Übernahme
Däniker Kabelfabrik ist wieder zurück in Schweizer Hand – alter CEO ist auch der neue

Bruno Fankhauser übernimmt zusammen mit Schweizer Investoren das traditionsreiche Däniker Kabelunternehmen Studer.

Noël Binetti
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Das Däniker Unternehmen Studer Cables AG mit rund 400 Mitarbeitenden ist technologisch führend in der Herstellung sicherer und leichter Kabel.

Das Däniker Unternehmen Studer Cables AG mit rund 400 Mitarbeitenden ist technologisch führend in der Herstellung sicherer und leichter Kabel.

zVg

In Wasserkraftwerken, an Flughäfen oder auf schwimmenden Solaranlagen: Die Kabel und Leitungen der Leoni Studer AG zur Energieverteilung finden weltweit eine breite Anwendung.

2006 verkaufte die Besitzerfamilie die 1939 als Studer Draht und Kabelwerke gegründete Firma nach Deutschland, an die Leoni-Gruppe. Nun ist das Unternehmen wieder in Schweizer Hand und heisst fortan Studer Cables AG.

Keine Angaben zu Kaufpreis

In einer Medienmitteilung heisst es: «Ein Käuferkonsortium um den alten und neuen CEO Bruno Fankhauser und Helvetica Capital haben das Unternehmen von der deutschen Leoni-Gruppe übernommen.» Die neuen Eigentümer wollen Studer Cables zur führenden Schweizer Qualitätsmarke für halogenfreie und flammwidrige Sicherheitskabel ausbauen.

Gefragt, ob Leoni den Geschäftsbereich abstossen wollte, sagt CEO Fankhauser: «Genau. Mitte 2019 hat das börsenkotierte Unternehmen bekannt gegeben, dass es sich von der Kabelsparte trennen möchte.» Die Studer Cables AG sei dabei eine von mehreren Gesellschaften gewesen. Nach Bekanntgabe des Entscheids seien mehrere Optionen geprüft worden.

Bruno Fankhauser, CEO Studer Cables AG

Bruno Fankhauser, CEO Studer Cables AG

zVg
«Vor knapp einem Jahr spielte ich zum ersten Mal mit dem Gedanken, das Unternehmen zusammen mit anderen Investoren zu übernehmen»,

sagt Fankhauser. Und: «Die Idee brauchte dann Zeit, um zu reifen.» In der aktuellen Lage sei es nicht nur einfach gewesen, Partner für ein solches Projekt zu finden. «Als die Corona-Krise im letzten Frühling an Fahrt aufnahm, kamen am Markt auch gewisse Verunsicherungen auf.» Am Ende seien es aber Menschen und deren Überzeugungen gewesen, die dazu geführt hätten, dass sich eine Investorengruppe rund um die Helvetica Capital AG, die ihren Sitz in Zürich hat, engagieren wollte. Genaue Angaben zu den Aktienverhältnissen und zum Kaufpreis macht Fankhauser keine.

Kein Stellenabbau geplant, eher moderates Wachstum

An der Strategie des Unternehmens soll sich vorderhand nichts ändern. Fankhauser dazu:

«Es wird sicher Anpassungen und neue Akzentuierungen geben.»

Die über Jahre erarbeiteten Kompetenzen sowie das Kerngeschäft sollen aber fortgeführt werden. Es soll auch kein Abbau von Stellen geben: «Wir planen, moderat zu wachsen. Zuerst gilt es aber, wieder auf den Stand von vor Corona zu kommen.» Das letzte Jahr war für das Unternehmen wegen der Pandemie kein einfaches. Die Studer Cables AG beschäftigt an den zwei Standorten in Däniken rund 400 Mitarbeitende, inklusive Auszubildende.

Zulieferer für berühmte Bauwerke

Das Unternehmen ist weltweit bekannt und aus technologischer Sicht führend in der Fertigung leichter und auf Sicherheit bedachter Kabel und Leitungen zur Energieübertragung. Ein Fokus liegt in der Ausrüstung der Schienenverkehrstechnik. Studer Cables lieferte beispielsweise die Kabel für die Energieversorgung des Gotthard-Eisenbahntunnels, mit 57 Kilometern der längste Bahntunnel der Welt. Aber auch im Wahrzeichen von Singapur, dem Marina Bay Sands Resort, sind Kabel aus Däniken zu finden. Die Firma verarbeitet Kunststoffe, die bei einem Brandfall keine giftigen Stoffe freisetzen.

In der Mitteilung ist die Rede davon, dass das Unternehmen an neuen Produktsparten tüftelt. Viel genaueres dazu möchte Fankhauser nicht sagen, nur so viel: «Wir wollen unser Wissen rund um Kunststoff über die reine Kabelanwendung hinaus einsetzen.» Angesprochen auf zu erwartende Herausforderungen am Markt, benennt Fankhauser neben der Corona-Krise auch veränderte Rahmenbedingungen wie den zunehmenden Protektionismus, Zölle, Währungen und andere Handelshemmnisse.

«Insbesondere für exportierende Industrieunternehmen bestehen zunehmend und branchenunabhängig solche Unsicherheiten.»

Doch man wolle weiterhin wettbewerbsfähig bleiben und am Standort Schweiz festhalten: «Wir fühlen uns im Niederamt wohl. Däniken profitiert von einem breiten Einzugsgebiet. So können wir die nötigen Spitzen- und Facharbeitskräfte rekrutieren», sagt Fankhauser. Es sei ein in vorteilhafter Standort. «Doch was die Zeit bringt, weiss niemand.»

zVg

Machen einem Kabelhersteller Technologien Angst, die drahtlos funktionieren? Fankhauser antwortet darauf: «Nein, wir befassen uns primär mit Energieübertragungslösungen. Aufgrund der physikalischen Gesetze sind Kabel für die Energieübertragung immer noch das sicherste und effizienteste Medium».

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