Für das Foto will Hundesalon-Besitzerin Sibille Turatto mit ihrem Hund Pippa posieren. «Oh, das muss ich kurz wegschneiden, das stört mich», sagt sie mit einem Blick auf die Kopfhaare des Malteser-Yorkshire-Mischlings. Rasch holt sie die Schere hervor und schneidet die Haare gleichmässig zurecht.

Gute Arbeit zu leisten, ist Turatto wichtig. «Wenn ich etwas mache, dann richtig», sagt sie über sich selbst. Wenn der Familienpudel jeweils vom Scheren aus dem Hundesalon zurückkam, holte sie schon als Kind die Haushaltsschere hervor und schnitt den übrig gebliebenen Filz weg. Im Jahr 1981 begann sie in ebendiesem Hundesalon ihre Berufslehre als Hundecoiffeuse. Im Tierferienheim, das zum selben Betrieb gehörte, absolvierte sie parallel dazu die Ausbildung zur diplomierten Tierpflegerin.

«Hundecoiffeuse ist ein Traumberuf», sagt die 55-Jährige. Gleich nach ihrem Abschluss machte sie sich in Lostorf in der Garage der Eltern selbstständig. Anschliessend arbeitete sie in Trimbach und mittlerweile seit rund acht Jahren in Schönenwerd. In vier Räumen waschen, pflegen und frisieren sie und ihre zwei Angestellten Hunde und Katzen. Ein kleiner Laden ergänzt das Angebot. Sie geniesst den Umgang mit den Hunden sehr. Genauso wichtig sei ihr aber der Kontakt zu den Menschen: «Es braucht viel Vertrauen, den Hund für zwei Stunden in fremde Hände zu geben.» Zu ihrem Beruf gehört es auch, Hundehalter zu Themen wie Ernährung oder Fellpflege zu beraten.

Hundecoiffeusen im Trend

Als sie damals mit der Ausbildung anfing, war der Beruf kaum bekannt. Mittlerweile ist er zum Trend geworden. Während Turattos Berufslehre drei Jahre dauerte und neben der Pflege der verschiedenen Rassen auch den Umgang mit schwierigen Hunden oder Symptome von Hautkrankheiten umfasste, gibt es heute vier- bis sechswöchige Ausbildungsangebote. «Das versierte Handling lernt man nicht in ein paar Wochen», stellt sie fest. Entsprechend engagiert sie sich für ihren Beruf. Lange bildete sie in ihrem Betrieb Lehrlinge im Tierpflegerverband aus. Mittlerweile gibt sie ihr Wissen im Rahmen von Seminaren und Workshops weiter, beispielsweise zum Thema Zahnpflege ohne Narkose. Ausserdem organisierte sie sieben Jahre lang die Schweizer Meisterschaft der Hundecoiffeusen in Niedergösgen.

Auch in ihrer Freizeit spielen Hunde eine grosse Rolle. Mehrere Jahre lang züchtete sie Afghanische Windhunde, mit denen sie bis heute an Rennen internationale Preise gewinnt. Wenn möglich trainieren sie und ihr Mann wöchentlich mit den Hunden auf der Rennbahn. Seit sie nicht mehr aktiv züchten, ist das Rudel geschrumpft, aber ein paar sind es immer noch. «Man gibt ja die alten nicht einfach so weg, um Platz zu machen», findet Turatto. Um nicht negativ aufzufallen, achtet das Paar penibel darauf, dass kein Häufchen in der Umgebung liegen bleibt. Ausserdem startete sie dieses Jahr zum ersten Mal selbst mit vier Hunden an der Niedergösger Schweizer Meisterschaft der Hundecoiffeusen. Gleich zehn Mal stand sie auf dem Podest. «Das ist eine schöne Bestätigung», freut sie sich. Damit qualifiziert sie sich für internationale Meisterschaften, geplant hat sie die Teilnahme allerdings noch nicht.

Hund pinkelte auf die Unterlagen

Ihr Wissen und ihre Erfolge hält Turatto nicht hinter dem Berg. Damit angeben liegt ihr allerdings auch nicht. Es ist gut spürbar, dass sie dort angekommen ist, wo alles für sie stimmt. «Früher wollte ich es immer allen recht machen, jetzt müssen sich die Kunden manchmal mir anpassen», erklärt sie. Sie sei gelassener geworden und schicke auch mal eine widerspenstige Katze nach Hause.

Nach ihrer Pension werden Hunde immer noch einen Grossteil ihres Lebens ausmachen. Aber vielleicht geht sie dann auf eine längere Reise mit dem Wohnwagen oder die Oldtimer des Mannes werden häufiger ausgefahren. «Meine engsten Kunden werde ich immer noch pflegen», sagt sie. So auch die Hunde ihrer langjährigsten Kundin, die ihr vor 35 Jahren kurzfristig ihren Hund für die Lehrabschlussprüfung lieh. «Der Dackel war noch ganz jung und hat den Prüfungsmeistern auf die Unterlagen gepinkelt», sagt Turatto lachend. Die Expertinnen erschraken, mussten dann aber auch lachen. Ein Einstieg in die Selbstständigkeit, der Turatto bis heute in Erinnerung geblieben ist.