Däniken

Jäger schiesst Reh neben dem Wohnquartier: Gefahr für Anwohner oder alles rechtens?

Neben dem Quartier Neu-Bern: Ein Jäger schoss ein Reh, das sich abends am Waldrand (rechts) aufhielt.

Im Quartier Neu-Bern in Däniken herrschte vergangene Woche Unruhe: Gleich neben der Siedlung wurde ein Reh geschossen. Die Anwohner wurden vorgängig nicht über die bevorstehende Jagd informiert.

Plötzlich fiel ein Schuss. Die Bewohner des Quartiers Neu-Bern in Däniken erschraken. Einige traten raus auf ihre Balkone, andere begaben sich auf die Quartierstrasse. Der Schuss wurde von einem Jäger abgegeben. «Es war am Montagabend um 21.45 Uhr», erzählt Peter Hochuli.

Schon länger weiss der Anwohner von den Rehen, die im kleinen an das Quartier angrenzenden Waldstück leben. «Seit etwa zwei Jahren sehe ich sie dort immer wieder. Sie fühlen sich scheinbar recht sicher, denn sie kommen häufig auf die grosse Wiese zwischen der Siedlung und dem Waldstück», sagt der Däniker auf Anfrage. Hochuli beobachtete in den vergangenen Wochen auch einige Jäger, die die Wildtiere beobachteten. Noch sei aber kein Reh geschossen worden. Bis vergangene Woche.

«Es sei nichts passiert, meinten die Polizisten»

Der Vorfall schlägt Wellen. So berichtet auch die Gratiszeitung «20 Minuten» darüber. Der Grund: Während der Jagd war eine Spaziergängerin mit ihrem Hund im Wald unterwegs. «Ich bin ziemlich erschrocken, hatte aber zuerst keine Ahnung, woher der Schuss kam», sagt die Quartierbewohnerin gegenüber «20 Minuten». Auf dem Rückweg habe sie – ebenso einige andere Anwohner – zwei Jäger in der Nähe der Siedlung gesehen. Sie hätten vom Boden aus geschossen. Das Reh wurde getroffen.

In der Zwischenzeit alarmierte Peter Hochuli die Kantonspolizei Solothurn. Als die Beamten vor Ort waren, wollten die Anwohner Anzeige gegen die Jäger erstatten. Die Polizisten weigerten sich laut Hochuli aber, diese aufzunehmen. «Es sei nichts passiert, meinten sie zu uns», so Hochuli. Die Spaziergängerin erstattete am Folgetag selbst Anzeige auf dem Polizeiposten.

Laut Polizei liegt kein Straftatbestand vor

Auf Anfrage bestätigt die Polizei den Vorfall: Eine Bewohnerin aus Däniken habe angegeben, durch einen Schuss eines Jägers gefährdet worden zu sein. «Abklärungen der Polizei ergaben, dass am Abend in der Tat eine Jagd stattfand. Allerdings nicht dort, wo sich die Frau aufhielt, sondern weit davon entfernt auf einem Feld. Es kam zu keiner Gefährdung von Personen», teilt die Polizei mit.

Bei der Jagd handelt es sich laut der Polizeisprecherin um eine bewilligte Sommerbock-Jagd. Die entsprechenden Vorschriften und Bestimmungen seien eingehalten worden. «Es liegt kein Straftatbestand vor.»

«Wir haben keine offizielle Mitteilung erhalten»

Anwohner Hochuli sagt zu dieser Zeitung: «Ich finde das Jagen nicht grundsätzlich schlecht. Es geht mir einfach darum, dass die Jäger nicht so nah am Quartier schiessen dürfen. In dem Waldstück gehen die Leute regelmässig spazieren.» Ausserdem seien sie nicht informiert worden über die bevorstehende Jagd.

Auch Gemeindepräsident Matthias Suter, der im Quartier Neu-Bern wohnt, sagt: «Eine offizielle Mitteilung des Jagdvereins haben wir nicht erhalten.» Er sei am besagten Abend nicht zu Hause gewesen. Die Rehe habe er aber auch mehrmals gesehen. «Jeweils früh am Morgen und abends in der Dämmerung kamen sie auf die Wiese», sagt Suter. Ein Jäger habe ihm gegenüber auch mal erwähnt, dass sie vermutlich irgendwann den jungen Bock schiessen müssten.

Klärendes Gespräch suchen

Bei diesem Jäger handelte es sich um Urs Leuenberger: Als Präsident des Jagdvereins Hashubel ist er zuständig dafür, die Bevölkerung zu informieren. Leuenberger weiss vom Vorfall am 1. Juli. «Wir werden nun interne Abklärungen treffen. Ich will keine Mutmassungen anstellen», sagt der Däniker. Er selbst habe sieben Anwohner des Quartiers Neu-Bern persönlich Anfang Mai über die geplante Jagd informiert. «Ich war auch einige Male vor Ort, hatte aber nie die Gelegenheit, den jungen Bock zu schiessen», sagt er auf Anfrage.

Der Jagdverein Hashubel und der Leiter des Jagdreviers Däniken werden in den kommenden Wochen mit den beteiligten Jägern das Gespräch suchen. Die Kantonspolizei teilt ausserdem mit, dass sie den Kontakt zur Jagdgesellschaft vermittelt habe. Diese habe den Anwohnern ein klärendes Gespräch angeboten.

Meistgesehen

Artboard 1