Im historischen Restaurant Löwen mitten in Erlinsbach SO ist wieder etwas los. Seit Anfang Februar hat die Dorfbeiz eine neue Wirtin: Eva Merz hat das Restaurant gepachtet. «Wir bieten gutbürgerliche Küche an. Ausserdem hat unsere Bar jeweils am Freitag- und Samstagabend geöffnet», erzählt die in der Region wohnhafte Wirtin.

Für Unterhaltung sorgen der Billard-Tisch, die zwei Dart-Automaten sowie ein Töggeli-Kasten. Diese Neuerungen konnte Merz in den vergangenen zwei Monaten bereits umsetzen. «Die Eröffnung der Gartenbeiz steht noch bevor.» Sie ist Anfang Mai geplant. Merz: «Wir müssen eines nach dem anderen angehen.»

Vorherige Mieter sollen Rechnungen nicht bezahlt haben

Die gebürtige Baslerin übernahm den «Löwen» recht spontan. Das Lokal stand zuvor mehrere Monate lang leer: Im Juli 2018 erhielten die vorherigen Mieter die Kündigung. Laut der Goda Verwaltung AG – sie kümmert sich um die Verwaltung der Immobilie – zahlte das Mieter-Ehepaar keine Mietrechnungen.

Gegenüber dieser Zeitung widersprachen die ehemaligen «Löwen»-Wirte diesen Vorwürfen. Seit August 2018 war die Dorfbeiz wieder ausgeschrieben: für einen Mietpreis von 3450 Franken pro Monat.

Treuhänderin übernimmt «Löwen»

Eva Merz ist keine Unbekannte in der regionalen Gastronomie: «Ich war ein halbes Jahr lang die Wirtin des Restaurant Pintli in Hauenstein-Ifenthal. Im Dezember 2018 haben wir vom Vermieter jedoch die Kündigung bekommen.» Darum habe sie sich nach einem neuen Lokal umgeschaut.

Schliesslich wurde sie mit dem «Löwen» in Erlinsbach fündig. Zusammen mit ihrem ganzen Team bewirtet sie nun hier die Gäste. Zum Kernteam gehört auch der Küchenchef Sacha Schank, der zuvor zehn Jahre lang im Restaurant Blume in Magden AG gekocht hat.

Merz selbst ist eine Quereinsteigerin. «Als Treuhänderin habe ich zwei Unternehmen aufgebaut, die jetzt von Geschäftsführern geleitet werden.» Seit vergangenem Jahr ist sie nun im Gastrogewerbe. Grund für den Wechsel sei die Freude daran, «ein Restaurant zu führen, in dem sich die Leute wohlfühlen». So bezeichnet sie sich denn auch lieber als «Gastgeberin» denn als «Wirtin».

«Ich habe ein Flair für altes Gemäuer»

Mit dem Restaurant Löwen habe sie eine gute Wahl getroffen: «Ich habe ein Flair für altes Gemäuer», sagt Merz. Dass dieses Haus Geschichte habe, spüre man gut.

Tatsächlich: Die Dorfbeiz steht unter kantonalem Denkmalschutz. Im Jahr 1350 wurde der «Löwen» erstmals schriftlich erwähnt. Der Grundriss des Gebäudes stammt aus dem 15. Jahrhundert. 1800 wurde die Liegenschaft dann in Richtung Westen und Süden vergrössert. Ein massiver Umbau fand schliesslich 1983 und 1984 statt.

Denkmalpflege rettet «Löwen»

Die Zweite Liegenschaft AG aus Zug kaufte schliesslich die Liegenschaft. Die Goda Verwaltung AG wollte als Bauherrin den «Löwen» komplett umbauen. Aus der historischen Beiz hätte ein reines Wohnhaus werden sollen.

Die Denkmalpflege wehrte sich gegen das Vorhaben: «Wir erachten es als unerwünscht, die Restaurantnutzung aufgeben zu wollen», schreibt sie in einer Stellungnahme. Man könne einem solchen Umbauprojekt darum nicht zustimmen. Nach einer Überarbeitung des Projekts wurde klar: Der Restaurantbetrieb im «Löwen» wird erhalten bleiben. Im selben Haus werden acht Studios realisiert.

«Das Lokal wurde vermisst»

Dass das Restaurant Löwen während eines halben Jahrs geschlossen war, spürte auch die neue Wirtin Eva Merz: «Wir spüren stark, dass das Lokal in den vergangenen Monaten vermisst wurde.» Das Team sei «sehr zufrieden» mit den ersten Wochen im neuen Betrieb. Merz meint lachend: «Aber natürlich dürfen es gerne noch mehr Gäste werden.»