Heidi Schmid

Schönenwerderin organisiert Reisen mit der stärksten meterspurigen Zahnrad-­Dampflokomotive Europas

Heidi Schmid engagiert sich als "Froni" für die Dampfbahn Furka Bergstrecke

Heidi Schmid engagiert sich als "Froni" für die Dampfbahn Furka Bergstrecke

Dampf oder Schienen gehören für Heidi Schmid aus Schönenwerd einfach dazu. Sie organisiert Bahnreisen für den Verein Dampfbahn Furka-Bergstrecke.

Eisenbahnen hatten im Leben von Heidi Schmid (68) bis zu ihrer Pensionierung keine Rolle gespielt: «An einer Gewerbeausstellung in Däniken habe ich einen Stand der Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) gesehen. Ich sagte zu den Leuten: ‹Wenn ich ein Mann wäre, ­würde ich mithelfen.› Es ­würden auch Frauen gesucht, bekam ich zur Antwort. So meldete ich mich bei der Sektion Aargau des Vereins Furka­Bergstrecke zur Mitarbeit an.» Schmid wurde damit zu einer von 8000 ehrenamtlichen Mitarbeitenden,
die dafür sorgen, die Dampfbahn zwischen Realp UR und ­Oberwald VS am Leben zu ­erhalten.

Als die Bergstrecke nämlich im Oktober 1981 stillgelegt und durch den Furka-Basistunnel ersetzt werden sollte, formierte sich eine Gruppe von Eisenbahn-Enthusiasten, die das hochalpine Gleis vor dem Abbruch retteten. In mühsamer Arbeit wurde Kilometer für Kilometer wieder fahrbar gemacht. Seit 2010 herrscht wieder durchgehender Dampfbetrieb bis Oberwald. Anfang der 1990er-Jahre wurden mit der spektakulären Aktion «Back to Switzerland» vier rostige Originaldampflokomotiven aus Vietnam zurückgeholt, nebst zweien, die von der SLM Winterthur für Indochina gebaut wurden. Seit letztem Sommer steht eine dieser zwei grossen Maschinen mit der Nummer 704 unter Dampf. Es ist die stärkste meterspurige Zahnrad-­Dampflokomotive von Europa.

Die Dampfbahn Furka-Bergstrecke besteht aus einer Stiftung, der Rollmaterial und Immobilien gehören, einer Betriebsgesellschaft und einem Verein, der die Freiwilligen, genannt «Fronis», rekrutiert. In der Schweiz gibt es je nach Landesgegend unterschiedliche Vereinssektionen. Heidi Schmid kam zur Sektion Aargau, wo sie gleich das Ressort der Reiseleiterin übernahm. Für die gelernte Pflegefachfrau war dies ein völlig neues Metier: «Ich kam zu meiner Aufgabe wie die Jungfrau zum Kind», meint sie lachend. Ihr obliegt die ganze Administration einer Reise, wie sie die Sektion ein- bis zweimal pro Jahr durchführt: «Ich bestelle den Car, reserviere die Restaurants und führe die ganze Korrespondenz.» Die Programme gestaltet sie selbst: «Die einzige Vorgabe des Sektionsvorstandes lautet, dass etwas Technisches dabei sein muss. Einfach nur eine Schokoladenfabrik anschauen würde nicht reichen. Dampf oder Schienen gehören einfach dazu!»

Die nächste Reise am Samstag, 29. August 2020, führt ins Stammland, zur Dampfbahn Furka-Bergstrecke. «Wir fahren am Morgen mit dem Car von Aarau nach Oberwald. Dort nehmen wir den Dampfzug und fahren über unsere herrliche Bergstrecke über Gletsch nach Realp. Das wird der Höhepunkt der Reise.» In Andermatt wird zu Mittag gegessen, bei Zita Nager in der «Sonne». Die rüstige Wirtin, seit über zwei Jahrzehnten im Pensionsalter, steht noch immer jeden Tag in der Gaststube. Über Brunnen, wo eine einstündige Pause vorgesehen ist, erreicht die Gruppe gegen Abend wieder Aarau. Schmid kümmert sich während der Fahrt um das Wohlbefinden der Gäste. «Auch das gehört zu meiner Aufgabe als Reiseleiterin. Ich schaue für meine Leute.»

Die Reisen, die Schmid organisiert, sind öffentlich. «Man muss nicht Mitglied sein, sondern kann auch als Einzelperson, als Paar oder Familie mitkommen.» Pro Person kostet der Tagesausflug mit der Dampffahrt und dem Mittagessen 150 Franken. Dass Reiseteilnehmer, die zuvor die Dampfbahn Furka-Bergstrecke nicht gekannt haben, zum Mitmachen animiert werden, könne passieren, so Schmid schmunzelnd. Arbeit gebe es an der Strecke genug, ob beim Bau, in der Zugförderung oder beim Marketing.

Hinweis
Start der Bahnreise am 29. August 2010 ist um 7.05 Uhr am Bahnhof Aarau, Rückkehr um 19.30 Uhr. Anmelden kann man sich direkt bei Heidi Schmid: Telefon 062 212 38 18 oder E-Mail vfb-aargau.reisen@dfb.ch

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