Fein säuberlich nach Farben, Längen und Modellen sortiert hängen die über 150 Abendkleider an den Kleiderstangen. Der kleine Raum im Dachstock des Wohnhauses in Gretzenbach ist der Showroom des jungen Modelabels «Peppermint». Während Kater Dorian die Gelegenheit nutzt, um das sonst für ihn verbotene Zimmer zu erkunden, zeigen Daria und Benjamin Rudin ihr Kleiderparadies.

Das junge Ehepaar hat vor einem Jahr seinen Traum verwirklicht: Sie eröffneten den Online-Shop «Peppermint». Pfefferminze, weil: «Erstens passt die Pastellfarbe mintgrün perfekt zu uns, zweitens kann man sich den Namen leicht merken und drittens mögen fast alle Pfefferminze», erklärt Daria Rudin. Bei jeder Bestellung legt sie einen Beutel Pfefferminztee oder ein Pfefferminzbonbon zum Kleid ins Paket. «Für die Kundenbindung», meint Benjamin Rudin augenzwinkernd.

Die beiden bieten die Abendkleider zur Miete an. Für rund 80 Franken kann sich die Kundin, die an eine Hochzeit oder zu einem Ball eingeladen ist, ein Kleid für vier Tage ausleihen — Versand und Reinigung inklusive.

«Kleider gehen auf Reisen»

«Unsere Kleider werden hauptsächlich an formellen Anlässen getragen. Einmal hat eine Frau bei uns aber auch ein Kleid für ihre eigene Hochzeit gemietet», erzählt Daria Rudin und hält das weissbestickte, mittellange Kleid hoch. Angefangen haben sie vor einem Jahr mit 20 Modellen in zwei verschiedenen Grössen. Mittlerweile besteht die Kollektion aus rund 60 Modellen, die in bis zu vier Grössen verfügbar sind. Die meisten Kundinnen seien im Alter zwischen 25 und 45 Jahren, die klassische Schnitte und eher dunkle Farben bevorzugen würden.

«Unsere Kleider gehen auch manchmal auf Reisen», sagt ihr Mann Benjamin und meint damit, dass einige Roben auch schon mal mitgenommen wurden zu einer Feier im Ausland. Doch sie kommen alle immer wieder zurück ins Dachgeschoss in Gretzenbach. Denn kaufen kann man die Kleider nicht. «Noch nicht», meint die gebürtige Russin schmunzelnd.

Das Paar hat sich vor zwölf Jahren in einem Hotel in der Nähe von Moskau kennen gelernt. Benjamin Rudin war wegen seiner Arbeit als Helikoptermechaniker vor Ort. Nach zwei Jahren Fernbeziehung beschloss Daria Rudin, in die Schweiz zu kommen. In Fribourg machte sie dann ihren Management-Master.

Ihr Interesse für Mode und Trends teilt die 33-jährige Finanzmanagerin mit ihrer Schwester Natalia, die in Moskau lebt: Sie entwirft denn auch die Abendkleider, die hier in der Schweiz gemietet werden können. Daria Rudin erklärt, wie das dreiköpfige Team von «Peppermint» arbeitet: «Natalia ist die Designerin, ich übernehme das Management und Benjamin ist das Mädchen für alles.» Ihr Mann kümmere sich etwa um das Fotografieren der neuen Modelle.

«Peppermint»-Shop in Zürich

Der gelernte Mechaniker arbeitet heute bei einem grossen Industriekonzern als Servicemitarbeiter — fernab von Mode eigentlich. Aber: «Ich bin mit vier Schwestern aufgewachsen. Vielleicht ist das der Grund, warum es mir schon immer Spass gemacht hat, mit Frauen shoppen zu gehen», sagt der 40-Jährige grinsend. Sowieso hätten ihm Frauenkleider immer viel besser gefallen als Männersachen. In der nahen Zukunft planen die Rudins darum auch keine Männerlinie bei «Peppermint».

Als Abschlussarbeit für ihr Masterstudium hat Daria Rudin einen Businessplan für einen Hybrid-Modeshop verfasst. «Also eine Mischung aus Modeladen und Café», erklärt sie. Noch sind das Modelabel und die Kleidervermietung nicht profitabel für das Ehepaar. «Es lohnt sich für uns noch nicht, dafür müssten wir mehr Kleider pro Woche vermieten», sagt Benjamin Rudin.

Im kommenden Jahr soll das Konzept dann in die Tat umgesetzt werden. «Peppermint» als Modelabel mit Alltagskleidern im Mittelpreissegment, so stellen es sich die Rudins vor. «Wir wollen hohe Qualität zu einem bezahlbaren Preis bieten», sagt Benjamin Rudin. Die Stoffe holen sie schon jetzt aus China, genäht werden die Designs von Schwester Natalia in der Nähe von Moskau in einer kleinen Produktionsfirma. Beide Orte haben die Rudins persönlich besucht. Gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene Entlöhnung der Arbeiter seien ihnen wichtig.

Um die Businessidee des Hybrid-Shops zu testen, zeigt sich das Modelabel «Peppermint» im November und Dezember in einem Pop-up-Store in Zürich. Während die Frauen im Laden die langen oder kurzen, gemusterten oder unifarbenen Abendkleider anprobieren können, sollen die Ehemänner mit Kaffee und Kuchen verwöhnt werden. Benjamin Rudin bezieht dafür Ferien und auch Schwester Natalia reist eigens für die Eröffnung in die Schweiz.