Von Weitem fallen sie auf, die vier Türme auf dem Dach des neu errichteten Gurdwara-Sahib-Tempels in Däniken. Dabei seien es eher kleine Türme, wie später noch erklärt werden sollte. Sonst wirkt er eher unscheinbar, der neue Sikh-Tempel an der Schachenstrasse. Erst beim Betreten des Gebäudes bemerkt der Besucher, dass er sich an einem spirituellen Ort befinden muss. Vor der Türe liegen Schuhe. So wird man dann auch bei der Begrüssung gebeten, diese auszuziehen und sich ausserdem den Kopf zu bedecken. Jorawar Singh, der Projektleiter, erklärt: «Den genauen Grund für die Kopfbedeckung kenne ich nicht. Aber ich denke, dass es vor allem um den praktischen Aspekt geht. Die gläubigen Sikhs dürfen sich die Haare nicht schneiden. Irgendwo müssen sie diese ja verstauen. Deshalb tragen sie wahrscheinlich einen Turban.» Auch das mit dem Ausziehen der Schuhe kommt nicht von irgendwo her: «Im Sikhismus heisst es, dass man keine Tiere töten soll. Da Schuhe häufig aus Leder gefertigt sind, darf man den Tempel damit nicht betreten», führt Singh aus. Dies wird auch konsequent durchgezogen: Im Tempel wird nur vegetarisch gekocht und gegessen.

An derselben Stelle stand vorher eine Autogarage, welche die Sikh-Gemeinde bereits während den zehn Jahren zuvor als Tempel nutzte. Das Grundstück sei laut dem Projektleiter schon damals mit der Absicht erworben worden, einen Neubau zu errichten. Ausgewählt wurde die Niederämter Gemeinde wegen der zentralen Lage. «Ein wichtiges Kriterium war, dass alle in der Schweiz lebenden Sikhs den Tempel innerhalb von ein bis zwei Stunden erreichen können», erläutert Singh. «Dies ist in Däniken gegeben.»

Der Rundgang beginnt im Untergeschoss, wo sich neben Lager- und Schulungsräumen auch die Priesterzimmer befinden. Im Däniker Tempel werden nämlich konstant drei indische Priester leben und arbeiten, die jeweils ein dreimonatiges Visum erhalten. Die ersten drei leben jetzt schon im Tempel, lesen aus dem Heiligen Buch der Sikhs vor und musizieren. So ertönen während des Rundgangs mehrmals auf Punjabi gesungene Lieder aus dem Untergeschoss.

Einen Stock weiter oben befinden sich Küche und Speisesaal. Das gemeinsame Essen bildet im Sikhismus ein wichtiges Element. Nach dem gemeinsamen Gebet wird im Speisesaal auf dem Boden sitzend das Essen eingenommen. Die Mahlzeiten werden grösstenteils gespendet und von freiwilligen Helfern zubereitet. Über steinerne Treppen, die seitlich der grossen Eingangshalle angebracht sind, gelangt man in das Herzstück des Tempels: den Gebetsraum. Der schwarz-gemusterte Teppich, der den ganzen Boden ziert, wurde extra aus Indien importiert. Am hinteren Ende des Raumes, welcher bis zu 200 Gläubigen Platz bietet, steht eine Art Vitrine, in welcher das Heilige Buch der Sikhs befindet. «Das Buch ist fast wie eine Person», erläutert Jorawar Singh. «Es schläft in einem Bett, wird geweckt und in die Vitrine gelegt. Während den Gottesdiensten lesen die Priester daraus vor.» Und tatsächlich, in einem kleinen Zimmer hinter dem Gebetsraum steht aufwendig geschmücktes Bett aus Holz, in welchem das Buch «schläft».

Bei einer Tasse Chai (indischer Tee) und Samosas (mit Gemüse gefüllte Teigtaschen) erzählt Jorawar Singh von der Däniker Sikh-Gemeinde: «Wir sind etwa 100 registrierte Mitglieder. Zu den Gottesdiensten an den Wochenenden kommen bis zu 150 Personen. Bei den Feierlichkeiten sind es sogar noch mehr.» Die Gläubigen kommen aus der ganzen Schweiz, zum Teil auch aus dem nahen Ausland. Nebst dem Tempel in Däniken sind noch weitere in Langenthal und in Genf zu finden. Im Sikhismus gibt es keine getrennten Rituale für Männer und Frauen. Es wird zusammen gebetet, gesungen, gekocht und gegessen. Auch die Kinder sind an den Ritualen dabei. «Es geht manchmal schon recht lebenhaft zu und her», meint Singh lachend.

Am 19. April ist es so weit: Der neue Tempel wird mit einem grossen Fest eröffnet. Man sei im Zeitplan, sagt Singh. Der leitende Architekt Arjuna Adhihetty bestätigt dies: «Das meiste funktioniert bereits.» Fertig ist der Bau allerdings noch nicht. Garten- und Fassadenarbeiten seien laut dem Solothurner Architekten beispielsweise noch zu erledigen. Im Gegensatz zum Langenthaler Tempel ist der Däniker eher schlicht gehalten: «Uns war es wichtig, den religiösen Bau in die hiesigen Umgebung zu integrieren», sagt Adhihetty.