Lars Kaufmann läuft zum Fussballfeld auf der Sportanlage Ey in Dulliken. Unter dem Arm hat er einen alten Fussball — «er hat ein paar Löcher, mein Hund hat darauf rumgekaut», erzählt der 20-Jährige. In seiner hochgeschlossenen schwarzen Winterjacke wirkt Kaufmann wie ein typischer junger Mann, auf dem Weg zum Fussballtraining.

Öffnet er jedoch die Jacke, kommt eine dunkelblaue Stützweste zum Vorschein. «Die Weste hält meinen Brustkorb zusammen», erzählt Lars Kaufmann. Er wurde vor zwei Wochen am Herzen operiert. Es war seine dritte Herzoperation.

«Zuerst habe ich es ignoriert»

Der Starrkirch-Wiler hatte seit Geburt einen Herzfehler. Vor fünf Jahren wurde dieser geflickt. Ein Jahr später musste er sich erneut unter das Messer legen: Danach schien das Problem behoben. Kaufmann spielte wieder regelmässig Fussball und begann eine Lehre als Plattenleger bei einer Firma in Starrkirch-Wil.

Vor einigen Wochen spürte der 20-Jährige aber plötzlich wieder «Zwischenschläge», die Panik in ihm aufsteigen liessen: «Zuerst habe ich es ignoriert. Ich wollte mich nicht damit befassen. Doch nach einer Weile wurden auch meine Eltern und Freunde darauf aufmerksam und sagten, ich solle das einem Arzt zeigen», erzählt Kaufmann am Küchentisch sitzend. Das könnte ihm das Leben gerettet haben.

Dritte Herzoperation mit 20 Jahren

Die Ärzte entdeckten ein Aneurysma im Herz. «E grosse Bole», wie Kaufmann sagt. Eine Ausbuchtung der Herzwand, wie die Ärzte sagen. Platzt diese, besteht akute Lebensgefahr. Für Kaufmann bedeutete dies: Die dritte Herz-OP wurde angesetzt.

Nach eineinhalb Stunden war der Eingriff im Universitätsspital Zürich vorbei. Einige Stunden später wachte Kaufmann mit starken Schmerzen auf. «Sie mussten mir mehrmals Morphin spritzen.» Auch jetzt — zwei Wochen nach der Operation — kommt er kaum ohne schmerzlindernde Medikamente aus. Und seine Beine sind wegen der Spritzen mit Blutverdünnermedikamenten mit blauen Flecken übersät.

«Ich kann nachts nicht gut schlafen»

Drei Monate lang ist der Lehrling krankgeschrieben. Bewegen darf er sich nur beschränkt. Ruhig sitzen liegt Lars Kaufmann eigentlich nicht. Er war schon als Kind ein Wildfang: «Ich hatte schon drei Hirnerschütterungen, einen gebrochenen Arm, ein Loch im Kopf und eine Hirnhautentzündung.»

Die Narbe von der Herz-OP reicht vom Schlüsselbein runter bis zum unteren Ende des Brustkorbs. Kaufmann muss Tag und Nacht die enge Stützweste tragen. «Ich kann nachts nicht gut schlafen, denn ich darf nur auf dem Rücken liegen.» Darum müsse er sich auch tagsüber immer wieder hinlegen.

Die Zeit vertreibt sich Kaufmann mit Fernsehschauen und Telefonieren mit Freunden. «Ich gehe auch oft raus und mache kleine Spaziergänge.» Allerdings müsse er schauen, dass der Weg nicht allzu steil sei. «Sonst bin ich sofort ausser Atem», sagt der Verteidiger bei der ersten Mannschaft des FC Dulliken.

Er hat zwei Ziele vor Augen

Der Verzicht auf seinen Lieblingssport Fussball fällt dem jungen Mann schwer. Er ist frustriert: «Vor der Diagnose lief gerade alles sehr gut. Ich stand kurz vor dem Lehrabschluss und war auf gutem Weg zu einem Stammplatz in meiner Mannschaft.» Sein Team spielt in der 2. Liga inter — eine Stufe unter der 1. Liga.

Ob Lars Kaufmann jemals wieder mit seinen Fussballkollegen auf dem Platz stehen wird, ist unklar. Noch wissen die Ärzte nämlich nicht, warum sich beim jungen Mann ein Aneurysma entwickelt hatte. Für gewöhnlich kommt das fast ausschliesslich bei Patienten im Alter von über 75 Jahren vor.

Kaufmann will aber nicht aufgeben. Er schaut nach vorne: Nach zwei Monaten Schonzeit darf er mit Physiotherapie beginnen. Ab Ende Januar ist leichtes Training möglich. Läuft die Genesung nach Plan, könnte Kaufmann bereits im Sommer für die nächste Fussballsaison wieder auf dem Platz auflaufen. Und er könnte die praktischen Prüfungen für den Lehrabschluss hinter sich bringen. «Das sind meine Ziele», sagt Kaufmann, während er den Fussball in seinen Händen dreht.