«Aktion Suberi Aare» — unter diesem Namen treffen sich von April bis September jeden Sonntag fünf bis zehn Jugendliche, die den Aare-Raum zwischen Aarau und Schönenwerd säubern — und das freiwillig. Am vergangenen Sonntag feierte die «Aktion» ihr einjähriges Bestehen. Diese Zeitung begleitete die Gruppe und ging auf Stimmenfang.

Sonntagmorgen, zehn Uhr: 14 Personen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren versammeln sich beim Steintisch zwischen Aarau und Erlinsbach AG beim Kraftwerk. Dieses Mal sind es sogar mehr als üblich. Zuerst wird zusammen gefrühstückt, bevor es ans Abfallsammeln geht.

«Jetzt müssen wir handeln!»

Florian Mollet, einer der Initianten, erklärt: «Begonnen hat alles vor einem Jahr. Wir haben oft an der Aare grilliert und uns über den vielen Müll geärgert, den die Aaregänger einfach achtlos liegenlassen. Als es dann noch hiess, dass die Gegend zu einem Naturschutzgebiet gemacht werden solle, sodass wir hier nicht mehr gemütlich bei einer Wurst zusammensitzen können, haben wir uns gesagt: Jetzt müssen wir handeln!»

Gesagt, getan. Mit einem Leiterwagen und einer Kiste bestückt ging es los. Da die Kiste mit der Zeit unangenehm zu riechen begann, organisierte Mollet Holz aus einer Schreinerei und bastelte eine Holzwanne. Diese wurde auf den Leiterwagen montiert. Immer mehr Personen aus dem Kollegenkreis fanden den Weg zur Clique, um gemeinsam den Aareraum zwischen Aarau und Schönenwerd sauber zu halten.

Sonntäglicher «Müll-Spaziergang»

Den geübten Augen der Jugendlichen entgeht fast nichts. Akribisch werden die Büsche begutachtet und jedes noch so kleine Zigarettenstümmelchen aufgelesen. Sogar die Abfallsäcke werden von den jungen Leuten selber organisiert und finanziert. «Es sei denn, jemand findet die Aktion toll und spendet uns eine Rolle Kehrichtsäcke», sagt ein Jugendlicher aus der Gruppe.

Dass die sonntäglichen Säuberungsaktionen gut ankommen, hört man auf dem «Müll-Spaziergang» immer wieder. Brigitte Walker, die regelmässig an der Aare unterwegs ist und die Gruppe schon ein paar Mal gesehen hat, ist fasziniert: «Es sollte viel mehr Personen, wie diese jungen Leute geben. Die machen wirklich etwas Tolles und Sinnvolles mit ihrer freien Zeit.»

«Auch böse Blicke haben wir schon geerntet»

Leider gebe es aber zum Teil auch «negative» Reaktionen, berichtet Mia Zollinger. Sie ist fast seit den Anfangszeiten mit der Gruppe unterwegs. «Zum Teil meinen die Leute, dass wir das tun müssten, um zum Beispiel Sozialstunden abzubauen. Auch böse Blicke haben wir schon geerntet.»

Um diesen Vorurteilen entgegenzuwirken, setzt die Gruppe auf den Dialog. «Zu Beginn der Aktion haben wir Aufkleber gedruckt, die wir den Leuten verteilten und erklärten, was wir hier genau tun», so Zollinger. Später organisierten sie T-Shirts mit dem Aufdruck «Aktion Suberi Aare». Auch das Leiterwägeli, mit dem der Müll gesammelt wird, ist entsprechend beschriftet.

Hanf, Velos und Windeln

Auf die Frage, was sie denn schon alles gefunden hätten, kommt die Gruppe gar nicht mehr aus dem Aufzählen heraus: «Hygieneartikel, gebrauchte Kondome, Damenbinden, Hanf, Velos, Kinderwindeln und sogar Einkaufswägelchen.» Nicht immer sei das Ganze einfach zusammenzulesen, so Florian Mollet: «Bei einer gebrauchten Windel hatte ich schon ein bisschen Mühe. Allgemein mit allem, bei dem es um Fäkalien geht.» Auch hier ist sich die Gruppe einig: «Zum Teil benehmen sich die Menschen schlimmer als Tiere.»

Was Zollinger zum Beispiel nicht verstehen kann, sind die vielen Zigarettenstümmelchen: «Ich bin selber Raucherin. Es gibt aber kleine Döschen, die man praktisch mitnehmen und in die man die Zigarettenstummel entsorgen kann.» Auch Mollet pflichtet ihr bei: «Im Militär haben wir es auch anders gelernt.»

Um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und eventuell auch neue Leute für ihre Aktion zu begeistern, ist die Gruppe «Aktion Suberi Aare» auf Instagram präsent. Ebenso ist eine Website in Planung, die in Kürze unter dem Namen online geht.