Schönenwerd
Nadja Lerch zeigt sich von der verspielten Seite und erschafft dreidimensionale Zeichnungen

An der jährlichen Sonderausstellung im Gugelmann-Museum in Schönenwerd zeigt die Kunstschaffende unter anderem ihre «Menschentürme».

Denise Donatsch
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Nadja Lerch begeistert mit ihren «Menschentürmen».

Nadja Lerch begeistert mit ihren «Menschentürmen».

Denise Donatsch

Im Erdgeschoss des Gugelmann-Museums in Schönenwerd trifft man aktuell auf eine geschmackvoll präsentierte Auswahl an Kunstwerken, erschaffen von der Oberdorfer Künstlerin Nadja Lerch. Dabei stechen einem beim Betreten des Raumes als Erstes die 31 grossen Skulpturen ins Auge, die sich rund um die Themen Mensch, Gesellschaft und Natur drehen. Bei der Entwicklung ihrer Plastiken nutzt die Künstlerin, die seit rund 20 Jahren von ihrer Kunst lebt, Materialien wie Papier, Gips und Holzmehl. Danach werden diese mit Tusche und Farbstiften bemalt. «Meine Skulpturen sind für mich dreidimensionale Zeichnungen, da ich beispielsweise die Augen aufmale.» Arbeiten würde sie stets an mehreren Werken gleichzeitig; während das eine in der Trocknungsphase sei, wende sie sich einem anderen zu.

Eine Skulptur-Variante, die Lerch im Museum präsentiert, sind ihre sogenannten «Menschentürme».

«Bei meinen Menschentürmen geht es mir unter anderem darum, die verschiedenen Gesellschaftsschichten zu zeigen.»

Deshalb nehme bei solchen Türmen die Anzahl Menschen mit der Höhe des Turmes auch ab. «Je höher der gesellschaftliche Status, desto weniger Menschen, die es bis dorthin schaffen.» Unglücklich wirken die Figuren der unteren Schichten aber keineswegs, weshalb man der Plastik nicht auf den ersten Blick ansieht, dass sie von einem problematischen Thema erzählt.

Ein anderer ausgestellter «Menschenturm» zeigt die Geschichte von drei Frauengenerationen auf. «Die oberste Figur stellt das flügge werdende Kind dar, welches das elterliche Heim verlässt, dabei aber immer noch fest mit der Mutter verbunden bleibt.» Die unterste Figur zeige die Grossmutter, auf deren Schultern sich beide, Tochter und Enkelin, nach wie vor abstützen – für die dreifache Mutter, deren ältestes Kind soeben ausgezogen ist, ein sehr aktuelles Werk.

Elvis und Sinatra aus der Musikdose

Generell wirken die ausgestellten Objekte äusserst verspielt, auf knallige Farben hat die 51-jährige jedoch grösstenteils verzichtet. «Ich kreiere auch ernster wirkende Skulpturen; hier im Gugelmann-Museum war es mir aber wichtig, Arbeiten zu zeigen, die gut zu Gugelmanns Werken passen.»

Geschäftsführerin Madeleine Kuhn-Koch freut sich über die gelungene Sonderausstellung und schwärmt von den auf dem Tresen positionierten Musikdöschen.

Geschäftsführerin Madeleine Kuhn-Koch freut sich über die gelungene Sonderausstellung und schwärmt von den auf dem Tresen positionierten Musikdöschen.

Denise Donatsch

Einzig manchen der zwölf Linoldrucke, die an einer der weissen Museumswände hängen, kann man eine düstere Stimmung entnehmen. «Einige dieser Drucke sind während des Lockdowns entstanden.» Die Bilder zeigen dementsprechend gelangweilte und deprimierte Menschen. Exklusiv für die Sonderausstellung, die noch bis zum 11. Juli andauert, hat die ursprünglich gelernte Grafikerin zehn Musikdöschen angefertigt – die meisten davon sind bereits verkauft. Jedes dieser ausdrucksstarken Unikate spielt ein anderes Lied. Dreht man an den winzigen Kurbeln, ist unter anderem Frank Sinatras «My Way», Elvis’ «Love Me Tender» oder das Kinderlied «Alle Vögel sind schon da» zu hören.

Angefragt, ob sie im Museum ausstellen möchte, wurde Lerch von Gugelmanns Enkelin Noémie Graber. Graber ist nicht nur Gugelmanns Enkelin, sondern gehört auch dem Vorstand des Vereins zur Förderung des Paul-Gugelmann-Museums an.