Schnelle erste Hilfe
Sie kommen bevor die Ambulanz eintrifft: Bei einem Herzproblem zählt jede Sekunde

Die First Responder von Erlinsbach retten Leben. Sie rücken bei Herznotfällen aus – die Fälle häufen sich.

Eva Wanner
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First Responder versorgen Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Zusammenbruch mit erster Hilfe bis die professionelle Ambulanz eintrifft.

First Responder versorgen Patienten mit einem Herz-Kreislauf-Zusammenbruch mit erster Hilfe bis die professionelle Ambulanz eintrifft.

Symbolbild: Kristina Gysi

Bewusstlosigkeit, Brustschmerz, Atemnot, leblose Person. Wird bei einem Notruf eines oder mehrere dieser Stichworte genannt, werden die First Responder aufgeboten. Im Fall von Erlinsbach sind das zwölf Feuerwehrleute, die zusätzlich in Erster Hilfe geschult sind. Wenn sie ausrücken, haben sie einen Rettungsrucksack dabei. Darin befinden sich Sauerstoff, ein Sauerstoffmessgerät, Material zum Beatmen, ein Defibrillator sowie Traubenzucker. Vor rund 20 Jahren hat die Feuerwehr Erlinsbach ihren Ersthelfer-Trupp aufgestellt.

Von Anfang an dabei war der heutige Kommandant Luigi Oprandi. Die Grundidee: Die First Responder werden per Pager (Solothurn) oder per Handy (Aargau) aufgeboten, wenn bei der Nummer 144 ein Notruf eingeht, in dem die genannten Stichworte vorkommen. Die Notrufzentrale alarmiert die First Responder, die nicht direkt durch die Bevölkerung aufgeboten werden können. Die Retter rücken aus und sind schneller vor Ort als der Krankenwagen. Dieser kommt manchmal aus Aarau, aus Olten, kam aber auch schon aus dem Fricktal. «Wir mussten einmal eine halbe Stunde überbrücken», sagt Oprandi.

Einen Mann zurück ins Leben geholt

Die Faustregel bei Herznotfällen: Die grössten Überlebenschancen haben Patienten in den ersten drei Minuten. Kommt innert zehn Minuten nach dem Herzstillstand keine Hilfe, stirbt die Person in aller Regel. Durchschnittlich 37 Einsätze leisten die First Responder jedes Jahr.

«Meistens betreuen wir die Personen, bis der Krankenwagen kommt, nur etwa fünfmal pro Jahr müssen wir tatsächlich reanimieren.»

Einer der grössten Erfolge der letzten Jahre war, als die First Responder einmal zu einer Tankstelle gerufen wurden. «Dort lag ein Mann, der eigentlich schon tot war. Er hatte keinen Herzschlag mehr – aber wir konnten ihn zurückholen.» Der schnelle Einsatz hatte sich gelohnt.

Oprandis persönlicher grösster Erfolg: Er konnte seinen Vater reanimieren, als dieser vor seinen Augen einen Herzstillstand erlitt. Der Feuerwehrkommandant blieb völlig ruhig, was ihn auch selbst erstaunte. Allerdings habe das wohl daran gelegen, dass er dabei war, als es passierte und gleich reagieren musste.

Die Horrorvorstellung sei, bei einem Aufgebot auf dem Pager oder dem Handy die Adresse von lieben Menschen zu lesen. In diesem Fall können die First Responder sich aber aus der Aktion zurückziehen. Und nach jedem Einsatz findet ein Debriefing statt, bei dem die Ersthelfer und Ersthelferinnen über das Erlebte sprechen.

Handschuhe gehören zur Grundausrüstung der First Responder. Aktuell ausserdem eine FFP2-Maske. Beatmet werde nur mit dem Beatmungsbeutel der Sanität oder aber Mund-zu-Mund beziehungsweise Mund-zu-Nase, wenn man jemanden wirklich gut kenne.

Aktuell häufen sich die Einsätze der Erlinsbacher First Responder. Oprandi vermutet, dass das mit der Coronapandemie zu tun hat. Beziehungsweise mit den Massnahmen dagegen: Besonders ältere Personen seien viel mehr zu Hause, bewegen sich weniger und das schlage nicht nur aufs Gemüt, sondern auch aufs Herz. Zu beobachten sei ausserdem, dass mehr jüngere Patientinnen und Patienten mit Herzproblemen zu kämpfen hätten. Mit ein Grund dafür könnte laut Oprandi der Stress sein, den die Gesamtsituation aktuell mit sich bringe.

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