Trimbach
Ältere beraten die Jüngeren: Das «PLING-Büro» hilft bei Streitereien

An der Primarschule Gassacker-Leinfeld in Trimbach helfen Kinder anderen Kindern in Konfliktsituationen.

Denise Donatsch
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Von links die drei Trimbacherinnen des Ideenbüros: Elena Kissling, Johanna Loretz und Sara Eseias.

Von links die drei Trimbacherinnen des Ideenbüros: Elena Kissling, Johanna Loretz und Sara Eseias.

Denise Donatsch

Streitereien auf dem Pausenplatz gehören an Primarschulen zur Tagesordnung. Meist können die Auseinandersetzungen von den beteiligten Kindern selbst gelöst werden, sodass ein gutes Miteinander wieder möglich ist. Manchmal gibt es aber auch zähere Konflikte, bei denen die betroffenen Kinder auf Unterstützung angewiesen sind, um aus der Situation herauszufinden.

Für Fälle wie diese hat das Schulhaus Gassacker-Leinfeld in Trimbach das seit 2002 bestehende Konzept des Ideenbüros übernommen, von den Kindern liebevoll «PLING-Büro» genannt. «PLING» steht dabei für die eintrudelnden Ideen im Kopf, die sich rund um mögliche Konfliktlösungsstrategien drehen. Aber auch Ideen zur Umgestaltung des Pausenplatzareals oder des Schulhauses sind jederzeit willkommen. Geleitet wird das Büro von Kindern aus der 6. Klasse, die sich um die Anliegen jüngerer Schülerinnen und Schüler kümmern. Die älteren beraten die jüngeren Schülerinnen und Schüler und erarbeiten mit ihnen gemeinsam Lösungen. Im aktuellen Schuljahr haben diese Funktion die drei Trimbacher Mädchen Elena Kissling, Johanna Loretz und Sara Eseias inne.

Beratungsgespräch unter acht Augen

Der Ablauf ist dabei stets der gleiche. Hat ein Schulkind ein Problem oder eine Anregung, kann es seine Gedanken auf einer PLING-Anmeldung schriftlich formulieren und diese in den dafür vorgesehenen Briefkasten werfen. «Einmal in der Woche leeren wir den Briefkasten und sichten die Anliegen», erklären Elena, Johanna und Sara. Den Dreien ist dabei anzumerken, wie ernst sie ihre Aufgabe nehmen. Im Anschluss an die Sichtung werden die hilfesuchenden Kinder zum Beratungsgespräch eingeladen.

«Oft können wir das Problem bereits im ersten Gespräch lösen, indem wir den betroffenen Kindern Tipps mit auf den Weg geben.»

Während einer solchen Beratung, die in einem eigens dafür eingerichteten Raum stattfindet, leitet eines der Mädchen das Gespräch, ein anders führt Protokoll und das dritte beobachtet die Situation – so kann sichergestellt werden, dass nichts Wichtiges unbemerkt bleibt.

Die Planung und Umsetzung des geschmackvollen Interieurs haben ebenfalls die drei Mädchen übernommen. «Uns war es wichtig, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wohl fühlt.» Denn nur so ist es laut den schon sehr reif wirkenden Mädchen möglich, dass sich die Ratsuchenden wirklich öffnen können. Manchmal käme es aber auch vor, dass ein zweiter Gesprächstermin erforderlich sei. In einem solchen Fall werden alle am Konflikt beteiligten Parteien zum Gespräch eingeladen. So würde versucht das Problem von verschiedenen Seiten anzugehen. «Die meisten Konflikte starten mit Missverständnissen.» Kläre man diese, sei meist auch der Streit begraben. Auf Schuldzuweisungen werde bewusst verzichtet.

Rückhalt von Sozialarbeitenden

Fände man nach dem zweiten Gespräch noch immer keine funktionierende Lösung, würde der Fall schliesslich an die Schulsozialarbeit übergeben. Während all dieser Prozesse rund um das Ideenbüro stehen die beiden Sozialarbeitenden der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Trimbach, Fabienne Hurni und David Bieli stets im Hintergrund bereit, um den Mädchen bei Bedarf zur Seite zu stehen.

Der Startschuss für das Gassacker-Leinfeld Ideenbüro fiel vor fünf Jahren, in Zusammenarbeit mit der Schule Trimbach und der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Trimbach. «Die non-formale und informelle Bildung – also jene Bereiche neben den «üblichen» Schulfächern wie Mathe oder Deutsch – geht bei der Fülle an Aufgaben, die eine Schule bewältigen muss, sehr oft unter», bemerkt Bieli. Deswegen sei das Ideenbüro auch eine gute Entlastung für die Lehrpersonen. Auch könnten sich Kinder schlicht besser in Gleichaltrige einfühlen, was dem Konfliktlöseprozess zugutekommt, ergänzt Hurni.

Ein Kooperationsprojekt zwischen der Schule und der offenen Kinder- und Jugendarbeit, wie es das PLING bereithält, wissen beide Parteien sehr zu schätzen. Ein solches Projekt könnte beispielsweise auch im öffentlichen Raum für alle Trimbacherinnen und Trimbacher durchgeführt werden.