«In den Weihnachtsferien gingen wir, äh, wie heisst das noch mal?» — «Meinst du Schlittschuhlaufen?» — «Ja, genau. Wir gingen Schlittschuhlaufen.» Aditi erzählt von ihrem ersten Mal auf der Kunsteisbahn in Olten. Sie sitzt am Tisch im Familienzentrum FamiTri in Trimbach und trinkt Kaffee aus einem Pappbecher. Hier findet alle zwei Wochen am Donnerstagmorgen das Sprachcafé statt, organisiert von der Netzgruppe Trimbach.

«Die Gäste des Sprachcafés sollen ihre Ängste vor dem Deutschsprechen begraben und hier ohne Hemmungen erzählen», sagt Cordula Gysin, die Leiterin der Netzgruppe und des Sprachcafés. Zwischen fünf und sieben Frauen kämen jeweils. Männer nutzen das Angebot laut Gysin weniger. Das Café sei aber eigentlich ein Ort für alle. Gysin: «Es wäre auch schön, wenn noch mehr Schweizer kommen würden. Das gäbe einen guten Austausch.»

Mal sprechen sie über die Arbeit, mal über die Kultur

Das Sprachcafé existiert seit vier Jahren. Die Gäste werden oftmals von den Lehrern der Deutschkurse auf das Zusatzangebot aufmerksam gemacht. Gysin sieht das Sprachcafé denn auch als Ergänzung dazu: «Die einzige Voraussetzung für die Teilnahme sind Basiskenntnisse der Sprache.» Die Frauen kommen aus Ungarn, Brasilien, Indien, Sri Lanka, der Slowakei, Kosovo oder aus der Türkei.

An den Treffen im FamiTri-Haus in Trimbach spreche man über alles, das die Besucherinnen beschäftigt: Sie fragen einander, wie es bei der Arbeit läuft. Oder wollen wissen, warum auf der Milchflasche in der Mitte des Tischs «Heumilch» steht. Aber auch kulturelle Begebenheiten werden diskutiert: So erklärt Aditi, die aus dem Norden Indiens stammt, warum ihre Nachnamen deutlich kürzer seien als die Namen der Inder aus dem Süden, wo Prasanna herkommt.

«Das multikulturelle Leben hier ist eine Bereicherung»

Gysin kennt die Situation der Frauen: Seit 15 Jahren leitet sie die Netzgruppe Trimbach, engagiert sich in kleineren Integrationsprojekten, bietet individuelle Beratungen an und führt die Erstinformationsgespräche im Rahmen des Projekts «start.integration» für die Gemeinde durch. «Das multikulturelle Leben hier ist eine Bereicherung, auch für mich», sagt Gysin.

Seit zwei Jahren besucht sie selbst einen Sprachkurs. Sie will ihre Englischkenntnisse aufbessern. Ihre Lehrerin ist Sprachcafé-Teilnehmerin Aditi. «So haben wir uns kennen gelernt», sagt Gysin. Anfangs hätten sie ausschliesslich Englisch miteinander gesprochen. «Irgendwann haben wir dann entschieden, dass ich auch Deutsch sprechen muss», erzählt Aditi, die seit dreieinhalb Jahren in Olten lebt, lachend. Das Sprachcafé helfe ihr sehr. «Hier kann ich viel freier sprechen als in einem Kurs. Ich habe weniger Hemmungen», sagt die 30-Jährige.

Informatikerinnen aus Indien unterrichten Senioren

Prasanna, eine andere Teilnehmerin des Sprachcafés, lebt bereits seit über zehn Jahren in der Schweiz. Die studierte Informatikerin leitete zusammen mit der Informatikerin Sinduja im vergangenen Jahr einen Computer-Kurs für Senioren: «Das war eine sehr gute Erfahrung», sagt die Inderin.

Den Senioren zeigte sie, wie Facebook funktioniert, wie eine Mail verschickt wird oder was es mit Skype auf sich hat. Noch heute sei sie über Facebook in Kontakt mit einigen Kursteilnehmern. «Sie schreiben mir immer wieder.»

«Mehr Toleranz erreichen»

Das ist für Gysin eine Erfolgsgeschichte: «Unser Ziel ist es, die Leute zusammenzubringen und so mehr Toleranz zu erreichen.» Darum ermutige sie die Frauen auch, den Treffpunkt regelmässig zu besuchen. Und wenn eine Teilnehmerin aufgrund eines neuen Jobs nicht mehr kommen könne, verbuche sie das ebenfalls als Erfolg.

An diesem Donnerstagmorgen sitzen vier Frauen und Leiterin Gysin bei Kaffee und Tee zusammen. Nachdem die Inderin Aditi von ihrem Ausflug auf die Kunsteisbahn in Olten erzählt hatte, will sie wissen, ob die anderen Frauen schon mal dort waren. Lachend schütteln sie den Kopf. Das sei nichts für sie. Und Priya aus Sri Lanka sagt: «Ich hab es noch nie ausprobiert, aber mein Sohn war mal dort mit der Schule.» Sie sei momentan mit der Renovation des Hauses, das sich die Familie gerade gekauft hatte, beschäftigt. Aditi meint: «Kommt, wir gründen doch eine Schlittschuhlauf-Gruppe.»