Schönenwerd

Sonderausstellung «Bally Monsieur»: Eine Reise durch die Design-Epoche

Ballyana-Mitarbeiter Beat Hefti zeigt ein Leistenmass

Sonderausstellung "Bally Monsieur" - der Herrenschuh seit 1851 - Ballyana

Ballyana-Mitarbeiter Beat Hefti zeigt ein Leistenmass

Die neue Sonderausstellung im Ballyana in Schönenwerd zeigt mit «Bally Monsieur» die Entwicklung des Herrenschuhs seit 1851.

Männer und Schuhe – die Kombination irritiert auf den ersten Blick. Doch der Widerspruch löst sich beim Betreten des neu gestalteten Ausstellungsraums sogleich auf. Auch Männer waren und sind modebewusst, wie die neue Sonderausstellung «Bally Monsieur» zeigt.

Auf hohen blauen Tische stehen elegante Halbschuhe mit Schnürung, Loafers, Stiefeletten, genagelte Militärschuhe, Feuerwehrstiefel, Ski- und Schlittschuhe. Dem Besucher bietet sich eine abwechslungsreiche Schau der Bally-Herrenschuhe bis in die Gegenwart. Auch Modelle, die heute noch von Bally in Caslano TI hergestellt werden, sind zu sehen.

Die Ausstellung ist eine Design- und Style-Schau vergangener Epochen. Anhand einzelner Themenblöcke lassen sich die Schuhe in den jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext einbetten. Dazu gehören auch Verpackungsmaterialien wie Schuhschachteln oder Accessoires wie Gürtel und Herrenhandtaschen.

Die Modelle der Anfangsjahre sind nicht erhalten. Wahrscheinlich handelte es sich um einfaches und billiges Material, dem keine lange Lebensdauer beschieden war. Carl Franz Bally, der Begründer der Schuhproduktion, verstand anfänglich nichts davon, Fachpersonal fand er kaum. Das Geschäft überlebte nur dank der Herstellung von elastischem Gewebe, das man nebst für Schuhe auch für Hosenträger benötigte. Erst neue Näh- und Spezialmaschinen aus Amerika verändern die Produktion ab 1870 grundlegend. Die Qualität stieg, die Preise sanken. Um 1900 war Bally, so besagt eine Schautafel, der grösste Schuhproduzent der Welt. Ab den 1970er-Jahren wechselten die Besitzer, vor zwanzig Jahren wurden in Schönenwerd die letzten Bally-Schuhe produziert. Eine über 150-jährige Industriegeschichte ging zu Ende. Ballyana Sammlung Industriekultur bemüht sich seither, das historische Erbe zu bewahren.

Zusammenarbeit mit dem Bally-Archiv

Philipp Abegg, Präsident der Stiftung Ballyana, arbeitet mit seinen Vorstandskollegen seit gut einem Jahr an der Ausstellung. Die Idee dazu hatte er bereits vorher: «Wir tragen ja alle Herrenschuhe.» Dass nun erstmals Schuhe aus dem Archiv der Bally Schuhfabriken gezeigt werden, ist eine Premiere.

Für Ballyana sind eine Reihe von ehemaligen Bally-Mitarbeitern als freiwillige Helfer tätig, so auch Beat Hefti. Seit 2004 engagiert sich der Schönenwerder für die Sammlung, nachdem er zuvor jahrzehntelang bei Bally in der Abteilung für Damenschuhe tätig gewesen war. In seinen Händen hält er ein Leistenmass, wie man es für das Abmessen der Leisten benutzte. Auf einer Tabelle lassen sich die unterschiedlichen Nummerierungs-Skalen ablesen.

Bis Schuhgrösse 50 wurden Herrenschuhe produziert, bis Nummer 48 immer an Lager gehalten. Man darf gespannt sein, ob nach der Ausstellung für «Monsieur» eine für «Madame» folgen wird.

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