Hundertjähriges Bestehen

Seit 1904 im Gemeinderat: Die SP hat seit 100 Jahren die Trimbacher Dorfpolitik geprägt

Die SP Trimbach feiert wegen der Pandemie ihr hundertjähriges Bestehen erst nächstes Jahr, zusammen mit einem neuen Kunstweg.

Die Geschichte der Arbeiterbewegung reicht im Eisenbahnerdorf Trimbach weit zurück. Der Grütliverein trat 1905 der SP Schweiz bei und nannte sich ab ungefähr 1918 sozialdemokratische Partei. Dies will die Partei nun feiern. Anlässlich des Jubiläums erzählen Parteipräsident Ruedi Gugger und der ehemalige SP-Gemeindepräsident Martin Straumann aus der Geschichte der Partei. Die Trimbacher SP war wie auch die SP Schweiz jahrzehntelang hauptsächlich von Arbeitern geprägt.

Martin Straumann, seit fast 50 Jahren SP-Mitglied, hat den Strukturwandel der SP erlebt. Waren die Mitglieder an seiner ersten Parteiversammlung in Trimbach noch hauptsächlich Zugführer, Stationspersonal, Postboten und weitere Arbeiter, prägten die Veränderungen der 68er-Jahre zunehmend auch die SP Trimbach. «Man sah einander nur knapp durch die Nebelschwaden», erzählt er lachend von der Stumpen rauchenden Männerversammlung. «Zunehmend kamen höher gebildete Leute und Studenten in die SP», erzählt Ruedi Gugger. Die Diskussionen wurden grundsätzlich. «Plötzlich ging es um die Abschaffung des Kapitalismus und weniger um den Menüplan der Kochschule», führt Gugger aus. Ausserdem formierte sich eine Frauengruppe, die einige Jahre nach der Annahme des Frauenstimmrechts wieder aufgelöst wurde.

Themenbreite nimmt zu

Den Übergang von gewerkschaftlicher zu bildungsnaher Struktur konnte zügig vonstatten gehen, weil ein Vakuum entstand. Motivierte Neumitglieder hatten die Möglichkeit, rasch in den Kommissionen oder in der Partei aktiv zu werden. «Ich selbst kam in die Partei, war ein Jahr später in einer Kommission, ein Jahr später in noch einer Kommission», sagt Straumann.

Seit 1904 im Gemeinderat vertreten

Gugger erinnert sich an den hohen Frauenanteil, als er der Partei beitrat. Mit dem Parteinachwuchs wurden die diskutierten Themen breiter, Umweltthemen und Frauenanliegen kamen hinzu. «Für mich ist das die Voraussetzung einer funktionierenden Parteipolitik, dass man sich nicht auf etwas Spezielles einschränkt, sondern versucht, die Komplexität zu berücksichtigen», sagt Gugger. «Die SP ist mehr als eine Ein-Themen-Partei. Deshalb konnte sie auch so lange bestehen.»

Wie aus dem Dorfbuch hervorgeht, sass die SP Trimbach 1904 erstmals im Gemeinderat, damals als «Sozialisten» bezeichnet. Bei den Wahlen 1945 erreichte die SP Trimbach mit 47 Prozent der Stimmen ein Spitzenresultat und stellte erstmals den Gemeindeammann. Seither gehörten bis heute sechs von acht Gemeindepräsidenten der SP an. «Die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien hat stark geschwankt, abhängig von den einzelnen Personen», erzählt Straumann. Phasenweise stimmten die bürgerlichen Parteien und die SP jeweils geschlossen und blockierten sich gegenseitig. «Wir hatten nie eine absolute Mehrheit, deshalb war es nie so, dass die SP im Alleingang entscheiden konnte», führt Gugger aus. Noch heute ist die SP die wählerstärkste Partei und hat zwei von fünf Sitzen im Gemeinderat inne, darunter der Gemeindepräsident Martin Bühler.

Ein breites Netzwerk pflegen

Wie viele Parteien und Vereine hat die SP Trimbach Schwierigkeiten, junge Menschen für die Mitgliedschaft zu begeistern. «Das ist nichts Neues, auch in der Vergangenheit gab es kaum Mitglieder unter 35 Jahre», erinnert sich Straumann, der mit 26 Jahren beitrat und über zehn Jahre lang immer der Jüngste war. Engagierte Leute finden sich hauptsächlich über das persönliche Umfeld des Vorstands und der Parteimitglieder. «Mein Hauptbestreben als Parteipräsident ist es, eine möglichst grosse Gruppe im Vorstand und an den Parteiversammlungen zu halten», sagt Gugger. «Weiter ist es wichtig, das Netzwerk zu anderen Leuten oder Gruppen zu pflegen.» So lud die SP Trimbach etwa Mitglieder des Frauenstreikkomitees in Trimbach oder des Klimastreik Olten zu sich ein. Die Partei trifft sich jährlich zur Generalversammlung und zu zwei bis drei Parteiversammlungen. Hinzu kamen in der Vergangenheit die Froburgtagung sowie Abende zu speziellen Themen wie Finanz- oder Gesundheitspolitik sowie Familiennachmittage in Straumanns Garten.

Rege Diskussionen in der Partei

Was sich in Guggers und Straumanns Parteizeiten nicht verändert hat, ist die Diskussionsfreudigkeit in der Partei. «Es ist immer sehr lebhaft zu und her gegangen, und manchmal auch sehr kontrovers», stellt Straumann fest. Die lebhafte Diskussion der Trimbacher SP im Vorgang der GSoA-Initiative zur Abschaffung der Armee 1989 hielt das SRF fest. Gugger kann diese Feststellung nur unterstreichen.

Die Diskussionsfreudigkeit zeigt sich an den Parteiversammlungen, was mit der Breite der in der Partei vertretenen Meinungen zu tun hat. «Ich vertrete lieber einen Regenbogen als nur eine Farbe», sagt Gugger und spricht an, dass in der Partei etwa mit Martin Bühler auch ein Roter mit grüner Vergangenheit sitzt. «Was sich bei allem grundsätzlich nicht geändert hat, sind die Anliegen der SP», ergänzt er. «Es geht uns darum, dass allen ermöglicht werden soll, ihr Leben und ihre Möglichkeiten in einer guten Umgebung zu leben.» Deshalb ist er überzeugt, dass ein sozialdemokratisches Parteiprogramm auch in den nächsten Jahren nicht an Bedeutung verlieren wird.

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