Starrkirch-Wil

Niederämter Unternehmer will Kredite für Haustechnik-Anlagen vermitteln

Salvatore Fischetti (links) und Nick Sterchi im Showroom der Fisa Heizung und Sanitär in Starrkirch-Wil.

Salvatore Fischetti (links) und Nick Sterchi im Showroom der Fisa Heizung und Sanitär in Starrkirch-Wil.

Der Unternehmer Salvatore Fischetti will Objektfinanzierungen für Haustechnik anbieten und betritt damit Neuland in der Branche.

«Dieses System ist in der Autobranche längstens etabliert», sagt Salvatore Fischetti am Telefon. Er ist Inhaber und Geschäftsführer der Fisa Heizung und Sanitär AG aus Starrkirch-Wil. Fischetti betreibt auch eine Immobilienfirma. Für sein neustes Projekt – die Fisa Finanzierungen AG – arbeitet er mit dem Finanzierungsprofi Nick Sterchi zusammen. Die Idee ist es, Kredite für Haustechnik-Anlagen zu vermitteln.

Wie funktioniert das?

Auf Anfrage erklärt Fischetti, das Konzept der neu gegründeten Firma sei in der Schweiz einzigartig. Zumindest in der Heizungs- und Baubranche. Hauseigentümer, private Bauherren, Architektinnen, Handwerker oder Herstellerinnen kämen als Kundschaft infrage.

Wer eine Heizung, eine Küche oder andere technische Gerätschaften für den Hausbau, Renovationsarbeiten oder die Ausstattung einer Wohnung benötige, könne sich diese durch von der Fisa Finanzierungen AG vermittelte Finanzanbieter finanzieren lassen. Potenzielle Kunden schliessen mit der kreditgebenden Firma einen Vertrag ab, ähnlich einem Leasing. «Allerdings ohne Anzahlung und ohne Restwert», führt Fischetti aus.

Möglich ist eine Finanzierung über maximal 84 Monate, also sieben Jahre. In dieser Zeit begleicht der Besitzer einer neuen Heizung monatlich seine Rate. Der verrechnete Zinssatz betrage dabei in der Regel 0,5 Prozent – ein sehr tiefer Zins. Während der Abzahlung bestehe für die Heizung eine Garantie. Diese sei in den monatlichen Raten inbegriffen.

Wie ist das möglich?

«Wir arbeiten mit verschieden Kreditinstituten und Banken zusammen», erklärt Unternehmer
Fischetti. Man habe in der letzten Zeit viel am Konzept gearbeitet und mit den «Partnern» Verhandlungen geführt. Auch mit der für Finanzgeschäfte zuständigen Finanzmarktaufsicht (Finma) sei alles abgesprochen und bewilligt. Laut Fischetti ist nun alles bereit: «Das Unternehmen kann starten.»

Mit diesem Unternehmen will Fischetti neue Finanzstrukturen im Schweizer Baumarkt etablieren. Dieser Markt sei in der Schweiz hart umkämpft. Viele Anbieter würden sich gegenseitig unterbieten, dabei erhalte der Kunde kaum Informationen. Fischetti sei es ein Anliegen, dass sich die Verbraucher näher mit den Produkten befassen könnten. Darum plant er in allen grösseren Schweizer Städten Showrooms. Dort sollen sich Interessierte eingehend über alle gängigen Heizungslösungen informieren können, beispielsweise über Öl-, Solar- und Pellet-Systeme.

Ein erster solcher Standort existiert bereits an der Aarauerstrasse 16 in Starrkirch-Wil. In verschiedenen Regionen bestehen bereits Agenturen als Ansprechpartner. Auf der Website des Unternehmens wird mit folgenden Argumenten geworben: «Die neue Heizung spart Energie – und damit Geld. Mit dem eingesparten Geld ist ein Teil der monatlichen Zahlung praktisch bereits bezahlt. Eine Bankfinanzierung ist meist kompliziert, mit Fisa Finanzierungen AG ist sie einfach, schnell und erst noch günstig.» Zur Prüfung eines Antrags benötige die Fisa Finanzierungen AG lediglich ein gültiges Ausweisdokument, einen aktuellen Betreibungsregisterauszug, Auszüge der drei letzten Lohnabrechnungen der gesuchstellenden Person oder eingetragenen Firma. Zudem benötige sie gewisse Informationen zur Wohn- und Lebenssituation.

Erste Reaktionen auf das neue Finanzierungsmodell für Haustechnik seien durchschlagend positiv. Fischetti: «Ich habe nicht damit gerechnet, dass sofort so viele Interessenten mit uns zusammenarbeiten möchten.» Auf die Frage, wer bei einem solchen Arrangement die anfallenden Risiken trage – schliesslich sind sieben Jahre eine lange Zeit – sagt Fischetti: «Die jeweiligen Finanzanbieter entscheiden über die Kreditvergabe. Sie tragen daher auch das Risiko.»

Würden die Käufer einer neuen Heizung beispielsweise wegziehen, sei es die Bank, die dann den Forderungen ihrerseits, gegenüber den Vertragspartnern, Ausdruck verleihen müsse. «Mir geht es darum, den Leuten zu helfen und neue Strukturen aufzubauen», sagt Fischetti.

Finma will sich nicht zur Bewilligungspflicht äussern

Gefragt, ob für die Fisa Finanzierungen AG eine Bewilligung gelte, schreibt die Finanzmarktaufsicht: «Die erwähnte Firma hat keine Bewilligung der Finma.» Auch äussere man sich nicht zu einer allfälligen Bewilligungspflicht dieser Firma oder zu möglichen Abklärungen oder Verfahren. Grundsätzlich gelte: «Hat die Finma Hinweise auf mögliche Verletzungen von finanzmarktrechtlichen Bestimmungen, dann geht sie diesen nach und ergreift, wenn nötig Massnahmen.»

Thomas Kläy ist Präsident der Solothurner Sektion des Schweizer Gebäudetechnikverbands Suissetec. Er bestätigt auf Anfrage: «Ja, ich habe kürzlich von dieser Geschäftsidee erfahren.» Er kenne ähnliche «Contracting»-Modelle. Doch für Kläy ist daran neu, dass jemand solche Verträge auf Installateur-Ebene verkaufen oder vermitteln wolle. «Ich kenne das sonst von den grossen Playern in der Energiebranche.»

Dort mache eine solche Vereinbarung durchaus Sinn. Die Energieversorger würden dann einen Rundumservice für grosse Anlagen bieten und auch die dafür nötigen Pikettdienste selbst organisieren. Für Kläy klingt die Idee nach einem Leasing. «So in dieser Form ist das für mich neu.» Er kann sich vorstellen, dass mit Privatpersonen als Vertragspartner das Risiko einer Nichterfüllung der Verträge wachse.

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