Der Samichlaus ist seit je her ein treuer Gefährte von mir. Jahrein, jahraus leben wir im gemeinsam in unserer Chlausehütte im Wald, besuchen die Kinder am 6. Dezember und plaudern bei Bänzli und Punsch über Gott und die Welt. Trotzdem gibt es ein, zwei Fragen, die mir schon seit längerem auf der Zunge brennen:


Lieber Samichlaus, heute ist der 6. Dezember. Auf welchen Moment in der Chlause-Zeit freust du dich am meisten?

Hmm (überlegt lange), auf den Moment, wenn ich den Kindern in die Augen schauen kann. Weil ich darin dann das Leuchten sehen und ihre Freude ablesen kann.

Hast du eine Lieblingsbeiz oder ein Lieblingsessen?

Ha, der Samichlaus geht doch nicht in eine Beiz! Aber ein Lieblingsessen habe ich in der Tat: Zum Zmorge mag in ein Bänzli, zum Zmittag Härdöpfel und Spinat und zum Znacht Nüsse und Rhabarberkompott.

Wie viel Geld geben wir für Peterli, unseren Esel, im Jahr aus?

Peterli stibizt ab und zu ein Bänzli.

Ich würde sagen: gar nichts. Wir haben alles, was Peterli braucht, bei uns zu Hause in der Chlausehütte: Frisches Quellwasser holen wir im Waldbach nebenan und das Heu wächst bei uns ums Haus. Ab und zu stibitzt er auch ein Bänzli aus dem Sack. Aber das ist eher die Ausnahme.

Mein Bart kratzt manchmal ganz schön. Geht es dir auch so?

Ja! Aber nur, wenn ich ihn schon lange nicht mehr gewaschen habe! (lacht)

Wir verbringen ja viel Zeit zusammen. Trotzdem frage ich mich ab und an, was du an den restlichen 364 Tagen im Jahr machst, wenn du nicht auf Besuch bei den
Kindern bist?

Schmutzli, du weisst doch, dass es bei mir immer etwas zu tun gibt: Im Januar muss ich mich in meinem Häuschen von den Strapazen des Dezembers ausruhen, ich bin schliesslich auch nicht mehr der Jüngste! Im Februar hacke ich Holz, im März bürste ich den Esel, um dann im April mit ihm ins Dorf zum Einkaufen zu gehen. Der Frühlingsputz steht im Mai an. Der Juni steht im Zeichen meiner grossen, schweren Bücher, in die ich alles hineinschreibe, was ich nicht vergessen sollte. Im Juli mache ich Ferien — dieses Jahr war ich am Waldseeli. Ach, war das schön! Dann wird es stressiger: Im August muss ich heuen und im September Pilze, Nüsse und Beeren sammeln. Im Oktober wird eingemacht: Quittengelee, Konfi oder auch Kompott gibt es. Der November ist ein strenger Monat: Den verbringe ich hauptsächlich mit Bänzli backen. Und im Dezember besuche ich die Kinder im Dorf und verteile Bänzli, Nüsse und Mandarinli.

Nun habe ich eine politische Frage: Darfst du abstimmen und wählen?

Ja, ich darf abstimmen und auch wählen gehen. Das Problem ist nur, dass es immer so lange dauert, bis die Abstimmungsunterlagen den Weg aus dem Dorf zu mir in den Wald gefunden haben, dass der Abstimmungstag dann schon vorbei ist. Die Unterlagen zur letzten Abstimmung habe ich noch immer nicht erhalten. Um was ging es da schon wieder?

Um die Sozialdetektive, die Hornkühe und die Selbstbestimmungsinitiative. Aber verlassen wir die Politik: Findest du, dass du modisch daher kommst?

Was heisst denn modisch? Ist nicht alles irgendwann wieder «in» oder «hip»? Ich trage stets das Gleiche. Von daher, ja, ich finde, dass ich modisch daher komme.

Hast du Hobbies?

Der Samichlaus ist manchmal auch auf Skiern unterwegs.

Natürlich, aber nicht so viele wie du! Ich gehe gerne im Waldseeli schwimmen. Und zwar bei jedem Wetter. Sogar im Winter! Ich kümmere mich auch gerne um meinen Garten vor dem Samichlaushäuschen und pflege den Kontakt mit den Tieren im Wald.

Ich persönlich esse ja wahnsinnig gerne Wiehnachtsguetsli. Vor allem die Spitzbuben haben es mir angetan. Hast du auch ein Laster?

Jetzt hast du mich erwischt! Ich mag meine Tubakpfeife schampar gerne. Und sonst geht es mir gleich wie dir, Schmutzli: Ich schnause wohl zu viele Süssigkeiten. Bei Schoggi und Guetsli bin ich fast nicht zu bremsen.

Unterstützt du eher YB oder den FCB?

YB ist aus Basel und FCB bedeutet Fussballclub Bern, oder?

Nein, umgekehrt. FCB heisst Fussballclub Basel und YB stammt aus Bern.

Aha. Nein, Tschutten auf diesem hohen Niveau ist nicht so mein Ding. Ich schaue lieber den Kindern auf dem Schulhausplatz zu, wenn sie dem Ball nachjagen.