Lachend sitzt Hussein Murktarnur am Tisch, ein rot kariertes Halstuch dicht um die Ohren gewickelt. Das Wetter scheint ihn frieren zu lassen – für den äthiopischen Asylsuchenden ist dies nicht nur der erste Schnee der Saison, sondern seines ganzen Lebens.

Seit einer Woche lebt er im Asylzentrum Täli in Gretzenbach, wo zurzeit noch zehn andere Asylbewerber aus Afghanistan, Sri Lanka, Äthiopien, Somalia und Eritrea zu Hause sind. An der Wand hängt eine Tafel mit wichtigen deutschen Wörtern und Sätzen. Hussein schielt kurz unauffällig zur Tafel, bevor er mit einem freundlichen «Hallo!» grüsst und anschliessend stolz lächelt.

Vor fünf Wochen sind die ersten Bewohner in Gretzenbach eingezogen. Laut Roman Jucker, Zentrumsleiter in Gretzenbach, sei der Betrieb sehr gut angelaufen, Probleme habe es keine gegeben. Dass alles reibungslos verlief, schreibt er dem langsamen Prozess zu – nur alle paar Tage sei ein weiterer Bewohner hinzugekommen, nun sind es nach fünf Wochen insgesamt elf.

Dadurch sei keine Unruhe entstanden, weder bei den Asylsuchenden, noch bei den Anwohnern. Auch hat es von aussen keine Anrufe oder Reklamationen gegeben. «Die Bevölkerung hat die Asylsuchenden bis anhin kaum wahrgenommen, da alles so ruhig und unproblematisch verlief. Das freut uns natürlich sehr», so Jucker.

Ämtliplan und Deutschunterricht

Auch intern läuft alles rund: Die elf Asylsuchenden kommen gut miteinander aus, kochen gemeinsam und lachen zusammen. Auch der Ämtliplan funktioniere mittlerweile reibungslos: «Anfangs mussten wir schon einige Anweisungen geben, denn unter Sauberkeit versteht jeder etwas anderes», lacht Jucker. Mittlerweile seien diese Probleme aber gelöst, jeder halte sich an den Plan. Für die Asylsuchenden wird der Alltag durch ein Beschäftigungsprogramm gestaltet.

Dabei können sie sich an externen Arbeiten beteiligen, die gemeinnütziger Natur sind. Die Arbeit ist für die Bewohner sehr interessant, besonders, weil sie dafür ein Arbeitszeugnis erhalten. Dies soll ihnen später helfen, wenn sie eine Anstellung in der Schweiz suchen.
Weiter erhalten die Asylbewerber zwei Mal wöchentlich Deutschunterricht.

Eine Lehrerin kommt nach Gretzenbach und unterrichtet die elf Männer jeweils eine Stunde und 45 Minuten. «Es ist eine schwierige Sprache, schwieriger als Englisch», sagt Hafizullah Hamnawa, der aus Afghanistan geflüchtet ist.

Trotzdem lernt er die deutsche Sprache fleissig. Dies fällt auch auf, wenn man ihm beim Kochen zuschaut: «Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffel, Tomate», nennt er die Zutaten, welche er nacheinander in die Pfanne gibt. Lediglich die Bohnen machen ihm zu schaffen, doch nach kurzem Spicken auf der Dose fügt er motiviert «und Bohnen!» an.

Der Duft zieht seine Kollegen in die Küche, die ihn bei der Zubereitung des Abendessens unterstützen. Dass die Gastfreundlichkeit grossgeschrieben wird, wird deutlich, als er die Reporterin und den Fotografen zum Essen einladen möchte: «Nur noch 15 Minuten, dann ist es fertig», so der Afghane. Obwohl uns vom Geruch des sich bräunenden Knoblauchs das Wasser im Mund zusammenläuft, können wir leider nicht zum Essen bleiben.

Dankbar für die erhaltene Chance

Hafizullah kocht ein afghanisches Gericht – ein Stück Heimat in seinem kalten, neuen Wohnort. Die Kälte mache ihm aber nichts aus, denn es gefalle ihm in der Schweiz gut. «Die Menschen hier sind sehr nett, das gefällt mir am besten.

Ich bin froh, dass ich hier sein kann», sagt er. Wird er gefragt, ob er an seiner alten Heimat etwas vermisse, erscheint eine ernste Mine in seinem Gesicht. «Nein, gar nichts. Denn in Afghanistan habe ich alles verloren, meine ganze Familie», antwortet er bestimmt, mit einem Blick, der gleichzeitig Trauer und Dankbarkeit ausdrückt.