Über Stock und Stein die steile Wiese hinauf. Der Schweiss schiesst auch bei vergleichsweise tiefen Sommertemperaturen um 22 Grad aus allen Poren. Der Schlussaufstieg hat seinen Namen verdient und ist Beweis genug, dass es auch im Flachland «hochalpine» Wanderabschnitte gibt. Umso schöner präsentiert sich die Aussicht auf Olten und seine Umgebung sowie die Alpen.

Und weil es im Flachland dann doch nicht so hochalpin ist, dauert das letzte Stück der Wanderung nur eine Viertelstunde. Einmal schräg hinauf um die Ecke, und schon kommt es ins Blickfeld, das Naturfreundehaus auf der Rumpelweid ob Trimbach. Farbige Sonnenschirme auf der Terrasse, ein Kinderspielplatz und eine Schweizer Fahne verströmen das vertraute Alpenflair, hier fühlt man sich sofort daheim.

Am Sonntag läuft es auf dem Rumpel

Dafür sorgen nicht zuletzt die Helferinnen und Helfer, die sich sonntags von 10 bis 17 Uhr um das kulinarische Wohl der Gäste kümmern. Ob Rösti mit Bratwurst oder Spiegelei, Suppe oder Wurstsalat, Kaffee und Kuchen – das Angebot ist reichhaltig, wenn man bedenkt, dass die Zufahrt für Fahrzeuge just vor dem besagten Schlussaufstieg endet. Immerhin können die Hüttenwirte auf eine Transportseilbahn zählen, die ihnen das logistisch anstrengendste Teilstück abnimmt.

Die Lage bringt es mit sich, dass der Weg zum Naturfreundehaus nur findet, wer wandern will oder kann. Überlaufen wird die Rumpelweid deshalb auch in Zukunft kaum. Grundsätzlich zeigt der Trend aber nach oben: Es läuft etwas an einem Sonntag. Den Naturfreunden Olten als Inhabern ist es nämlich gelungen, dem Betrieb neuen Schwung zu verleihen. Einem Aufruf in dieser Zeitung im Dezember 2017 folgten 16 Interessierte. Davon stiegen 12 als Hüttenwirte ein, womit der akute Personalmangel beseitigt werden konnte. Weitere Helferinnen und Helfer sind aber willkommen.

«Ich bin einfach gerne hier oben»

«Die neuen Helfer sind sehr aktiv», freut sich Monika Siegrist, Vizepräsidentin des Vereins Naturfreunde Olten. Sie selber wuchs in Wangen bei Olten auf, und weil schon die Eltern Hüttendienst leisteten, verbindet sie viele Erinnerungen mit der Rumpelweide. «Diese Ruhe! Und so nahe an Olten – ich bin einfach gerne hier oben», sagt Siegrist.

Aktuell ist so etwas wie Hochsaison. «Jetzt räblets», lächelt Monika Siegrist. Seit dem 28. August und vorerst für drei Monate wird das Restaurant mit «kleiner Küche» auch mittwochs von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

Ob Polterabend oder Trainingslager der Fasnachtsclique

Neben Wandersleuten – die meisten kommen aus der Gegend um Olten – verbringen zudem Schulklassen zwischen den Sommer- und Herbstferien Zeit auf der Rumpelweid. Die gestiegene Anzahl der Vermietungen ist ebenfalls ein Ergebnis der Neuorganisation. Das Naturfreundehaus bietet 36 Plätze in der Gaststube und 60 Plätze im Felsbergsaal im Untergeschoss. Ob für einen Polterabend oder das Trainingslager der Fasnachtsclique, das Haus eignet sich für vielerlei Anlässe. Übernachtung ist ebenfalls möglich; es gibt 60 Schlafplätze, das Gros in vier Räumen mit Massenlager.

Die Hüttencrew der Naturfreunde Olten hat viele Ideen für die Zukunft – eine Jazz-Matinee zu veranstalten, ist nur eine davon. Der rege Betrieb am vergangenen Nationalfeiertag zeigt, dass einiges möglich ist. Daneben sorgt allein die Tatsache, dass ein Haus mit Baujahr 1943 stets etwas zu bauen und sanieren gibt, für Beschäftigung innerhalb des 95 Mitglieder zählenden Vereins.

Worin liegt der Charme des Naturfreundehauses?

Ein Wermutstropfen wird kaum wegzuwischen sein: Das Naturfreundehaus muss sich mit in Tanks gesammeltem Regenwasser begnügen, weshalb es keine Duschen gibt. Vizepräsidentin Monika Siegrist bedauert das – im Wissen, dass diese Tatsache einige Leute davon abhält, auf der Rumpelweid zu übernachten. Aber vielleicht sorgt gerade das für den besonderen Charme.

Dem Gasthaus ob Trimbach widmen die Naturfreunde Olten viel Aufmerksamkeit, daneben bleibt trotzdem noch Platz für gemeinsame Wanderungen. Einmal im Monat werden sie durchgeführt, aktuell wandern jeweils rund zehn Personen mit. Weil eher ältere Semester teilnehmen, beschränke man sich vorwiegend auf das Flachwandern. Die Krux dabei: Naturfreunde im reifen Alter können unter der Woche aus dem reichhaltigen Angebot verschiedener Wandergruppen auswählen, weshalb der Andrang bei den Vereinswanderungen am Wochenende dann gering ausfällt. «Hier wollen wir uns etwas einfallen lassen», erklärt Kurt Aerni, seit gut eineinhalb Jahren Präsident der Naturfreunde Olten. Gut möglich, dass der frische Geist, der auf der Rumpelweid Einzug gehalten hat, auch auf den Wanderrouten für neuen Schwung sorgt.