Linus Feller steht während über 30 Tagen Jahr für Jahr hinter seinem Verkaufsstand am Weihnachtsmarkt auf dem Basler Münsterplatz. «Das ist immer das Highlight meines Jahres. Hier komme ich in Kontakt mit den Kunden», erzählt der Wahl-Niedergösger.

Mit seiner Model-Manufaktur Änis-Paradies sticht er aus der Masse der Stände heraus. Denn: Er ist einzigartig. In der Schweiz produziert nur noch das Änis-Paradies aus Niedergösgen Replikate von Änis-Modeln. Seit 30 Jahren verkauft der gebürtige Walliser die Formen an den Weihnachtsmärkten in Basel und Stuttgart. Auch an der Basler Herbstmesse ist er vor Ort. Und in Freiburg, im Elsass und in Zürich sind seine Produkte an den Ständen von Bekannten zu finden.

«Da hats mich gepackt»

Angefangen hat für Feller alles im Alter von 20 Jahren: «Ich schlenderte damals über einen Weihnachtsmarkt. Da entdeckte ich einen Stand mit Änisbrötli und einigen Model», erzählt der gelernte Sanitärinstallateur. Nach einem Gespräch mit dem Standbesitzer habe er einen Nachmittag lang beim Verkaufen geholfen. «Da hats mich gepackt und ich bin hängen geblieben.»

Schritt für Schritt habe er sich dann zusammen mit seiner Frau Petra Mösli seine eigene Firma — das Änis-Paradies — aufgebaut. «Durch Zufall» sei die Familie dann ins Niederamt gezogen: «Wir suchten ein Haus, in dem wir Wohnen und Arbeiten verbinden konnten.»

Einige Model sind über 400 Jahre alt

Mehr als 1100 verschiedene Änis-Model stellt Feller her. Von Januar bis August sind fünf Mitarbeitende daran, die Vorlagen herzustellen. Die Produktionsstätte liegt im Oltner Industriequartier, Büroarbeit und Versand werden von Niedergösgen aus erledigt. Zusammen mit einem Holzschnitzer aus dem Appenzell feilen Feller und seine Frau an neuen Kreationen, die anschliessend aus Giessharz gegossen und so reproduziert werden können.

Einige Model sind bereits mehrere hundert Jahre alt: «Das älteste Förmli stammt aus der Renaissance, also aus dem 16. Jahrhundert», erzählt der 60-Jährige. Feller ist aber nicht nur ein Experte in der Herstellung der Änis-Model, sondern hat auch deren historischen Hintergrund erforscht.

So wurde Feller selbst zum Experten

Ein Kurator eines Stuttgarter Museums habe ihn in die nicht-öffentliche «Schatzkammer» mitgenommen und ihm die Formen aus den verschiedenen Jahrhunderten gezeigt. Feller: «Und eine Expertin aus Basel teilte ihr ganzes Wissen mit mir.»

So sei er durch «learning by doing» über die Jahre hinweg selbst zum Kenner geworden. 1998 veröffentlichte Feller gar ein eigenes Buch: Darin berichtet er von der Geschichte der Model, deren Symbolik und dem Brauchtum.

«Der Job ist mit viel Risiko verbunden»

Nach der Produktionszeit beginnt für den Familienbetrieb die Verkaufszeit: «Von September bis jeweils Ende Jahr sind wir dann auf den Märkten unterwegs und machen den Grossteil der Einnahmen», so Feller. Sein Job sei «mit viel Risiko» verbunden. Denn der Betrieb müsse zuerst mehrere Monate lang ohne Einnahmen auskommen und dann innert kurzer Zeit genügend Produkte verkaufen.

«Doch ich habe immer noch viel Freude an meiner Arbeit», sagt der zweifache Vater. Er könne es sich nicht vorstellen, zu Hause zu sitzen, während irgendwo ein Markt ohne ihn stattfindet. «Es zieht mich einfach raus.»

Die Amerikaner lieben seine Produkte

Feller selbst mag die Änisbrötli auch nach über 30 Jahren im Geschäft noch: «Sie gehören einfach zu Weihnachten.» Seine Liebe zu den Produkten vermittelt er denn auch seiner Kundschaft. Viele Stammkunden, die leidenschaftlich backen, würden sich jedes Jahr ein neues Model aussuchen.

Seine Änis-Model sind aber nicht nur in der Schweiz beliebt: «60 Prozent der Einnahmen machen wir mit dem Export», sagt Feller. Besonders in den USA kommen die Produkte aus Niedergösgen gut an. Darum ist der Online-Shop auf Deutsch und auf Englisch.

Während die Model hier aber fast ausschliesslich für Änisbrötli verwendet werden, könnten die Amerikaner weniger mit dem besonderen Änis-Gewürz anfangen. Feller: «Sie sind offen für alle möglichen Geschmacksrichtungen.» Das mache es besonders spannend. Denn: «Dasselbe Brauchtum wird dort auch ausgelebt, einfach anders.»