Nachruf
Patron, Tüftler und Kunstfreund: Fritz Wernli starb im Alter von fast 100 Jahren

Ein Nachruf auf den Fabrikanten Fritz Wernli-Sulzener aus Lostorf, der vor zehn Tagen verstorben ist.

Lorenz Degen
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Fritz Wernli mit einem «Petit Choco Beurre» 2014.

Fritz Wernli mit einem «Petit Choco Beurre» 2014.

Kurt Reichenbach/Schweizer Illustrierte

«So Gott will, werde ich am 4. August 2021 meinen 100. Geburtstag feiern können», schrieb Fritz Wernli am 10. Dezember 2020 in seiner Weihnachtskarte, die er an seine Freunde verschickte. «Für mich ist dies wie ein Wunder. Doch Wunder sind Ausnahmen», heisst es weiter.

Vier Tage später, am 14. Dezember 2020, ist Fritz Wernli im Betreuungs- und Pflegezentrum Schlossgarten in Niedergösgen gestorben. Damit hat eine bedeutende Persönlichkeit aus dem Niederamt diese Welt verlassen.

Wie in einem 2018 erschienenen Porträt im Lostorfer «Dreirosenblatt» zu entnehmen ist, wollte Wernli ursprünglich Kunstmaler werden. Der Besuch in einem Berner Atelier hat diesen Wunsch in ihm entfacht. Doch sein Vater verlangte, dass er einen «richtigen» Beruf erlerne und so begab sich Fritz Wernli nach St. Gallen, wo er eine Lehre als Konditor begann.

Nach einem halben Jahr brach er diese ab und wechselte an eine Handelsschule im Welschland. Sein Vater Fritz Wernli-Flückiger starb 1950 im Alter von 59 Jahren überraschend an einem Hirnschlag. «Dies war für uns alle der schwerste Teil unseres Lebens als Familie und Geschäft», schrieb Fritz Wernli über diese Zeit.

Mit 29 Jahren trat Fritz Wernli in die Fussstampfen seines Vaters als Geschäftsführer des Unternehmens. «Ein gütiges Schicksal ist mir 35 Jahre beigestanden», resümierte er rückblickend. Sein Vater blieb ihm bis zuletzt sehr präsent, war er es doch, der ihm «viel Verständnis, Können und Liebe mitgegeben hat, vorab das gute Denken, das Wahre, das Gute!».

Der Tunnelbackofen in der Produktion in Trimbach, ca. 1955.

Der Tunnelbackofen in der Produktion in Trimbach, ca. 1955.

zvg

Fritz Wernli heiratete, drei Töchter und ein Sohn kamen zur Welt. Bis 1963 wohnte die Familie in Trimbach, was aber seiner Gesundheit abträglich war: «Er arbeitete tagsüber in der Firma und nachts engagierte er sich für die Gemeinde, die Kirche und das Parteileben, bis sein Arzt ihm ins Gewissen redete, dass er so nicht alt werden würde», heisst es dazu im «Dreirosenblatt». So zogen Wernlis nach Lostorf. Den Kindern gefiel der Wechsel in die ländliche Umgebung erst gar nicht, er aber habe sich rasch im Dorf eingelebt.

Fritz Wernli an seinem letzten Arbeitstag 1985.

Fritz Wernli an seinem letzten Arbeitstag 1985.

zvg

Die Firma in Trimbach wuchs derweil. Mit den «Choco Petit Beurres» und den «Japonais» gelangen Grosserfolge. Bis zu 250 Angestellte beschäftigte das Unternehmen, dem er als väterlicher Patron vorstand. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren ihm sehr wichtig. Der Slogan «Me het de Wernli einfach gernli» machte die Unternehmung weitum bekannt.

Dass die Firma Hug aus Malters ab 2008 seine Firma weiterführte und die Marke erhalten blieb, war für Fritz Wernli ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft: «Danke an die Firma Hug für diesen mutigen Entscheid!» schrieb er dazu.

Ein schwerer Schlag war für Fritz Wernli der Tod seiner Frau im Jahr 2012. Fünf Jahre später zog er nach Niedergösgen ins Pflegeheim. Dem «Dreirosenblatt» vertraute er das Geheimnis seines hohen Alters an: «Gesund essen, viel Bewegung und jeden Abend ein Bierchen!

Erinnerungen von Thomas A. Müller

«Fritz Wernli war eine sehr inte­ressante Persönlichkeit», sagt der Gemeindepräsident von Lostorf. «Er hatte ein rotes, kleines Invalidenwägeli, mit dem er bis vor die Türe der Migros fuhr.» Im Dorf habe man ihn meistens um die Mittagszeit gesehen: «Er ging immer zum Essen ins Kafi mit Härz.» Müller bekam jedes Jahr von ihm eine Weihnachtskarte: «Er hatte die schönste Handschrift, die ich jemals gesehen habe.» Auch über seine Firma hat sich Müller mit Fritz Wernli unterhalten: «Er war sehr froh, dass die Marke erhalten blieb. Er war ein Patron.» (ld)