Schlossspiele
Liebesentzug für einen guten Zweck: In Niedergösgen wird fleissig geprobt

Nach einem Jahr Pause sollen im August die Schlossspiele Falkenstein präsentieren werden. Die Komödie «Lysistrata» wird aufgeführt.

Denise Donatsch
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Insgesamt 31 Mitwirkende besetzen das Ensemble dieses Jahr.

Insgesamt 31 Mitwirkende besetzen das Ensemble dieses Jahr.

Dieter Graf

Eigentlich ist es mehr Zufall als Absicht, dass die Aufführungen des ursprünglich antiken Theaterstücks Lysistrata, welches sich um eine emanzipierte Anführerin dreht, mit dem Jubiläum des Frauenstimmrechts zusammenfällt. Wegen Corona musste das 10. Spektakel des Theatervereins Schlossspiele Falkenstein nämlich um ein Jahr nach hinten verschoben werden. Thematisch passt das Stück des griechischen Komödiendichters Aristophanes, welcher rund 400 Jahre v. Chr. in Athen lebte, aber nicht nur in das Jahr 2021, sondern auch zur eindrücklichen Kulisse des Schlosshofs.

Stellt man sich im Geist anstelle des Schlosses die auf Felsen errichtete Akropolis vor, so fühlt man sich gleich um 2000 Jahre in der Zeit zurückversetzt.

Laien als auch professionelle Darstellerinnen arbeiten zusammen.

Laien als auch professionelle Darstellerinnen arbeiten zusammen.

Dieter Graf

Laien und professionelle Kunstschaffende

Für den Klassiker, in welchem sich die Gesamtheit der griechischen und spartanischen Frauen ihren Männern sexuell verweigert, um damit das Ende des seit Jahren andauernden Krieges zu erzwingen, entschied sich Regisseurin Käthi Vögeli aber nicht nur wegen des Inhaltes oder der Umgebung.

Käthi Vögeli, Regisseurin

Käthi Vögeli, Regisseurin

Bruno Kissling
«Mich muss ein Stück auf verschiedenen Ebenen berühren, es muss etwas mit mir machen.»

Ein weiterer Punkt, der für die Wahl dieses Bühnenstückes sprach, war die Möglichkeit, mit genügend Schauspielenden arbeiten zu können. «Aus Kostengründen können sich viele professionelle Theaterhäuser einen richtigen Sprechchor gar nicht mehr leisten.» Der gehöre, so Vögeli, aber zu einem antiken griechischen Bühnenstück dazu.

Da sich die Bühnendarsteller – die meisten kommen aus dem Amateurbereich – für die Schlossspiele unentgeltlich zur Verfügung stellen, könne hier mit ausreichend vielen gearbeitet werden. Die Leitung, Regisseurin Vögeli aus Olten, Musiker Fabian Capaldi aus Lostorf sowie Adi Blum und Ueli Blum, welche den Text ins Schweizerdeutsche übersetzten, besteht aus Kunstschaffenden aus dem professionellen Bereich. Capaldi, der seine Bekanntheit vor allem seinem international gefragten Saxophonspiel zu verdanken hat, wirkt im Hintergrund als Komponist.

Auch die Zürcherin Malou Meyenhofer, Hauptleitung Choreografie, kommt aus der professionellen Ecke und ist heuer zum dritten Mal Teil des Leitungsteams; sie sorgt für die richtigen Bewegungen zu Capaldis Finalmusik. Vor kurzem dazu gestossen ist die erfahrene, in Zürich wohnhafte Tänzerin Yvonne Barthel; sie besetzt die Position der Tanzassistentin. Vögeli, nach Shakespeares «Romeo und Julia» und «Ein Sommernachtstraum» nun zum dritten Mal für die Schlossspiele auf dem Regiestuhl, begegnete Aristophanes’ Stück bereits vor 30 Jahren; inszeniert hat sie es nun aber zum ersten Mal und dies auf sehr moderne Art.

Zwar glaubt man sich bezüglich Kulisse im antiken Griechenland, das Spektakel schlägt aber gekonnt einen Bogen zu gesellschaftlichen Themen des 21. Jahrhunderts.

Die Darstellenden sind dankbar, dass wieder gespielt werden darf.

Die Darstellenden sind dankbar, dass wieder gespielt werden darf.

Dieter Graf

Zwischen Vorfreude und Lampenfieber

Eine Premiere der anderen Art steht für die 35-jährige Andrea Meyer aus Wettingen auf dem Plan. «Seit 19 Jahren spiele ich in Theaterstücken mit und darf mit der Figur der Lysistrata zum ersten Mal eine Hauptrolle übernehmen.» Als sie nach dem Casting diese Nachricht erhielt, sei ihr erst einmal das Herz in die Hose gerutscht. «Anfangs war ich unsicher, ob ich das packen würde, aber die Freude war gigantisch.» Durch viele Einzelcoachings mit Vögeli habe sie die Zweifel aber überwunden. «Käthi hat mir sehr viel beigebracht und verschiedene Werkzeuge in die Hand gegeben. Wenn ich an die Premiere denke, bekomme ich aber immer noch Herzklopfen.»

Die 31 Mitspielenden bieten insgesamt eine bunte Mischung an Individualität. Die jüngste ist gerade einmal 17, der älteste 82 Jahre alt. Auch kommen die Schauspielenden aus der ganzen Deutschschweiz. Der 27-jährige Sergio Leoni reist gar aus dem Thurgau an:

«Ich absolviere aktuell eine Theaterausbildung und finde es super, dass ich hier erste Spielerfahrungen sammeln kann.»

Der junge Mann darf ein breites Repertoire an Charakteren zeigen – vom Greis bis zum stolzen Spartaner.

Neben der Vorfreude macht sich auch Lampenfieber breit.

Neben der Vorfreude macht sich auch Lampenfieber breit.

Dieter Graf

Unter den Mitwirkenden befindet sich auch die 30-jährige Silia Zeltner-Staffelbach aus Däniken. Sie ist in der Rolle einer Griechin zu sehen, welche zwar vor Sehnsucht nach dem eigenen Mann fast vergeht, für das höher gewertete Ziel, den Krieg zu beenden, aber standhaft bleibt. Dabei wäre Zeltner-Staffelbachs Einsatz als Mitkämpferin für den Frieden beinahe nicht zustande gekommen. «Das Casting zu Lysistrata habe ich im allerletzten Augenblick entdeckt – glücklicherweise durfte ich noch daran teilnehmen.»

Überhaupt ist die ganze Truppe rund um Lysistrata zutiefst dankbar, das Stück in diesem Jahr endlich aufführen zu können. Da nehme man auch gerne in Kauf, dass die Zuschauerzahl wohl noch immer begrenzt und Schutzmassnahmen erforderlich sein würden. Die Premiere des Stücks findet am 12. August statt.

Hinweis: Der Vorverkauf für die 14 Vorstellungen - sie finden vom 13. August bis zum 3. September statt - startet am 1. Juli.

An drei Abenden wird Einlass nur mit Covid-Zertifikat gewährt.

Alle genauen Infos sind zu hier zu finden.

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