Arbeit mit Händen

«Meine Lehrjahre sind zu Ende»: Trimbacherin will altes Handwerk wieder beleben

Shoshana Huber hat die Fassade selber neu verputzt.

Shoshana Huber hat die Fassade selber neu verputzt.

Shoshana Huber aus Trimbach versucht, Handwerkstechniken wiederzubeleben. Ihre Erkenntnisse wendet sie am eigenen Haus an.

Diese Mauern haben schon viele Winter erlebt. Seit 1668 steht das ehemalige Bauernhaus an der Baslerstrasse 251 in Trimbach. Es handelt sich um ein «Studhuus», das auf drei Pfeilern ruht. «Wir dachten immer, es sei 1784 erbaut worden, aber eine neue Analyse der Holzbalken ergab, dass es viel älter ist», erklärt Shoshana Huber (32). Die Maschineningenieurin ETH wohnt darin mit ihrer Mutter. Im Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht, haben sich Spuren der Zeit erhalten. Kachelöfen heizen einige der Zimmer, andere bleiben den Winter durch kalt. Huber macht das nichts aus, sie fühlt sich wohl.

Wer ihr gegenübersitzt, trifft auf eine junge Frau, die vor Energie sprüht, rasch redet und auch mal vom Stuhl aufspringt, um eine Yogastellung vorzuzeigen. Dass sie in der Region Basel aufwuchs, ist bis heute an ihrem Dialekt hörbar, auch wenn sie mittlerweile in Trimbach verwurzelt ist. Drei Jahre habe sie nach dem Studium als Ingenieurin gearbeitet, sei viel in der Welt herumgekommen. «Die Arbeit hat mir gut gefallen», sagt sie. Aber wirklich erfüllt fühlte sie sich dadurch nicht.

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Von klein auf in Werkstätten und auf Baustellen gewohnt

«Mein Vater war Maurer, ich habe sozusagen von klein auf in Werkstätten und auf Baustellen gewohnt», meint Huber lachend. Mit ihm zusammen restaurierte sie einen Ofen und fing an, sich für Bauhandwerk zu interessieren, vor allem für alte Techniken wie Hafnern und Verputze aus Kalk. Als ihr Vater vor drei Jahren starb, bedeutete dies einen grossen Wendepunkt. «Die Planung eines Projektes übernahm immer er, ich musste mir dies zuerst selbst beibringen.»

Huber hat sich viel Wissen autodidaktisch angeeignet. «Ich fragte alte Handwerker, wie sie früher gearbeitet haben, oder lese in historischen Büchern.» Vor ihr auf dem Tisch liegt ein Nachdruck über Dachdecken von 1875. «Man muss sich durch die Frakturschrift kämpfen, aber der Wissensgewinn ist enorm.»

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Sie will nun Grösseres anpacken

Huber ist eine Frau mit ganz geschickten Händen. Ob sie ein Auto repariert, eine alte Maschine wieder in Gang bringt oder einen Kalkverputz zusammenmischt, ihren Händen kann sie vertrauen. So mischte sie kürzlich ihre eigene Leinölfarbe.

Huber will nun Grösseres anpacken, ihre «Lehrjahre» seien nun zu Ende, freut sich die handwerkliche Allrounderin. Ein selbstgemaltes Transparent auf der Strassenseite listet ihre Angebote auf, wie zum Beispiel ein Gartenhäuschen bauen, Holztüren behandeln oder alte Öfen funktionstüchtig machen. Doch Tabus gibt es auch für Huber: «Sanitär oder Elektrisches fasse ich nicht an.»

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Bei der Preisgestaltung nimmt sie Rücksicht auf die Möglichkeiten ihrer Kunden: «Ich offeriere nicht pauschal. Wer wenig Geld hat, bezahlt weniger, hilft mir vielleicht dabei mehr.» Diese Art des Kalkulierens hat Huber vorläufig als «einjähriges Wirtschaftsprojekt» ausgelegt.

Autark leben als «ganz, ganz fernes Ziel»

Hinter dem Haus breitet sich der wilde Garten aus. Huber, die auch schon einen Sommer lang auf einer Alp verbracht hat, lebt nahe an der Natur. Sie erntet die Früchte ihrer Obstbäume, dörrt sie im selbst gebauten Solar-Dörrofen und zieht eigenes Gemüse. «Autark leben, ist ein ganz, ganz fernes Ziel», bekennt Huber. Aber sie auch gerne mit Menschen zusammen, weshalb ihr die Einsamkeit eines Älplerinnenlebens auf die Dauer nicht zusagen würde.

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Dass nicht alle Menschen so leben wollen wie sie, stört sie nicht. «Ich mache niemandem Vorschriften, weil er oder sie Konsum toll findet.» Ein weiteres Standbein von Huber sind Yoga, Pilates und Lauftraining.

«Secklen tut einfach gut!» Sie gibt Unterricht für Einzelpersonen und Gruppen. Ruhig wird die quirlige Trimbacherin nur an ihrer Werkbank. Wenn der Garten nicht mehr so viel Arbeit gibt, kann sie dort wieder nach Herzenslust «tüftle».

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