Eindrücklich erhebt es sich über den Park. Das ehemalige Kosthaus der Firma Bally. Wer mit dem Zug am Areal entlangfährt, dem sticht es sofort ins Auge. Das war beim Bau auch so geplant. Das Gebäude war ein Prestigeobjekt der Schuhunternehmer (siehe unten). 100 Jahre und mehrere Besitzerwechsel später wird das Gebäude zum Prestigeobjekt von jemand anderem. Vom Architekten Martin Eitelbuss nämlich. Bald 70-jährig, weisse Mähne, hemdsärmelig. Ungezwungen führt er durch die Baustelle. Mit den Arbeitern ist er per Du.

2012 hat sein Architekturbüro das Gebäude gekauft. Seither wird das Kosthaus umgebaut, diesen Sommer wird man fertig werden. Der Umbau sei bitter nötig gewesen, meint Eitelbuss: «Das war ganz schlimm, was mein Vorgänger hier gemacht hat.» Sein Vorgänger, damit ist die Waldheim AG gemeint. Diese hatte im Kosthaus Menschen mit psychischen Problemen betreut.

Ohne jegliches Bewusstsein für die Geschichte des Ortes habe diese am Gebäude herumgepfuscht. «Wir mussten viele alte Sünden bereinigen», nervt sich Eitelbuss. Unter ihm soll alles anders werden: «Das Kosthaus-Areal soll wieder zum Verbindungsstück zwischen dem Bally-Industrieareal und dem Bally-Park werden», wurde bei der Präsentation des Projekts vor einigen Jahren plakativ angekündigt. Und Eitelbuss scheint es ernst zu meinen. Im Kosthaus brachte er die Lifestyle adventure GmbH unter. Seither werden Events durchgeführt: Konzerte, Messen oder Hochzeiten etwa. «Uns war wichtig, dass das Haus weiterhin teilweise öffentlich genutzt werden kann», begründet er den Schritt.

Familie vereinen

Neben dem Kosthaus sind zwei Neubauten geplant. An der Aare ein Mehrfamilienhaus, in Richtung Bahngleise ein Komplex. Dort sollen die Ballyana-Stiftung und das Bally-Schuhmuseum Platz bekommen. Auch eine Tiefgarage ist vorgesehen. Der Gestaltungsplan dafür befindet sich momentan beim Kanton in der Vorprüfung. Geht alles gut, will Eitelbuss Anfang nächstes Jahr die Baugesuche einreichen.

Bleibt die Frage: Wieso das Ganze? Hat Schönenwerd einen spendablen Bally-Fan gefunden? Mit der Firma Bally habe er eigentlich nichts am Hut, meint Eitelbuss. Er sei lange auf der Suche nach einem passenden Areal gewesen, das er umbauen könne. In Schönenwerd ist er schliesslich fündig geworden. Unter dem Dach des Kosthauses entstehen insgesamt fünf Wohnungen. Dort wird er mitsamt Familie einziehen. Gigantische Loftwohnungen mit Dachterrasse. Direkt an der Aare, den Bally-Park unmittelbar vor der Haustür. «Fantastisch» und «wunderbar», so beschreibt Eitelbuss den Ort. Über Geld mag er nicht reden. «Das ist teuer, logisch. Das sieht jeder. Aber es ist ja auch für die nächsten hundert Jahre.»

Krönender Abschluss

«Das ist es wert.» Dieser Satz ist für Eitelbuss beinahe schon ein Motto. In seiner Laufbahn hat er sich darauf spezialisiert, alte Gebäude umzubauen. «Ich wollte immer besondere Sachen machen.» Ein wenig Trotz schwingt in seiner Stimme mit. «Die Leute sagen immer: ‹Das lohnt sich gar nicht. Reiss solch alte Gebäude doch lieber ab und bau sie neu, das kommt billiger.›» Doch davon hält er nichts. Klar sei dieser Weg billiger und einfacher, gibt er zu.

Doch: «Etwas Altes nicht abzureissen, sondern daraus etwas Gescheites zu machen, das ist die grosse Herausforderung.» So gehe es auch darum, zu beweisen: «Es geht auch anders.»
Sein Geld verdiente Eitelbuss mehrheitlich im Ausland. Fast auf der ganzen Welt habe er schon gebaut. Nun will der bald 70-Jährige langsam kürzertreten. Der Umbau wird sein letztes Projekt sein. Sein krönender Abschluss, wie er schmunzelnd meint.