Der kleine Raum unter dem alten Schulhaus füllt sich stetig. Gemeindepräsident Christian Bachofner und Gemeindeschreiber Beat Gradwohl tragen mehr Stühle herbei, damit alle 73 Stimmberechtigten einen Sitzplatz haben. Das Interesse ist aussergewöhnlich gross, trotz der kurzen Traktandenliste.

«Bei der Rechnungsgemeindeversammlung sind normalerweise 20 Stimmberechtigte anwesend», sagt Bachofner. Heute steht aber, neben der der Jahresrechnung, der Grundsatzentscheid über den Erwerb der christkatholischen Kirche auf der Liste.

Soll sie oder soll sie nicht?

Bei diesem Grundsatzentscheid sind die Details noch nicht bekannt. Man weiss aber, dass die Gemeinde nicht nur die Kirche, sondern auch das Kirchgemeindesäli, der Friedhof und das umliegende Land kaufen will. «Der Gemeinderat sieht diese Liegenschaften und die angrenzenden Grundstücke als Ensemble, die nur zusammen funktionieren», sagt Bachofner. Beim Pfarrhaus sieht er aber kein übergeordnetes öffentliches Interesse, dieses zu erwerben. Denn für ein Wohnhaus gäbe es immer Kaufinteressenten, bei einer denkmalgeschützten Kirche sei das nicht so.

Der Gemeinderat schätzt den Kaufpreis auf 200'000 bis 250'000 Franken. Was gemäss Gemeindeordnung bedeutet, dass er die Liegenschaft und das umliegende Grundstück auch ohne Zustimmung der Gemeindeversammlung hätte erwerben können.

Die Gemeinde hat die Verantwortung

Der Gemeindepräsident macht aber in der Präsentation dieses Geschäfts deutlich, diese Kirche habe für die Gemeinde eine wichtige historische Bedeutung. Die Gemeinde habe daher eine Verantwortung, die Kirche zu unterhalten. Der Gemeinderat schlägt vor, die Kirche in Zukunft für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen. «Wir würden uns wünschen, dass dieser Betrieb von einer privaten Trägerschaft aus dem Dorf übernommen wird und es kein Gemeindekulturbetrieb wird», sagt Bachofner.

Der Plan mit dem Grundriss der Liegenschaft ist an die Wand projiziert und ohne zu zögern, kommen die ersten Wortmeldungen. Man will wissen, wie viel das Pfarrhaus denn kosten würde; wie viel der Unterhalt der Kirche kosten würde; ob nicht der Kanton auch finanzielle Unterstützung leisten kann. Bachofner beantwortet die Fragen, muss aber eingestehen, dass die Detailzahlen noch nicht feststehen. Auch wisse er nicht, wie viel das Pfarrhaus im Detail kosten würde, aber es sei ein Vielfaches dessen, was die Gemeinde für den Rest zahlen will.

Fragen über Fragen

In der weiteren Diskussion wird die Situation des denkmalgeschützten Pfarrhauses immer wieder aufgegriffen. Ob es denn nicht doch besser sei, auch dieses Gebäude zu kaufen? Wie kann man verhindern, dass nicht ein unliebsamer Käufer dieses Gebäude erwirbt? Entgehen der Gemeinde nicht lukrative Mieteinnahmen?

Mitten in der Diskussion schaltet sich der Gemeindeschreiber ein und sagt, dass der Unterhalt für das denkmalgeschützte Gebäude die Mieten übersteigern würden. «Dies wäre eindeutig ein Defizitgeschäft für die Gemeinde», mahnt Gradwohl. Ein kritischer Bürger merkt an, dass es nicht die Aufgabe der Gemeinde sei, sich als Immobilienhändlerin zu engagieren. Viele Köpfe nicken. «Doch wie kann man sicherstellen, dass das Pfarrhaus nicht in die Hände einer russischen Oligarchin gerät?», fragt ein Anwohner scherzend. Bachofner verspricht auf diesen Einwand, ein sogenanntes Vorkaufsrecht für die Gemeinde zu verhandeln.

Gemeinde kauft das «Ensemble»

Dass die Kirche zum Kulturraum werden soll, stiess auf allgemeine Zustimmung. Bachofner betont, man brauche dafür noch Parkplätze und zeigt auf eine schraffierte Fläche zwischen dem Pfarrhaus und der Bumelochstrasse, wo in Zukunft Autos stehen sollen.

Die Abstimmung fällt positiv für den Kauf des «Ensemble» aus. Nur zwei der anwesenden Stimmberechtigten sprechen sich gegen diesen Kauf aus.

Jahresrechnung mit Überschuss

Nach dieser Abstimmung haben die Starrkirch-Wiler schon fast vergessen, dass zu Beginn der Versammlung die Jahresrechnung 2018 einstimmig verabschiedet haben und diese auch noch detailliert präsentiert wurde.

Abschliessend informiert der Gemeindepräsident über laufende Geschäfte nämlich über den Stand der Ortsplanungsrevision und die Sanierung der Hardstrasse. Um 21.45 Uhr wird dann der Apéro eröffnet. «Ich bin zufrieden, dass wir die Gemeindeversammlung von unserer Arbeit überzeugen konnten», sagt der Gemeindepräsident und gönnt sich ein Bier in der lauen Sommernacht.