Im Mai veröffentlichte der «K-Tipp» die Ergebnisse eines Tests, in dem 20 Mineralwasser auf Rückständen von Plastikflaschen, Süssstoffen, Pestiziden und Uran untersucht wurden. Bemerkenswert: Die fünf best bewerteten Mineralwasser stammen allesamt von der Firma Mineralquelle Eptingen AG mit Sitz in Sissach, die in Lostorf und Eptingen Quellen betreibt. Siegerin ist die Marke «Cristella», die in der Lostorfer Quelle gewonnen und verpackt wird.

Fünf Marken der Mineralquelle auf den vordersten Plätzen in der «K-Tipp»-Ausgabe 10/2016 vom 18. Mai.

Fünf Marken der Mineralquelle auf den vordersten Plätzen in der «K-Tipp»-Ausgabe 10/2016 vom 18. Mai.

In den letzten Jahren konnte die Lostorfer Quelle an der Alten Badstrasse jedoch nicht nur Gutes vermelden: Per Ende 2011 kündigte Detailhändler Coop einen Grossauftrag, weil er eigene Quellen gekauft hatte.

Die Folgen für das Sissacher KMU mit 65 Angestellten waren drastisch: Rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes und 90 Prozent des Umsatzes der Quelle in Lostorf gingen verloren. «Vom Jahr 2012 an war es ein steiniger Weg», so Matthias Buchenhorner, der das Unternehmen in der vierten Generation führt. So musste die Firma in der Folge von 83 auf 63 Vollstellen reduzieren.

Grosskunde weg – und dann?

Von einer Standortaufgabe war aber nie die Rede und mittlerweile hat sich das Unternehmen gefangen. «Der Weg, den wir eingeschlagen haben, schien der richtige zu sein», so Damaris Buchenhorner, Leiterin Marketing und Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung. «Wir mussten nach neuen Abnehmern suchen», so Matthias Buchenhorner, der 2009 das Geschäft übernahm, als die Kündigung von Coop gerade ins Haus geflattert kam.

Mit Lidl fanden sie einen Detailhändler, der nach Schweizer Produkten suchte. 2012 war es soweit: Lidl nahm das Wasser «Saguaro» ins Sortiment auf, produziert in der Lostorfer Mineralquelle und beim Test von K-Tipp auf dem fünften Rang.

Heute generiert dieser Auftrag knapp 30 Prozent des Gesamtumsatzes. Doch für das neue Wasser musste in Lostorf eine zweite Quelle erschlossen werden, wie es das Gesetz bei einer neuen Marke vorsieht.

Etwas verärgert bemerkt Geschäftsführer Buchenhorner: «Leider gilt das Gesetz nur für Schweizer Produzenten. Die importierten Produkte dürfen trotz unterschiedlicher Namen aus derselben Quelle stammen.»

Bei der Neuorientierung war es ihnen auch wichtig, zu den Wurzeln von «Eptinger» und «Lostorfer», wie die alte Mineralwassermarke hiess, zurückzufinden. Dies fing beispielsweise beim Etikettendesign an.

Die schnörkeligen Verzierungen aus den 80er-Jahren wurden entfernt und durch das schlichte heutige Design ersetzt. Zudem wurde das Grapefruit-Getränk «Pepita» mit dem charakteristischen Papagei auf grüner Etikette wiederbelebt, an welches sich mehrere Generationen erinnern können. Gerade beim Flaschendesign und beim Internetauftritt wird aber zunehmend auf ein modernes Erscheinungsbild Wert gelegt. «Design ist heute ein sehr wichtiges Kriterium», weiss Damaris Buchenhorner.

Zur Produktlinie gehören neben «Cristella» und «Cristallo» aus Lostorf auch das «Eptinger» sowie zwei Ableger für Spar und Volg.

Abfüllen des Lostorfer Mineralwassers

Abfüllen des Lostorfer Mineralwassers

Doch was ist speziell am Wasser aus Eptingen und Lostorf? Einerseits der Mineraliengehalt, der in Lostorf im oberen Mittelfeld und in Eptingen sehr hoch liegt. Im Test schnitten die Produkte aber hauptsächlich wegen der geringen Schadstoffbelastung gut ab. «Unsere Produkte enthalten praktisch kein Nitrat, kein Arsen und kein Uran», so Damaris Buchenhorner. Die niedrige Schadstoffbelastung liege an der aussergewöhnlichen Tiefe von 514 Metern in Lostorf und 417 Metern in Eptingen, aus der das Wasser gewonnen wird.

Eigene Nische besetzen

Der hohe Mineralienanteil ist in der Vermarktung sehr wichtig. «Das Wasser ist ideal für Leute mit hohem Mineralienbedarf – also für Aktive, Sportliche und Schwangere, sowie laktoseintolerante oder vegan lebende Menschen. Diesen Markt wollen wir mit unseren Produkten abdecken», so Damaris Buchenhorner. Dass es wichtig ist, eine eigene Nische abzudecken, stellt auch Matthias Buchenhorner fest: «Wir sind ein mittleres Unternehmen und können gegen Riesen wie Nestlé nicht bestehen.»

Den Importdruck spürt das Unternehmen auch. Laut Geschäftsführer Buchenhorner liegt der Importanteil bei Mineralwasser bei rund 45 Prozent, da die Produktion im Ausland und der Transport sehr billig sind. «Wir stellen fest, dass die Wertigkeit der Produkte abgenommen hat. Wenn die Leute immer nach dem billigsten Wasser im Regal greifen, haben wir es schwer.» Es sei dann noch knapp möglich, die Kosten auszugleichen.

Umso wichtiger sei es zu betonen, was für einen Mehrwert der hohe Mineralien- und der tiefe Schadstoffgehalt bieten. Bei Letzterem dürfte der «K-Tipp»-Test zumindest vorübergehend helfen: «Der Umsatz ist leicht angestiegen, seit der Artikel im ‹K-Tipp› veröffentlicht wurde. Aber das ist eine Welle, die wohl bald wieder abflacht», so Matthias Buchenhorner.

«Mit» ist beliebter als «ohne»

Entscheidender ist aber beispielsweise das Wetter. «Im Sommer trinken die Leute mehr Mineralwasser», so der Geschäftsführer. Und was ist beliebter, mit oder ohne Kohlensäure? Solches mit, erwidert er, allerdings gewinne Wasser ohne Kohlensäure an Bedeutung. «Die Leute trinken allmählich mehr Wasser pro Tag. Und bei grösseren Mengen wird automatisch mehr zu kohlensäurefreiem Wasser gegriffen», so Buchenhorner.

Hier in Lostorf werden pro Stunde rund 14'000 Flaschen abgefüllt, täglich rund 100'000 Flaschen. In Eptingen sind es weitere 150'000 Flaschen. Allerdings braucht die Umstellung von Sorten oder Flaschengrössen seine Zeit, in der nicht produziert wird.

Das Ehepaar ist sich einig, dass die Reformen seit dem Wegfall des Grossauftrags langsam zu Ende gehen. Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, bleibt aber wenig: Im oberen Stock des Lostorfer Werks ist der Boden sanierungsbedürftig, zudem soll der Platz besser aufgeteilt und genutzt werden.

Seit in Lostorf nicht mehr in Glasflaschen abgefüllt wird, ist eine grosse Anlage für die Reinigung der Flaschen weggefallen. Mit dem Umbau wird demnächst begonnen, in einem guten halben Jahr soll er fertiggestellt sein.