüsement fürs ausverkaufte Haus, versteht sich. Kleine Geschichten, Bemerkungen, Gedankensplitter, die manchmal – zur richtigen Sekunde platziert – halt auch die Welt bedeuten können. Weder Publikum noch Protagonistenpaar liessen sich die Chance des einmaligen Moments entgehen.

Hauptdarsteller dabei: Bänz Friedli und Frölein Da Capo (Irene Brügger-Hodel). Beide publizieren ihre «Perlen» in der gleichnamigen Reihe des Knapp Verlags, beide waren sie also auch als Gratulanten da. Und wie sie da waren.

Deren knapp stündiger Auftritt sprühte: vor temperierter Lebenslust, optisch-intellektuellem Scharfsinn, lebensmüder Ironie, bissigen – wenn gelegentlich auch etwas überstrapazierten – Aphorismen zu Olten, wo man, wie Friedli sagte, am Bahnhof eben nicht aus-, sondern bloss umsteigt. Klar. Besser traf ers mit der Bemerkung, dass «Katholen» die besten Zuhörer seien, weil sie über jeden «Seich» lachen würden. Das gefiel und war zumindest teilweise neu. Jedenfalls im Stadttheater.

Der Furz – mehr als ein Biogas

Im Übrigen erlebte der klitzekleine und sympathische Alltag eine Hausse auf der Bühne. Die beiden Perlen sorgten dafür, dass ein gut aufbereiteter Alltag sich vom Sensationellen zu befreien vermag. Dazu gehörte auch das Phänomen des Furzes; jener der dem Darm entweicht und gemäss Friedlis Erfahrungsschatz einen regelrechten Beschleuniger und Geruchsintensivator kennt: die Schwarzwurzel.

Ob Brummer oder Leisetreter

Sie nämlich soll hitverdächtige Ursache epochaler olfaktorischer Resultate sein. Und zwar ganz gleich unter welchen akustischen Vorzeichen: Ob schwerer Brummer oder Leisetreter. Jenseits dieser unter der Gürtellinie angesiedelten Geschichte («oder haben Sie jemanden schon aus den Ohren furzen hören?», fragte Friedli) präsentierte Frölein Da Capo unter anderem Wandergedanken aus dem Napfgebiet. Dort, wo man vom üblicherweise bewohnten Hügel auf den Nachbarhügel steigt, um von oben festzustellen, wie schöns doch auf dem Ursprungshügel ist.

Der besondere Reiz an diesen kleinen Heimatgeschichten: Während sich Friedlis Sprache eher rund ums Bühnendeutsch ansiedelt, oszilliert Da Capo stets zwischen korrekter Schrift- und mundartlicher Umgangssprache und wirkt darum direkt, hautnah, authentisch.

Derweil schöpft Friedli von seinem Erfahrungsrepertoire als Hausmann, der sich zu besten Vaterzeiten in reinen Müttergesellschaften wiederfand und sich durchzuschlagen hatte. So etwa beim Muki-Schwimmen, wo er seinerzeit stets den «Ranzen» einziehen musste, um im Kontrast zu all den mütterlichen Bikinifiguren nicht allzu schlecht dazustehen.

Gut eingespielt

Fast wäre zu bedauern gewesen, dass sich Frölein Da Capo bloss zweimal ihrer Gitarre bediente. Dabei hätte man durchaus von selber draufkommen können.

Frölein Da Capo hatte auf ihrer Homepage nämlich orientiert: «Frölein singt nicht; Frölein tut aus ihrem nöien Buch vorlesen imfau!» Aber die beiden Perlen ergänzten sich in ihrer Unkompliziertheit ein ums andere Mal und auch die im Wechselspiel erfolgten Auftritte hätten keiner andern Regieidee bedurft. Mal sehen, wie die beiden wirken, wenn der Knapp Verlag sein 20-Jahr-Jubiläum feiert.