Seit knapp 17 Jahren ist das Lostorfer Thermalbad geschlossen. Im Rahmen ihrer Maturarbeit untersuchte Sophia Hostettler die Gründe für das Scheitern des Badebetriebs. «Ich habe schon früh bei der Themenfindung überlegt, etwas zu machen, das mit meinem Wohnort zu tun hat», erklärt die Lostorferin. Schnell kam sie auf das Bad Lostorf.

Sie kennt es noch von früher — als Kind ging sie dort ins Babyschwimmen. Ausserdem wurde sie mit den Gruselgeschichten gross, die man sich über das Bad erzählt. «Es soll angeblich ein Fluch auf dem Bad liegen, weil eine Statue der heiligen Madonna aus der Badkapelle entwendet worden sei», erzählt Hostettler. Welche Probleme der derzeitigen Situation tatsächlich vorangingen, analysiert die 19-Jährige in ihrer 53-seitigen Arbeit samt Anhang.

Bad Lostorf scheint vom Pech verfolgt zu sein

Zum Beginn ihrer Recherche stiess Hostettler im Dorfmuseum auf eine Ausstellung über das Thermalbad. Neben Gesprächen mit Lostorfern diente ihr das Museum als erste Anlaufstelle. Im Archiv der Stadtbibliothek Olten und bei Privaten sammelte sie Artikel dieser Zeitung, die sie als Quelle verwendete.

Konkret ging sie der Frage nach, was die betrieblichen Probleme ausgelöst und was sie bis zur Schliessung weiter verstärkt hatte. Als Auslöser identifizierte sie finanzielle Probleme, die bis in die 1960er-Jahre zurückreichten. «Wegen der grossen gesellschaftlichen Verankerung des Thermalbads schenkte man den betriebswirtschaftlichen Realitäten zu wenig Beachtung. Das Bad hatte nicht die Erlaubnis, zu scheitern», stellt die Maturandin fest.

Ein Grossbrand im Jahr 1966 verstärkte die Probleme. Und beim Neubau 1971 bestanden finanzielle Schwierigkeiten, woraufhin man die Wohnungen im Stockwerkeigentum verkaufte. Auch in den Folgejahren wurde das Bad vom Pech geplagt.

«Es wäre nicht hoffnungslos gewesen»

Dass die Firma Aqua-Spa-Resorts AG mit ihren Plänen vor rund zehn Jahren scheiterte, liege daran, dass nicht alle Stockwerkeigentümer mit dem nötigen Dienstbarkeitsvertrag einverstanden waren. «Es wäre nicht hoffnungslos gewesen, aber die Struktur des Stockwerkeigentums ist derzeit nicht mit einem Badebetrieb vereinbar», folgert Hostettler.

Ihre Maturarbeit stiess auf offene Ohren. Am vergangenen Samstag hielt Hostettler ihre Präsentation an der Kantonsschule Olten in einem vollen Raum. «Gerade von Leuten aus dem Dorf habe ich viele positive Rückmeldungen bekommen», so die Lostorferin. Auch sie selbst lernte viel Interessantes dazu: Vorher sei ihr nicht bewusst gewesen, wie weit die Probleme des Bads zurückreichten.

Drohnenflug über Bad Lostorf

Drohnenflug über Bad Lostorf

«Geschichte ist nie lückenlos, das macht es ja spannend»

Ihre eigenen Erwartungen an die Arbeit habe sie übertroffen: «Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viele spannende Informationen finden würde.» Sie sieht ihre Arbeit aber auch kritisch. Beispielsweise könnten Interviews mit involvierten Personen noch weitere Erkenntnisse hervorbringen. «Aber Geschichte ist nie lückenlos, das macht es ja spannend», erklärt Hostettler, die im Laufe ihres Arbeitsprozesses von ihrem Geschichtslehrer Patrick Grob betreut wurde. Insgesamt schätzt sie ihren Arbeitsaufwand auf rund 100 bis 120 Stunden ein — das Entwickeln der Fragestellung nicht miteinberechnet.

Nach der Matur im Schwerpunktfach spanische Sprache und Literatur startet sie im Sommer ein eineinhalbjähriges Praktikum bei einer Bank. «Auch in meiner Arbeit haben mich vor allem die Zahlen und das Wirtschaftliche interessiert», erzählt die Maturandin. Dies ist der fundierten Arbeit anzumerken.