Trimbach
Die Guetzlifabrik befindet sich bereits mitten im Umzug – was das für die laufende Produktion bedeutet

Die Firma Hug in Trimbach befindet sich im Umzug bei laufender Produktion – die Versprechen an die Belegschaft könne man einhalten. Dabei sollen nicht mehr Angestellte entlassen werden, als angekündigt.

Noël Binetti
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Nicht nur Guetzli verlassen die Fabrik: In Lastwagen werden Elemente der Produktionsstrassen von Trimbach nach Malters (LU) transportiert.

Nicht nur Guetzli verlassen die Fabrik: In Lastwagen werden Elemente der Produktionsstrassen von Trimbach nach Malters (LU) transportiert.

Bruno Kissling

Nächstes Jahr endet für Trimbach die Erfolgsgeschichte mit Wernli – nach 108 Jahren. Ende März 2022 soll die letzte der fünf Produktionsstrassen gezügelt sein. Dann wird die Fabrik geschlossen und abgerissen. Vergangene Woche stellten eine Jury und die neue Besitzerin des Areals, die Aare Liegenschaften AG, zusammen mit der Gemeinde das Nachfolgeprojekt vor. Mitten in Trimbach soll eine riesige Siedlung entstehen: die «Breiti», wie das Areal eigentlich heisst; 153 Wohnungen sind geplant.

Marianne Wüthrich Gross, Standortleiterin in Trimbach und Mitglied der Geschäftsleitung der Hug AG.

Marianne Wüthrich Gross,
Standortleiterin in Trimbach und Mitglied der Geschäftsleitung der Hug AG.

Bruno Kissling

Noch wird die Mehrheit der Süssgebäcke hier produziert. Doch die Guetzlifabrik befindet sich bereits mitten im Umzug. Ein grosses logistisches Unterfangen, wie ein Anruf bei der Standortleiterin von Trimbach, Marianne Wüthrich, zeigt. Der Erweiterungsbau im Umfang von 60 Millionen Franken am Hauptsitz der Firma Hug in Malters LU befinde sich gerade im Abschluss, sagt Wüthrich, die auch Mitglied der Geschäftsleitung der Hug AG ist. 2008 erfolgte die Übernahme der Wernli AG durch den Backwarenhersteller Hug. 2017 wurde der Entscheid kommuniziert, dass die Marke Wernli aus Trimbach verschwindet. Seit da ist viel geschehen.

Logistik bedeutet eine Herausforderung

Wüthrich erklärt auf Anfrage: «Die erste Produktionsstrasse ist am neuen Standort in Betrieb.» Die Züglete verlange ein hohes Mass an Koordination: «Wir müssen die Nachfrage abschätzen, Reserven anlegen und Vorräte produzieren.» Der Umzug einer Produktionsstrasse nimmt etwa drei Monate in Anspruch. Nicht alle Produkte können auf jeder der fünf Anlagen hergestellt werden. «Die Waffeln benötigen eine bestimmte Anlage.» Andere Produkte gelingen auf mehreren Maschinen. «Ich finde die Logistik dieses riesigen Projekts wahnsinnig spannend», sagt Wüthrich. «Es gilt, an alle Mitarbeitenden zu denken, an die Produkte und an die Anlagen. Dabei sind mir schon ein paar graue Haare gewachsen», sagt sie und lacht. Insgesamt sei man auf Kurs.

So sieht es im Innern der Fabrik in Trimbach aus.

So sieht es im Innern der Fabrik in Trimbach aus.

zvg
Elemente einer Produktionsstrasse verlassen Trimbach.

Elemente einer Produktionsstrasse verlassen Trimbach.

zvg

Wie sieht Wüthrich dem Abschied von Trimbach entgegen, wird es ein Fest geben? Das sei im Moment schwierig zu planen, wegen der Pandemie. Sicher werde es für die Mitarbeitenden einen Anlass geben, doch ob etwas für die Bevölkerung vom Dorf stattfinde, sei im Moment unklar. «Denkbar ist es», ergänzt Wüthrich. Sie sagt:

Das einstige Logo der Wernli AG

Das einstige Logo der Wernli AG

Hug AG
«Der Umzug ist für Trimbach schon hart. Es verschwindet ein Stück der Dorfseele.»

Dabei denke sie gar nicht in erster Linie an ökonomische Belange, wie Erwachsene dies schnell täten. «Sondern an Identität und Kindheitserinnerungen.» Wer nicht aus Trimbach stamme, könne diesen Aspekt leicht unterschätzen.

Unternehmen kann Versprechen einhalten

Rund 130 Personen beschäftigte Wernli in Trimbach lange. Das Unternehmen sagte vor zwei Jahren, man wolle so viele als möglich nach Malters mitnehmen und weiterbeschäftigen. Etwa 15 Stellen sollten durch den Umzug abgebaut werden. Wie ist der Stand heute? «Nach Bekanntgabe der Standortschliessung hatten wir eine grosse Fluktuation», antwortet Wüthrich. Einige hätten andere Gelegenheiten ergriffen, als sich ihnen die Möglichkeit bot. «Das ist nachvollziehbar und normal.»

Doch mit den jetzigen 116 Festangestellten hat Hug neue der Verträge abgeschlossen. «Sie kommen mit nach Malters.» Leute, die neu zum Unternehmen gestossen sind, wohnen teilweise bereits in südlicher Richtung, so dass der neue Arbeitsweg für sie keine grosse Umstellung wird.

«Einzig aus dem Baselbiet, von hinter dem Hauenstein, hatten wir keine Neuzugänge mehr. Das war früher oft der Fall»,

so Wüthrich. Die etwa 15 temporär Angestellten sowie Personen, die einzig für den Umzug beschäftigt wurden, werden die Firma wieder verlassen. Hug hält also Wort und entlässt nicht mehr Leute, als angekündigt.

Auch der Shuttlebus, den das Unternehmen in Aussicht stellte, verkehrt bereits. «Das Angebot besteht, doch da arbeiten wir noch an Kinderkrankheiten.» Wichtig sei, dass wenn ein Bus verkehre, dieser auch genutzt werde. Erschwerend sind hier momentan noch die Schutzmassnahmen vor Corona. Hug hat jenen Mitarbeitenden eine einmalige Umzugsprämie angeboten, die ihren Wohnort an den neuen Standort verlegen. Davon habe bisher niemand Gebrauch gemacht. «Das kann sich noch ändern, das Angebot gilt nach wie vor», erklärt Wüthrich.

Und was sagt die Standortleiterin zum vorgestellten Wohnprojekt für das «Wernliareal»? «Das ist für Trimbach eine riesige Chance.» Damit entstehe wertvoller Wohnraum an zentraler Lage. «So kann sich im Dorf ein neues Zentrum bilden.» Auch der Verkaufsladen in Trimbach wird geschlossen. Ein kleiner Trost bleibt das Wernlihaus, welches stehen bleibt. «Das ist super. Ich hätte das nie gedacht und finde die Vorstellung schön.» Geschichtlich sei das Gebäude wichtig für Trimbach.

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