Bevor die Budgetgemeindeversammlung im Trimbacher Mühlemattsaal am Montagabend beginnen konnte, mussten rund 20 zusätzliche Tische aufgestellt werden. 244 Stimmberechtigte waren anwesend. Gemeindepräsident Martin Bühler begrüsste die Trimbacher: «Wir sind positiv überrascht, dass so viele Leute gekommen sind.»

Zwei Investitionskredite waren Grund dafür: Das Doppelprojekt beinhaltet einerseits den Neubau des Werkhofes auf dem Areal Grossfeld an der Winznauerstrasse und andererseits den Ausbau der Sport- und Freizeitanlage Grossfeld. Insgesamt würde das Projekt rund 4,8 Millionen Franken kosten. «Glauben wir noch an die Zukunft von Trimbach? Wenn ja, dann müssen wir bereit sein, zu investieren. Auch wenn die Kasse nicht so gut bestückt ist», sagt Hansjörg Frei. Der Architekt ist Mitglied der Arbeitsgruppe «Werkhof und Sport- und Freizeitanlage Grossfeld».

Die Meinungen waren gemacht

Unter dem Titel «Unsere Gemeinde plant den Aufbruch» stellt Frei den Anwesenden das Grossprojekt vor: Die Infrastruktur beim Schulhaus Leinfeld sei «marode». Es gebe dort für den FC Trimbach nur drei Garderoben und eine Dusche. Mit dem Projekt könne man Synergien zwischen Sportanlage und Werkhof nutzen. Auf dem Areal Grossfeld würde ein gemeinsames Gebäude entstehen. Idealerweise könnte bei einer Zustimmung 2020 mit dem Bau begonnen werden.

Doch das sahen die Trimbacher anders: Zahlreiche Hände schnellten nach der Vorstellung des Projekts nach oben. Die Meinungen waren gemacht. Dass Werkhof und Sportanlage der Sanierung des Kindergartens Brückenstrasse vorgezogen werden, sorgte für Unmut. «Die Junioren des Fussballclubs verbringen eine Stunde pro Woche in den Garderoben der Sportanlage. Im Kindergarten sind die Kinder aber 25 Stunden die Woche. Das ist doch absurd, dass wir darüber diskutieren», sagte eine Trimbacherin energisch. Lauter Applaus folgte.

Zweimal Nichteintreten

Gemeindepräsident Bühler versuchte zu beschwichtigen: «Wir wollen die verschiedenen Investitionsprojekte nicht gegeneinander ausspielen. Der Kindergarten ist dem Gemeinderat genauso wichtig.» Die Projektstudien dazu würden bereits laufen. Jedoch sei man noch nicht soweit, als dass man konkrete Zahlen präsentieren könnte. Darum stehe an diesem Abend nur die Abstimmung über das kombinierte Werkhof-Sportanlage-Projekt an.

Die Erklärungsversuche Bühlers schienen nicht zu fruchten. Martin Staub, der Präsident der Bürgergemeinde, stellte bei beiden Investitionskrediten einen Antrag auf Nichteintreten: Beide wurden deutlich angenommen. «Das bedeutet, dass wir nicht weiter über die zwei Projekte diskutieren», sagte Bühler und bedankte sich für «die engagierten Voten».

«Und zwar schnellstmöglich!»

Anschliessend folgten die Anwesenden einem weiteren Antrag eines Trimbachers einstimmig: «Ich beantrage, dass der Gemeinderat als erstes Projekt die Sanierung des Kindergartens in Angriff nimmt. Und zwar schnellstmöglich!» Der Auftrag an die Behörden ist somit klar: Werkhof und Sportanlage sollen zurückgestellt werden, der Kindergarten hat Priorität.

Die nachfolgenden Traktanden zum Ersatz der Heizung im Wärmeverbund Mühlematt, zu den Revisionen der Reglemente für Abfall und Bestattungswesen wurden ohne grossen Widerstand durchgewinkt. Auch der Dienstleistungsvertrag mit der Gemeinde Winznau betreffend der Bauverwaltung wurde einstimmig akzeptiert.

«Nicht glücklich» über hohe Kosten für Sozialregion

Kurz vor 23.30 Uhr kam dann das eigentliche Haupttraktandum des Budgets 2019 an die Reihe. Gemeinderätin Silvia Lehmann sagte: «Ich hoffe, das Traktandum 13 bringt uns kein Unglück.»

Kurz darauf mussten die Anwesenden über einen Antrag auf Rückweisung des Voranschlags abstimmen. Grund dafür waren die hohen Kosten von fast 400'000 Franken für die Sozialregion Olten. Bühler: «Wir sind auch nicht glücklich mit diesen hohen Ausgaben. Aber wir können die nicht beeinflussen.» Man sei aber im Gespräch mit der Sozialregion, um «die Kosten in den Griff zu bekommen». Mit einer klaren Mehrheit wurde der Antrag abgelehnt. Die Stimmbürger wollten keinen erzwungenen Stillstand der Investitionen verursachen.

«Ich weiss, es ist spät»

Nach der eher widerwilligen Absegnung des Budgets 2019 informierte Gemeindepräsident Bühler die Bürger noch über die Besetzung zweier Stellen in der Gemeindeverwaltung: Philipp Felber fängt per Februar 2019 als Gemeindeschreiber an und der Niedergösger Roland Brunner tritt im März seine Stelle als neuer Bauverwalter an.

Als sowohl der Gemeinderat als auch die anwesenden Stimmberechtigten glaubten, die Versammlung habe ihr Ende erreicht, erhielt ein Trimbacher in der hintersten Reihe das Wort: «Ich weiss, es ist spät. Aber ich will nicht aus diesem Saal, ohne dass wir einen Lösungsansatz haben.» Darum stellte er einen letzten Antrag. «Bis Ende März 2019 muss der Gemeinderat für die Junioren des FC Trimbach eine Lösung betreffend der Duschsituation im Leinfeld finden.»

Zwei klare Aufträge an den Gemeinderat

Ungeduldig warteten die Stimmberechtigten, bis der Gemeindepräsident das Signal zur Abstimmung gegeben hat. Mit einem einstimmigen Ja zu diesem Antrag und zwei klaren Aufträgen an den Trimbacher Gemeinderat wurde die Budgetgemeindeversammlung kurz nach Mitternacht beendet.