Niedergösgen
SP, FDP und SVP melden sich zurück für die nächste Legislatur

Nach den Auseinandersetzungen in der letzten Amtsperiode sind in der nächsten Legislatur wieder alle Niedergösger Parteien im Gemeinderat vertreten.

Noël Binetti
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Gemeindeverwaltung Schlosshof Niedergösgen

Gemeindeverwaltung Schlosshof Niedergösgen

Bruno Kissling

Bei den Wahlen vor vier Jahren versäumten es die anderen Ortsparteien, Kandidierende aufzustellen. Grund dafür waren unter anderem auch Querelen und Rücktritte amtierender Gemeinderatsmitglieder in der Amtsperiode 2013 bis 2017, was vor vier Jahren in der Nichtwahl des amtierenden Gemeindepräsidenten Kurt Henzmann gipfelte: Er verpasste als einziger Kandidat das absolute Mehr um 19 Stimmen.

Inzwischen ist Ruhe eingekehrt: Der aktuelle Gemeinderat ist zu je vier Sitzen von der CVP und Parteilosen besetzt. Und für die neue Legislatur wird dieser parteipolitisch noch breiter zusammengesetzt sein: die SVP, die SP und die FDP werden sich wieder am Regieren beteiligen, wie die stillen Wahlen gezeigt haben. Roberto Aletti von der CVP und aktueller Gemeindepräsident wird als einziger Bisheriger im Rat verbleiben. Er freut sich über die neue Zusammensetzung.

Doch wie kam diese Einigung zustande? Auf Anfrage erklärt Aletti:

«Es war eins meiner erklärten Ziele dieser Legislatur, für die Wahlen 2021 wieder alle Parteien mit ins Boot zu holen.»

Noch vor seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten habe die CVP einen runden Tisch einberufen. «Daran haben sich Vertreter aller Parteien beteiligt.» Diese Gespräche habe man während der Legislatur weitergeführt und so etwas erreichen können. Zusammen wurde ein Flyer erarbeitet. Dieser appellierte an die Wahlberechtigten, sich am politischen Prozess und an der Parteiarbeit zu beteiligen. Der Flyer sorgte damals auch für Kritik, insbesondere bei den Parteilosen. Doch dieses Engagement aller habe nun Wirkung gezeigt. «Jetzt haben wir die Bevölkerung wieder abgebildet im Gemeinderat», sagt Aletti. Und:

«Es macht keinen Spass, allein zu regieren.»

Was bedeutet der Wechsel für die laufenden Geschäfte? Aletti findet den Zeitpunkt nicht ungünstig: «Wir konnten Geschäfte wie die Ortsplanungsrevision oder den Umbau des Musikschulhauses abschliessen.» Neue Sachen würden warten, als Beispiele nennt er die Wasserversorgung sowie die Schulraumplanung. Und in den Arbeitsgruppen würden auch Bisherige verbleiben. «Zudem werden zwei Mitglieder wieder aktiv, die früher bereits im Gemeinderat waren», ergänzt Aletti. Trotzdem werde es ein Neuanfang. Doch: «Nun haben wir wieder reguläre Verhältnisse.»

Mehrere Meinungen hatten ihren Platz

Markus Hunziker vertritt zusammen mit Göktas Arda nach der stillen Wahl die Freisinnigen im neuen Gemeinderat. Auf die Fragen antwortet er schriftlich:

«In den Ortsparteien hat es vereinzelt Wechsel bei den Verantwortlichen gegeben.»

Dies habe dazu geführt, dass man sich in der Folge angenähert und sich zu informellen Gesprächen getroffen habe. «Es herrschte eine durch und durch gute Diskussionskultur.» Alle Meinungen hätten Platz gehabt. Die FDP habe viel Zeit in die Kandidatensuche investiert – nicht nur für den Gemeinderat. «Zäme goht’s», sagt Hunziker.

Nach den kommenden Herausforderungen gefragt, antwortet er: «Gemeindepolitik ist Sachpolitik.» Diese werde in Niedergösgen in den Kommissionen hervorragend vorbereitet. «Ich persönlich freue mich darauf, mich in die neuen Geschäfte einzudenken und auch bei älteren Angelegenheiten den Faden wieder aufzunehmen.» Die Pandemie und deren (finanzielle) Herausforderungen werden uns wohl noch lange beschäftigen.» Dies mache sich bereits im negativen Gemeindebudget 2021 bemerkbar. «Das muss angegangen werden.» Die Parteienvielfalt im Gemeinderat trage sicher zu gut diskutierten und kreativen Lösungen bei.

Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg

Was führte zur Wiederkandidatur der SP Niedergösgen? Matthias Moser, der nun zusammen mit Fabian Kupferschmid und Anita Mitra die Ortspartei im Gemeinderat vertreten wird, sagt auf Anfrage: «Die verschiedenen Parteien trafen sich zum Austausch. Dabei haben wir miteinander gearbeitet statt gegeneinander.» Man habe sich zum Beispiel gegenseitig auf mögliche Kandidierende aufmerksam gemacht, auch über Parteigrenzen hinweg.

«Es war ein gemeinsamer Wille da, nicht wie bei der nationalen Politik.»

Was war bei den aktuellen Wahlen anders als vor vier Jahren? Moser meint dazu: «2017 wurde sicher einiges verschlafen.» Dass es am Ende so herausgekommen sei, habe ihn damals überrascht. Es habe eine gewisse Zeit gebraucht, bis sich die Ausgangslage wieder normalisiert habe. «Es kamen mehrere Dinge zusammen und die Umstände waren schwierig.» Im Hinblick auf die kommende Legislatur erklärt Moser am Telefon: «Ein gemeinsames Vorgehen ist mir wichtig.»

Dazu gehöre eine gesunde Gesprächskultur: «Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.» Moser war bereits früher während acht Jahren und über zwei Legislaturen im Gemeinderat vertreten. Aktuell amtet er als Präsident der Mehrzweckhallen- und Sportkommission. Er habe sich nie ganz aus der Gemeindepolitik zurückgezogen. «Diese Erfahrung ist bei der Wiederaufnahme der Geschäfte sicher von Vorteil», ist Moser überzeugt.

Für die SVP wird Sonja Hofer im neuen Gemeinderat einen Sitz einnehmen. Die Parteileitung war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.