Avag-Deal

Was bedeutet der Verkauf der Avag für die Region Olten?

Ein Herzstück des Avag-Stromnetzes: Das ferngesteuerte 50/16-Kilovolt-Unterwerk Gösgen, das dem Wasserkraftwerk benachbart ist.

Ein Herzstück des Avag-Stromnetzes: Das ferngesteuerte 50/16-Kilovolt-Unterwerk Gösgen, das dem Wasserkraftwerk benachbart ist.

Heiner Schranz kennt das Stromnetz wie kaum ein anderer. Der Elektroingenieur HTL ist seit 2012 pensioniert. Davor war er 37 Jahre bei Atel und Alpiq tätig. Schranz war der erste Geschäftsführer der Alpiq Versorgungs AG (Avag) von 2000 bis 2002, danach Geschäftsleistungsmitglied der Städtischen Betriebe Olten (sbo) und der Aare Energie AG.

Herr Schranz, wie beurteilen Sie den Verkauf der Avag durch Alpiq an ein Konsortium von EBM, sbo, UBS-Ceis?

Heiner Schranz: Das geht ganz in die Richtung, die wir regionalen Elektras im Niederamt uns vorgestellt haben. Die Gemeindepräsidenten und Elektra-Präsidenten von Däniken, Dulliken, Gretzenbach und Obergösgen hatten sich schon sehr früh in einem Brief an Alpiq-CEO Jasmin Staiblin für eine regionale Lösung eingesetzt. Uns geht es um die Arbeitsplätze und um die Sicherstellung, dass die Aare Energie AG (a.en) unsere Netze auch unter der neuen Eigentümerschaft betreiben kann.

Der Kaufpreis von 312 Mio. Franken ist höher als erwartet ausgefallen.

Der Betrag ist hoch, das stimmt. Die Avag hat etwa 30 000 Kunden, also zahlen die Käufer pro Kunden 10 400 Franken. Betrachtet man den bisherigen Jahresgewinn der Avag (2014: 2,7 Mio. Franken), würde es Jahrzehnte dauern, bis sich die Investition rechnet. Der von den neuen Eigentümern bereits angekündigten Optimierung bestehender Infrastrukturen wird unter dieser Voraussetzung grosse Bedeutung zukommen. Mit welchen Auswirkungen, wird sich zeigen. Aber für uns ist wichtig, dass es eine regionale Lösung ist.

Sie sprechen von einer regionalen Lösung – die EBM ist aber in einer anderen Region beheimatet, der Finanzpartner UBS-Ceis erst recht.

Dieses Konsortium ist für mich eine regionale Lösung, weil die sbo daran beteiligt sind. Das Konsortium hat klar kundgetan, dass die gleichen Leute wie bisher die Dienstleistungen für den Netzbetrieb erbringen werden. Ein Zuschlag an die Bernischen Kraftwerke (BKW) zum Beispiel wäre für mich keine regionale Lösung gewesen, weil dann die sbo wohl nicht mit an Bord gewesen wären.

Sie haben die Sicherheit der Arbeitsplätze bei der a.en betont. Von EBM-Chef Conrad Ammann kommen dazu schöne Worte, aber keine Garantien.

Persönlich bin ich überzeugt, dass mittelfristig nichts passiert. Damit meine ich, dass die Arbeitsplätze der Mitarbeiter der a.en in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht gefährdet sind. Ich bin gespannt, wie die Zusammenarbeit zwischen der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) und der a.en in sieben oder acht Jahren aussehen wird.

Woher nehmen Sie die Sicherheit für die nächsten paar Jahre?

Die EBM betreut 134 000 Kunden mit 400 Mitarbeitern. Die a.en betreut 30 000 Kunden der Avag und 10 000 Kunden der sbo mit insgesamt 112 Mitarbeitern. Das ist ein ähnliches Verhältnis von Mitarbeitern zu Kunden. Für mich heisst das: In Olten wird effizient gearbeitet, und es ist viel gutes Know-how vorhanden.

Die EBM spricht aber auch von Synergien mit der Avag, die sie nützen will. Wo sehen Sie diese?

Sie könnten etwa bei den Energieverrechnungssystemen liegen, oder beim Unterhalt der überregionalen Netze. Aber in der Technik und bei den Monteuren hat die a.en keine grossen Polster, dort erwarte ich keinen Abbau.

Was ändert der Wechsel von Alpiq zum Konsortium EBM-sbo-UBS-Ceis für die vier Gemeinde-Elektras im Niederamt?

Wir haben sogenannte Netzpachtverträge mit der Avag. Die Avag betreibt unsere Netze und betreut die Stromkunden in unseren Gemeinden. Wir zahlen für Ausbauten und Sanierungen der Netze. Diese Verträge wurden zuletzt 2013 erneuert. Die Verhandlungen mit Alpiq waren damals anfänglich harzig, dann hat sich die Avag bewegt. Sie haben erkannt, dass die Netzpachtverträge für beide Seiten eine Win-win-Situation bringen. Ende 2019 laufen die Verträge aus und müssen auf diesen Zeitpunkt hin wieder neu verhandelt werden. Ich bin überzeugt, das kommt gut.

Die vier Gemeinden sind doch für den Netzbetrieb faktisch auf die Avag beziehungsweise a.en angewiesen. Haben Sie überhaupt eine Alternative?

Ja, die haben wir durchaus. Das war schon bei den Vertragsverhandlungen in der Vergangenheit ein Faktor. Hätte ein anderer Bieter den Zuschlag für Avag erhalten, wären unsere Alternativen vielleicht schwieriger geworden. Die vier Elektras werden ihre gute Position als wichtige Kunden der Avag bestimmt zu nutzen wissen, wenn es 2019 um die Vertragsverlängerung geht.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1