«Femmes politiques»

Oltner Frauen in der Politik: Der Kampf ums Frauenstimmrecht stand am Anfang

Rita Lanz führte durch Oltner Frauengeschichte(n).

Rita Lanz führte durch Oltner Frauengeschichte(n).

Historikerin Rita Lanz führte im Rahmen von «Femmes politiques» durch die Geschichte von Oltner Frauen in der Politik.

Unter dem Motto «Femmes politiques» laden die Stadtpartei SP Olten und die Junge SP Region Olten zu einer vierteiligen Veranstaltungsreihe zum Thema Frauen in der Politik ein. Den Anfang machte am Montagabend die Oltner Historikerin Rita Lanz mit einem Vortrag über die Geschichte der SP-Frauen in Olten.

Die in einem Zürcher Vorort geborene Rita Lanz ist seit 1991 in der SP Olten aktiv, politisierte acht Jahre im Gemeinderat und engagierte sich unter anderem in den Frauenstreiks. Als Archivarin der Gewerkschaft Unia liegt ihr Spezialgebiet auf dem Bereich Arbeiterinnen. In ihrem Vortrag erzählte Rita Lanz die Geschichte der letzten 120 Jahre anhand einiger markanter Persönlichkeiten. Selbstredend gab es auch in Olten bürgerliche und unabhängige Frauen, welche sich für die Sache der Frau engagierten. In ihrer Tour d’Horizon richtete Lanz den Fokus jedoch auf linke Exponentinnen, wobei es auch immer viele Frauen gibt, die wichtige politische Arbeit leisten, ohne im Rampenlicht zu stehen.

Hilfe für ärmere Familien

So entstand bereits 1904 ein katholischer Arbeiterinnenverein und 1905 ein Verband für Frauenbestrebungen. Der Arbeiterfrauenverein Olten (AFV) wurde 1911 gegründet. Erste Präsidentin war Dina Schmid-von Hayn, Ehefrau des späteren Regierungsrats Jacques Schmid. Am Internationalen Frauentag vom März 1912 formulierten sie ihre Forderungen: politische Gleichstellung der Frau, soziale Besserstellung der Arbeiterinnen in Fabrik und Heimarbeit sowie konfessionell neutralen Schulunterricht. In einer Eingabe im gleichen Jahr verlangten sie Praktisches von der Stadt: Sie solle ärmeren Familien verbilligt Brennholz, Obst und Gemüse abgeben. Der Arbeiterfrauenverein wurde später in SP-Frauengruppe Olten umbenannt und 1993 schliesslich aufgelöst.

Der Kampf für das Frauenstimmrecht und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der SP-Frauen. Das gilt auch für die zweite Präsidentin des AGV Olten, Katharina Muff-Arenz. Sie war auch beruflich sehr erfolgreich, indem sie am Hausmattrain eine Samenhandlung mit eigener Gärtnerei führte. Sie war zudem Gründerin des Proletarischen Frauenbundes der Schweiz, um über diese Dachorganisation mehr Einfluss geltend zu machen.

Uneingeschränkte Gleichberechtigung für Frauen

Einen Eintrag in die Annalen als Pionierin erhielt Genossin Trudi Witta-Humm. Die Tochter eines Trimbacher Gewerkschafters und Präsidentin der SP-Frauen bewog ihren Parteikollegen Otto Kamber, im Kantonsrat eine Motion zur uneingeschränkten Gleichberechtigung für Frauen einzubringen. Das Parlament überwies zwar die Motion, der Regierungsrat brachte aber nur eine abgeschwächte Vorlage vors Volk; doch sogar diese wurde von den Männern, wenn auch nur knapp, an der Urne verworfen. Trudi Witta-Humm gab nicht auf, sondern kämpfte in kleinen Schritten erfolgreich dafür, dass sich die Frauen in kommunalen Behörden und Kommissionen einbringen konnten.

Neuen Schwung brachten die Frauenbewegung um 1968 und die Einführung des Frauenstimmrechts 1971. Die in Olten aufgewachsene und in Zürich politisierende Lilian Uchtenhagen-Brunner wurde etwa erste Bundesratskandidatin. In der Stadt Olten wurde Ursula Ulrich-Vögtli 1973 als erste Frau ins Parlament gewählt, allerdings auf der Liste der liberal-bürgerlichen Aktion Jugend und Politik AJP. Sie trat später in die SP ein und erreichte 1983 das Amt der Ratspräsidentin. 1987 errang sie als erste Frau den SP-Sitz im Nationalrat. «Die Pionierinnen der SP-Frauengruppe Olten haben in vielen Bereichen wichtige Vorarbeit geleistet, nie aufgegeben und viel erreicht», zog Rita Lanz das Fazit. «Und es gibt Weiteres zu erkämpfen, mit Kreativität und Hartnäckigkeit.»

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