Corona als Muse
Lostorfer freut sich, seine Werke auch in der aktuellen Zeit präsentieren zu dürfen

Der Maler Jürg Meyer präsentiert am Wochenende in der «Kulturgarage» in Lostorf seine Werke. Diese entstanden fast alle während der Coronakrise.

Daniel Kaspar
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Jürg Meyer stellt seine Werke während der kommenden zwei Tage in der «Kulturgarage» aus.

Jürg Meyer stellt seine Werke während der kommenden zwei Tage in der «Kulturgarage» aus.

Bruno Kissling

Seit dem Lockdown Mitte März hat Jürg Meyer jeden Tag mit Bleistift eine Skizze gemacht, weil er sein Haus in Mahren bei Lostorf kaum noch verlassen hat. Diese hat er dann fotografiert, auf dem Handy eine farbige Zeichnung daraus erstellt und auf Facebook veröffentlicht. Aus den über 150 Skizzen hat er danach einige ausgewählt und auf grössere Formate übertragen.

In einem leerstehenden Anbau der Migrol-Tankstelle kann Jürg Meyer nun an diesem Wochenende seine Werke präsentieren, die grösstenteils während der Coronakrise entstanden sind. Weil der geplante Tankstellenshop wegen der Pandemie bisher nicht umgesetzt wird, ist der Raum noch nicht fertig saniert. Das stört den Künstler allerdings nicht. So kämen die Bilder sogar besser zur Geltung, meint er. Wie kam er zu diesem Raum, den er kurzerhand in «Kulturgarage» umbenannt hat? Dies habe sich einfach so ergeben, da er als ehemaliger Lehrer gute Kontakte im Dorf pflege und dieser Raum freigestanden sei, sagt er.

Seine Werke entstehen auf Flies, welches er danach auf einen Karton klebt und einrahmt. Inklusive Rahmen messen diese 60 mal 80 oder 70 mal 100 Zentimeter. Zwei Werke sind vor der Coronakrise entstanden. Alle anderen, die in der Ausstellung präsentiert werden, sind in der Zeit ab dem 16. März bis jetzt gemalt worden. Dies wird mittels einer Puppe, auf welcher die jeweiligen Daten der Zeichnungen markiert sind, ersichtlich.

Im Mittelpunkt steht der Mensch

Während des landesweiten Lockdowns haben sich Meyer und seine Frau an die Empfehlungen des Bundes gehalten. Das Haus haben sie nur noch selten verlassen. Dass dies einem Menschen, der Seinesgleichen um sich haben muss, auf die Stimmung schlagen kann, ist bekannt. So bekundete auch der pensionierte Lehrer kurzerhand Probleme mit dem zu Hause bleiben und schaute vermehrt in die Ferne.

«Leer, es war einfach leer», umschreibt der Künstler eine Szene, welche er zu dieser Zeit erlebt hat, obwohl Meyer eigentlich ein positiv eingestellter Mensch ist. «Menschen und besondere Situationen haben mich schon immer fasziniert», sagt Meyer, welcher vor 50 Jahren mit dem Malen begonnen hat. Alltägliche Szenen der Frühjahrsstimmung in der Schweiz haben den Künstler für seine Werke inspiriert. «Der persönliche Kontakt zu meinen Mitmenschen fehlte mir sehr», erklärt er.

«Wenn ich mit Malen beginne, arbeite ich jeweils, bis das Bild fertig ist. Sobald das Werk unterschrieben ist, ist es fertig. Dann werde auch nichts mehr verschlimmert», so der Maler. Die Entstehung eines Bildes unterteilt Meyer in drei Phasen. Im ersten Drittel sei es schön, im zweiten Drittel versuche man es zu verbessern und zum Schluss mache man es erst recht «kaputt».

Ausstellung mit Schutzkonzept

Der Coronapandemie gewinne er auch etwas Positives ab, sagt der Künstler: Die Besucherinnen und Besucher könnten die Bilder in seiner Ausstellung in Ruhe betrachten und die Stille auf sich wirken lassen. Da dieses Jahr viele Veranstaltungen abgesagt werden mussten, ist das bis auf weiteres die einzige Möglichkeit, Meyers Werke ausserhalb seines Ateliers zu bestaunen. «Mir ist es ein Anliegen, die Zeichnungen und Malereien auch in der aktuellen Zeit präsentieren zu dürfen.»

Er freue sich stehts auf die Reaktionen der Besucherinnen und Besucher. Während der zweitägigen Ausstellung gebe es ein Schutzkonzept. Das bedeutet, dass sich zusammen mit Jürg Meyer vier weitere Personen im Ausstellungsraum aufhalten dürfen. Im Raum gilt Maskenpflicht. Zur vollen und halben Stunde finden Besucherwechsel statt.

Hinweis

Die Ausstellung in der «Kulturgarage» an der Hauptstrasse 12 in Lostorf findet statt am Samstag, 5. Dezember, und Sonntag, 6. Dezember, durchgehend von 10 bis 17 Uhr. Anmeldungen nimmt Jürg Meyer unter Telefon 076 543 04 58 entgegen.