Eugen Busslinger

Portrait des bekannten Trimbacher Komponisten – für die Blasmusik sieht er eine schwierige Zukunft

Eugen Busslinger komponiert und pflegt weiterhin das Trompeten- und Cornetspiel

Eugen Busslinger komponiert und pflegt weiterhin das Trompeten- und Cornetspiel

In der Welt der Blasmusik ist Eugen Busslinger aus Trimbach ein bekannter Name. Der Komponist dirigierte etliche Musikvereine.

Auf den ersten Blick würde man vermuten, dass hier ein Kirchenmusiker wohnt. An einer Wand der geräumigen Stube hängen in einen Holzrahmen eingefasste Orgelpfeifen. Erst auf den zweiten Blick werden die beiden Bilder an der Wand gegenüber sichtbar, die ein Saxofon und eine Klarinette zeigen. Diese Instrumente liegen schon näher am Klangbereich von Eugen Busslinger, der als Komponist, Interpret und Arrangeur von Märschen weitum bekannt und geschätzt ist.

Sein Weg zur Berufsmusik war nicht vorgezeichnet, obschon die Musik bereits in seinem Kindesalter gepflegt wurde. «Meine Eltern waren Sänger», berichtet der 74-jährige, der in Rütihof bei Baden aufwuchs. Als er im Klassenzimmer sass und draussen von einer Militärkapelle der Schlager «Marina, Marina» ertönte, reifte in Busslinger der Wunsch, später dem Spiel beizutreten. Nach der Bezirksschule konnte er bei einem 18-Jährigen das Trompetenspiel erlernen.

Zunächst trat er in die Musikgesellschaft von Fislisbach AG ein, mit dem Flügelhorn als Instrument. Er lernte Buchdrucker und konnte mit 20 Jahren die Rekrutenschule wie gewünscht im Spiel absolvieren. Anschliessend zog er nach Genf, um Französisch zu lernen. Das gelang, vom technischen Stand seines Berufes war er jedoch enttäuscht: «Die Maschinen waren bescheiden.» Busslinger wechselte in den Bereich des Offset-Drucks und belegte nebenbei am Konservatorium Kurse. Während dieser Zeit spielte er in der Harmonie Nautique, einer angesehenen Formation, die sogar mit dem Opernchor des Genfer Grand Théâtre auftrat. Seine Frau, die auch aus der Region Baden stammt, lernte er in der Genfer Zeit kennen. Nach der Geburt der ersten Tochter zog das Ehepaar nach Trimbach. Die Arbeit führte ihn an den Unteren Hauenstein: «Ich hatte in der Druckerei Rentsch eine gute Stelle gefunden.»

Vom Buchdrucker zum Musiklehrer

Nach ein paar Wochen stand ein Mann vor seiner Wohnungstür und fragte ihn, ob er dem Musikverein beitreten wolle. Busslinger war erstaunt, wieso seine musikalische Ader bereits bekannt war. «Der Präsident der Musikgesellschaft arbeitete als Sektionschef auf der Gemeinde und hatte im Dienstbüchlein gesehen, dass ich dem Spiel angehöre, und dies gleich weitergeleitet», berichtet er lachend. So erschien er mit seinem Flügelhorn bei einer Probe. In Trimbach war dieses Instrument eher eine Überraschung, da man einen Cornettisten erwartet hatte. Nach einiger Zeit fragte ihn der Dirigent, ob er auch Musikstunden erteilen würde. «Damals wurden überall von den Gemeinden subventionierte Musikschulen eröffnet, es bestand ein richtiger Lehrermangel.» Busslinger gab Unterricht für Trompete, Cornet, Hörner und später auch für Posaune. Die Stunden fanden in den leerstehenden Schulzimmern statt. «Jeder Raum roch anders und war mehr oder weniger ordentlich eingerichtet», erinnert sich er schmunzelnd.
Hinzu kam das Dirigat der Trimbacher Musik, welches er Anfang der 1970er-Jahre übernahm. «Wie die Jungfrau zum Kind kam ich zum Dirigieren.» Zwar hatte er bereits in Genf einen Kurs für das Dirigieren belegen wollen, aber wegen Zeitmangel des Lehrers kam dieser nie zu Stande.

Ab 1981 arbeitete Busslinger vollzeitlich als Musiklehrer. Ein Schritt, der ihm viel bedeutete und sein Leben veränderte. Zu seinem früheren Beruf hat er keinen Bezug mehr: «Wenn ich heute in eine Druckerei gehe, weiss ich nicht mehr, wie die arbeiten. Die ganze Elektronik habe ich nicht mitgemacht.» Den Computer setzt er als Komponist von Märschen ein. «Man kann heute am Bildschirm alle Noten setzen, was ich früher von Hand gemacht habe.» In der Region ist wohl der «Trimbacher Marsch» sein bekanntestes Stück.

Durch seine Kurse im Dirigieren am Konservatorium Luzern wurde der Volontär des Konservatorium-Leiters auf ihn aufmerksam. «Er fragte mich, ob ich die Musik von Wauwil übernehmen möchte.» Busslinger ergriff den Taktstock in der Luzerner Landgemeinde. Später wurde die Stelle für den Dirigenten der Stadtmusik Zofingen ausgeschrieben, die er ebenfalls erhielt. Während 18 Jahre leitete er daneben auch die Kadettenmusik Zofingen.

Der Nachwuchs fehlt in der Zukunft

Für die Blasmusik sieht Busslinger eine schwierige Zukunft voraus. Die heutige Situation sei fast überall schlecht: «Ausser im Wallis und im Luzernischen haben die Musikvereine überall mit Nachwuchssorgen zu kämpfen.» Der Wille zum Üben fehle vielerorts: «Ich sagte meinen Schülern immer zum Thema Spielen und Üben: Wenn du willst, dann musst du. Und wenn du nicht willst, musst du auch nicht.»
Eugen Busslinger pflegt seine beiden Trompeten und sein Cornet weiterhin, auch wenn das Spielen wegen der Pandemie in den letzten Monaten pausieren musste. Er spielt heute noch in zwei Brass-Formationen und im Solothurner Veteranenspiel, das vom gebürtigen Winznauer Robert Grob geleitet wird. «Musik ist für mich ein Naturwunder», bekennt der leidenschaftliche Musiker.

Seine beiden Töchter haben das musikalische Talent nicht übernommen, hingegen sind einige seiner ehemaligen Schüler bekannte Musiker geworden, unter anderem bei der Band «Traktorkestar». Ihr Erfolg ist der späte Lohn des Lehrers.

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