Pläne des Bundesrats
Ausweitung der Zertifikatspflicht: «Das wäre eine Katastrophe»

Einige Betriebe aus der Region blicken kritisch auf die neusten Pläne des Bundesrates, andere lassen diese kalt.

Noël Binetti
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Zertifikatskontrolle an einem Match: bald auch vor einem Besuch im Restaurant? Nicht alle Betriebe können sich mit dieser Vorstellung anfreunden.

Zertifikatskontrolle an einem Match: bald auch vor einem Besuch im Restaurant? Nicht alle Betriebe können sich mit dieser Vorstellung anfreunden.

Symbolbild: Ennio Leanza

Letzten Mittwoch brachte der Bundesrat an seiner Medienkonferenz eine mögliche Ausweitung der Zertifikatspflicht auf Betriebe wie Restaurants, Kinos, Gym’s oder Museen in Spiel. Leute, die sich nicht vor allen solchen Besuchen testen lassen können oder wollen und nicht genesen oder geimpft sind, hätten an diesen Orten fortan keinen Zutritt mehr. Wir haben einige Inhaber und Geschäftsführerinnen aus der Region gefragt, was eine solche Zertifikatspflicht für ihren Betrieb bedeuten würde.

Fitnesscenter

Pascal Jörg, Fitness Factory.

Pascal Jörg, Fitness Factory.

zvg (Archiv)

Pascal Jörg, Inhaber der Fitness Factory mit mehreren Filialen in Olten und dem Niederamt, ist gegen die Einführung: «Grundsätzlich bedeutet die neuste Stossrichtung des Bundesrats für uns eine Katastrophe.» Plötzlich sollen auch Fitnessbetriebe solche Massnahmen umsetzen, nachdem sie riesige Summen in Schutzmassnahmen, in Lüftungen und Messinstrumente investiert hätten. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Es gibt an unseren sechs Standorten keine einzige Ansteckung, die nachgewiesen wurde.» Dass nun die Kunden zum Nachweis gezwungen werden sollen findet Jörg daneben. «Wer mehrmals in der Woche bei uns trainiert und sich nicht impfen lassen will, soll sich immer wieder testen lassen und diese Tests zudem bald selbst bezahlen?» Sogar einen erneuten Lockdown fände er besser, «dann würden wenigstens die Kosten wieder vom Bund übernommen.» Aber so würden die Unternehmen alleingelassen. «Wir müssten pro Filiale 170 Stellenprozent zusätzlich schaffen, um solche Kontrollen umzusetzen.» Erste Leute hätten ihr Abo bereits storniert; die ständig wechselnden Massnahmen seien ihnen zu unsicher. «Wir haben mit unseren Kunden einen Vertrag, ob sie geimpft sind oder nicht», ergänzt Jörg. Zudem würden auch Geimpfte das Virus aufnehmen und weiterverbreiten können. «Es braucht andere Lösungen», sagt Jörg.

Tanzschule

Marzia Talamonti, Tanz-Atelier.

Marzia Talamonti, Tanz-Atelier.

Patrick Lüthy (Archiv)

Das Tanz-Atelier in Schönenwerd wird von Marzia Talamonti geführt. Sie findet ähnliche Worte wie Pascal Jörg. Auf Anfrage erklärt sie: «Eine solche Umsetzung wäre für uns ganz schlimm, dann könnte ich wahrscheinlich zumachen.» Zwar spiele es noch eine Rolle, ab welchem Alter die Mitglieder der Tanzschule ein Zertifikat vorweisen müssten, denn Talamonti hat auch viele Kinderklassen. «Aber was wäre mit allen Erwachsenen-Tanzklassen und mit den Mitarbeitenden?», fragt sie. «Nachdem wir uns allein durch die Hilfe Privater über Wasser hielten, befinden wir uns noch im Wiederaufbau.» Vom Bund habe ihr Betrieb seit Beginn der Pandemie keinen Franken gesehen. «Wenn jetzt erneut mit solchen Massnahmen eingegriffen wird, wäre das eine Katastrophe», sagt sie. Und: «Ich wäre von der Regierung sehr enttäuscht.»

Restaurant

Arno Sgier, Restaurant Traube.

Arno Sgier, Restaurant Traube.

Remo Fröhlicher (Archiv)

«Was wollen wir denn machen?», sagt Arno Sgier auf Anfrage. Er führt in Trimbach das Restaurant Traube und blickt etwas gemässigter auf die mögliche Verschärfung. «Das ist immer noch besser als schliessen», sagt er. «Ich bin nicht pessimistisch. Wir alle müssen mithelfen, damit es besser wird. Jammern bringt nichts.» Zudem funktioniere es mit dem Zertifikat auch in anderen Ländern. «Wer sich nicht impfen lassen will, soll zuhause bleiben bis alles vorbei ist», meint Sgier. In seinem Betrieb sei es auch nicht schwierig, die Kontrollen durchzuführen. «Wir sind ein Gourmet-Betrieb, unsere Gäste bleiben mehrere Stunden bei uns», sagt er, und: «ich kann mir vorstellen, dass dies für Gastrobetriebe, welche auf Laufkundschaft angewiesen sind, eine grössere Herausforderung darstellt.»

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