Nachwuchs-DJ
Musik-Leidenschaft in Niedergösgen: Vom Schlagzeugkeller in nur einem Monat zum eigenen DJ-Set im Radio

Die zusätzliche Freizeit wegen der Lockdowns liessen Antonio Renna aus Niedergösgen eine neue Leidenschaft entdecken.

Noël Binetti
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Antonio «Naplesprince» Renna während einem virtuellen Live-Set, gespielt auf Attisholz-Areal, Februar 2021.

Antonio «Naplesprince» Renna während einem virtuellen Live-Set, gespielt auf Attisholz-Areal, Februar 2021.

zvg

Heute Abend um 21 Uhr wird zum zweiten Mal ein DJ-Set von «Naplesprince» über den Äther geschickt. Wer dann den Sender «Virgin Radio Switzerland» einschaltet – oder sich übers Netz in dessen Radioprogramm einklinkt – bekommt eine Stunde lang ein housiges Potpourri elektronischer Beats zu hören.

Mit bürgerlichem Namen heisst «Naplesprince» Antonio Renna. Der 22-Jährige ist im Niederamt aufgewachsen und zur Schule gegangen. Als es um die Berufswahl ging, entschied er sich, eine kaufmännische Ausbildung zu machen. Im Treuhand- und Immobilienbereich gestartet, wechselte er nach der Ausbildung rasch zu einer grossen Schweizer Versicherung. «Was dann passierte, wissen wir wohl alle», sagt Renna am Telefon und meint damit den Frühling 2020, als Corona das internationale Parkett betrat. «Mein Arbeitgeber nimmt die Gesundheit der Angestellten sehr ernst; wir alle wurden ins Homeoffice versetzt», erzählt er rückblickend.

Was diese Umstellung für Antonio Renna bedeutete, sollte sich als Zeitenwende in seiner persönlichen Entwicklung erweisen: «Bis zu diesem Moment bin ich noch nie im Leben vor einem CDJ-Player gestanden», sagt er. Dabei handelt es sich um einen spezialisierten Musikplayer, gewissermassen und neben dem Computer das wichtigste Arbeitswerkzeug eines DJs. «Weil mein Arbeitsweg von einem Moment auf den anderen entfiel, hatte ich plötzlich fast drei Stunden mehr Freizeit täglich», erinnert sich Renna. Der in Italien geborene Niederämter, der gerade in seiner zweiten Heimat in den Ferien weilt, besann sich am Anfang der Pandemie auf seine Jugendzeit: 15 Jahre lang übte er Schlagzeug und verinnerlichte Rhythmik und Motorik. «Plötzlich spielte ich wieder täglich Schlagzeug», erzählt er.

Doch etwas fehlte: «Das Instrument gab mir nicht das Gefühl, vollendete Musik zu spielen. Ich sehnte mich nach Melodik.» Eines Abends im Studio von zwei Kollegen, beides gestandene DJs und in der Szene vernetzt, war es um ihn geschehen:

«Während sie am Auflegen waren, stand ich daneben und schaute genau zu, wie sie vorgingen.»

Er habe verstehen wollen, wie die Abläufe, die Technik aber auch die Software, die dazu nötig ist, funktionierten. «Ich durfte selbst Hand anlegen und bekam von meinen Freunden erste Inputs.» Irgendwie habe das regelrecht geknistert zwischen ihm und diesem Handwerk. Renna ging nach Hause und bestellte am selben Abend ein Einsteigerset, die nötigen Geräte, um mit dem Auflegen anzufangen – so nennt sich das, wenn man elektronische Musik mixt. Das war im letzten November.

Antonio Renna am Auflegen. Seine aktuelle Musik umschreibt er mit dem Genre «Techhouse».

Antonio Renna am Auflegen. Seine aktuelle Musik umschreibt er mit dem Genre «Techhouse».

zvg
«Beim Auflegen konnte ich plötzlich alle rhythmischen Fähigkeiten, die ich mir vorher im Schlagzeugkeller aneignete, mit Melodien und Instrumentals verbinden»,

beschreibt Renna seine neue Liebe. Von Beginn weg investierte er viel Zeit und brachte sich – das meiste davon autodidaktisch und innerhalb kürzester Zeit – die Handgriffe bei. «Heute hat man mit all den Tutorials im Internet so viele Möglichkeiten, wichtige Techniken zu lernen», schwärmt er.

Einen Monat lang feilte er kontinuierlich an seinem Debut-Set. Auf gut Glück sandte Renna den fertigen Mix schliesslich im Dezember an den nationalen Radiosender «Virgin». Renna: «Die veranstalteten gerade Fridaynite in der Winteredition.» Das Format gibt jungen Nachwuchstalenten die Möglichkeit, die Host-DJs der Sendung wie DJ Antoine auf den guten Sendeplätzen und während der Ferien zu ersetzen.

«Drei Stunden später bekam ich vom Programmgestalter der Sendung eine Antwort», erinnert sich Antonio Renna. Und: «Das war für mich ein grosser Moment.» Rennas Set wurde ausgewählt. Nach nur einem Monat Vorbereitung und Einübung in die Technik. «Als ich am Mixen war, spürte ich manchmal Nervosität und Verantwortung; weil das, was ich gerade machte, auch gesendet werden könnte», sagt Renna.

Nach der Sendung wurden Rennas Sets auf Social Media häufiger geklickt. Er feilte weiter an seien Skills, kaufte sich professionelleres Equipment und mietete ein eigenes Studio an.

«Ich habe einiges investiert. Ich weiss, dass ich meine neue Leidenschaft weiter betreiben und darin gut werden will»,

zeigt er sich überzeugt.

Heute Abend ist auf «Virgin» wieder Fridaynite angesagt. «Diesmal Sommeredition», lacht Renna. Er hat es wieder versucht und wurde erneut ausgewählt, um die Etablierten der Szene für eine Stunde zu vertreten. «Das fühlt sich einfach gut an», sagt er. Auf seinen Profilen erhalte er mittlerweile viele Feedbacks. Das sei ihm wichtig. «Mir geht es nicht um den Erfolg, sondern um die persönliche Bereicherung,» beschreibt er sein Flair fürs Auflegen.

Noch setzt Renna voll auf seine Arbeit. Berufsbegleitend absolviert er ein Studium in Betriebswirtschaft, deswegen lebt er auch noch bei seinen Eltern. «Das Studium finde ich spannend und es ist für mich ein guter Ausgleich.» Dennoch hegt er gewisse Vorstellungen: «Es ist mein Traum, einmal ein international bekannter DJ zu werden und davon leben zu können», sagt er.

«Auch wenn das viele wollen, bringt mich das nicht davon ab, daran zu glauben, dass ich es schaffen kann.»

Er habe gelernt, dass man – wolle man etwas erreichen – an der Sache dranbleiben muss.

Das «Naplesprince»-Set läuft heute Abend von 21 bis 22 Uhr auf dem DAB+-Sender «Virgin Radio Switzerland» und kann auch online gehört werden.