Trimbach

Sexstudio geführt, sexuelle Selbstbestimmungsrechte verletzt: Thailänder wegen Prostitution vor Gericht

Die Thailänder Rotlichtszene ist von Ausbeutung geprägt. War dies auch in Trimbach der Fall. (Symbolbild)

Die Thailänder Rotlichtszene ist von Ausbeutung geprägt. War dies auch in Trimbach der Fall. (Symbolbild)

Der Beschuldigte soll mit seiner Mutter von Prostituierten profitiert haben, die in Trimbach für sie anschaffen mussten.

Am Donnerstag erschien ein 41-jähriger Thailänder aus Trimbach vor dem Amtsgericht in Olten. Der Mann mit einer C-Aufenthaltsbewilligung ist unter anderem der mehrfachen Förderung der Prostitution angeklagt. Er soll oberhalb der Wohnung, die er mit seiner Mutter teilte, ein Sexstudio geführt haben. Dabei sollen Mutter und Sohn mehreren thailändischen Sexarbeiterinnen ihre sexuelle Selbstbestimmungsrechte verletzt haben, unter Aufbau von Druck und Ausnutzung ihrer Machtposition.

Der Fall ist ein Nachzügler der Strafverfahren, die nach den breitflächigen Sonderermittlungen der Kantonspolizei gegen das thailändische Rotlicht-Milieu (bekannt als Aktion «Smile») eingeleitet wurden. Der Mann war gemäss der Staatsanwaltschaft bestens mit dem Milieu vernetzt; die vier Prostituierte, die sich als Privatklägerin gegen ihn und seiner Mutter gestellt haben, hatten allesamt in anderen Lokalen im Kanton Solothurn gearbeitet.

Die Hälfte der Einnahmen abgeben

Entsprechend soll der Trimbacher, dessen Mutter bereits im Februar 2019 zu einer bedingten Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt wurde, weitere Straftaten begangen haben: Er habe den illegalen Aufenthalt der Prostituierten gefördert und sie beschäftigt – wobei er eine Be­reicherung beabsichtigte. Die Prostituierten haben gemäss der Staatsanwaltschaft alle zusammen in einem Zimmer gewohnt und die anderen Räumlichkeiten für ihre sexuelle Arbeit benutzt. Zur Deckung der Miete hätten sie die Hälfte ihrer Einnahmen abgeben müssen. Dazu mussten sie auch noch wöchentlich 100 Franken für Essens- und weitere Unterhaltskosten abgeben sowie 200 Franken monatlich für die Internetinserate, die der Mann für sie aufschaltete.

Einige Sachverhalte streitet der 41-Jährige nicht ab. Die vier Privatklägerinnen hätten tatsächlich in von seiner Mutter und ihm gemieteten Räumlichkeiten gearbeitet und gewohnt. Auch habe er für sie Inserate aufgeschaltet und eine Entschädigung für Miete und Lebensmittel verlangt. Allerdings fordert seine Anwältin den Freispruch wegen der Förderung der Prostitution, denn er soll keinen Druck auf die Sexarbeiterinnen ausgeübt haben. Vielmehr wollte er ihnen helfen: Er soll in der Solothurner Rotlichtszene festgestellt haben, dass diese Frauen unwürdigen Arbeitsbedingungen ausgesetzt seien. Er habe mit seiner Mutter ihnen einen besseren Rahmen anbieten wollen.

Diese Version kontrastiert mit jene der Staatsanwaltschaft, die den beiden eine Ausbeutung der Sexarbeiterinnen vorwirft: So sollen sie zahlreiche Regeln aufgestellt haben.

Die Prostituierten hätten jeden Tag anschaffen müssen. Einige mussten rund um die Uhr verfügbar sein. Freitage durften nur unter Zustimmung bezogen werden, eine bestimmte Reihenfolge in der Bedienung der Freier war einzuhalten. Sie waren verpflichtet, festgelegte Preise einzuhalten, einige durften keine Freier ablehnen. Zwar geben die vier Privatklägerinnen an, dass die Verhältnisse in Trimbach besser als in anderen Lokalen waren. Aber für die Staatsanwaltschaft sei dies nicht ein abschliessender Beweis dafür, dass die Mittäter ihre Machtposition nicht ausnutzten, die sich durch ihre Vernetzung mit den kar­tellähnlichen Strukturen des thailändischen Rotlichtmilieus, durch ihre Kenntnisse der lokalen Sprache und durch den kulturbedingten Respekt an der älteren Mutter ergab. Die Verteidigung bestreitet, dass solche Regeln galten. Weiter soll der Beschuldigte den Prostituierten Crystal Meth verkauft haben. Er selber sagt, er habe es lediglich für sie geholt und dachte, ihnen dabei zu helfen, auch wenn er ihren Drogenkonsum an sich für nicht gut heisse. Für die Staatsanwaltschaft ist es nicht stimmig: Durch die Verfügbarkeit von Drogen im Trimbacher Sexstudio soll das Abhängigkeitsverhältnis verstärkt worden sein.

Das Amtsgericht wird in der nächsten Woche eine weiterführende Entscheidung treffen.

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