Dutzende blaue, grüne und rosarote Zettel müssen nach Farben geordnet, nach Ja und Nein sortiert und ausgezählt werden. Das vierköpfige Wahlbüro beeilt sich. Denn die 179 anwesenden Stimmberechtigten wollen das Resultat so schnell wie möglich wissen. Ungeduldig tigern sie durch die Mehrzweckhalle in Kienberg und bedienen sich schon mal am bereitgestellten Apéro.

Am Donnerstagabend fand in Kienberg eine ausserordentliche Gemeindeversammlung statt. Sie bildete den wichtigsten Meilenstein der vergangenen zehn Jahre: Es ging um den Windpark oberhalb von Kienberg, der seit 2008 von der Windpark Burg AG geplant wird.

Drei Beschlussvorlagen standen zur Abstimmung

Konkret geht es um die Verlängerung des Planungsvertrags mit der Windpark Burg AG bis 2020, um die Einräumung des Baurechts für die Anlage und um eine Ermächtigung des Gemeinderats für die Ausführung der Beschlüsse. Dass an diesem Abend ein wegweisender Entscheid gefällt wird, lockte nicht nur etwa die Hälfte der stimmberechtigten Kienberger, sondern auch mehrere Medienvertreter an.

Um das Resultat vorwegzunehmen: Die Mehrheit der anwesenden Stimmbürger sagte am Donnerstagabend Ja zum Windparkprojekt.

Gegner und Befürworter nutzten Debatte

Gemeindepräsidentin Adriana Gubler versuchte, zu Beginn der Versammlung zu beschwichtigen: «Wir fällen heute einen Grundsatzentscheid. Ich erwarte eine faire Debatte. Es gibt keine richtigen oder falschen Meinungen.» Damit war die Debatte eröffnet.

Gegner und Befürworter nutzten die Gelegenheit. «Dieser Windpark verschandelt unsere Landschaft und kann gar nicht rentabel sein», sagt etwa Bruno Gubler, Vorstandsmitglied des Vereins Pro Burg. Die Kienbergerin Susanne Rippstein entgegnete: «Wir haben nun die Chance, vor unserer Haustüre etwas Gutes zu tun, einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen.»

«Seid ihr erschöpft?»

Gemeindepräsidentin Gubler sagte, nachdem wieder Ruhe eingekehrt war: «Die Diskussion scheint erschöpft zu sein. Oder seid ihr erschöpft?» Damit erntete sie einige Lacher. Die Meinungen waren gemacht: Nach der Informationsveranstaltung vom Montag, 3. Dezember, schienen alle wichtigen Fragen geklärt. Die Kienberger wollten nur noch die Abstimmung über das 25-Millionen-Franken-Projekt hinter sich bringen.

Zuerst musste über den Antrag eines in Windpark-Befürworters auf geheime Abstimmung per Wahlzettel entschieden werden: Eine klare Mehrheit sprach sich dafür aus. Anschliessend stimmten die Anwesenden über einen Antrag auf Urnenabstimmung ab, der vom Windpark-Gegner Gubler gestellt wurde: 60 Ja-Stimmen wären dafür nötig gewesen; aber nur 59 Stimmbürger sagten Ja. Damit blieb es bei der geheimen Abstimmung noch am selben Abend.

Grünes Licht für Windanlagen

Die Stimmzettel wurden ausgeteilt. Manch einer verdeckte beim Ausfüllen mit der anderen Hand das Votum. Andere besprachen sich offen mit ihrem Sitznachbarn oder diskutierten gar nochmals über die Vorlagen. Das Wahlbüro kümmerte sich anschliessend um die Auszählung der Stimmen.

30 Minuten später stand der historische Entscheid fest: Die Gemeindepräsidentin gab die Anzahl Ja-Stimmen zu den drei Vorlagen bekannt und erntete jeweils Applaus. Die Mehrheit der Kienberger sagten Ja zur Windparkanlage auf der Burg und gaben dem Vorhaben damit grünes Licht.

«Es war sehr intensiv»

«Bravo, Adriana», rief ein Kienberger und damit wechselte der Applaus weg vom Jubel über den Entscheid, hin zur Ehrung der Gemeindepräsidentin, die sich seit ihrer Wahl 2017 für das Projekt eingesetzt hatte.

Nachdem die Verhandlung abgeschlossen und die Stühle beinahe schon fast alle weggeräumt waren, findet Adriana Gubler einen Moment zum Durchatmen: «Die vergangenen Wochen waren sehr intensiv.» Sie sei immer von einem offenen Rennen ausgegangen. Umso erfreuter sei sie nun, dass die Gemeinde den Anträgen des Gemeinderats gefolgt sei. Gubler: «Alles, was jetzt noch folgt, liegt nicht mehr in den Händen der Gemeinde.»

Gegner wollen bis vors Bundesgericht gehen

Während die Windpark-Befürworter den Entscheid beim Apéro feiern, zeigen sich die Gegner weiterhin kampflustig: «Klar, wir sind enttäuscht. Aber das ist noch nicht das Ende», sagt Bruno Gubler von Pro Burg. Der Verein würde weiter gegen die Windräder kämpfen. «Wir werden ganz sicher den rechtlichen Weg einschlagen und wenn nötig bis zum Bundesgericht gehen», so Gubler.

Damit rechnet auch die Windpark Burg AG: «Kienberg hat uns jetzt zwar grünes Licht gegeben, aber das ist kein Freipass für uns», sagt Louis Lutz, der auch die AEW Energie AG vertritt. Trotz der Erleichterung und der Genugtuung nach dem für sie positiven Resultat beginne die Arbeit nun erst richtig. So schnell wie möglich wolle man nun das Baugesuch einreichen. Lutz: «Wir rechnen natürlich mit vielen Einsprachen.» Diese werde man dann «ordentlich abhandeln».