Gretzenbach

Investitionen bescheren der Gemeinde Neuverschuldung – drohen bald Sparmassnahmen?

Die Sanierung des Meridian-Flachdachs schlägt im Investitionsbudget mit 275'000 Franken zu Buche.

Die Sanierung des Meridian-Flachdachs schlägt im Investitionsbudget mit 275'000 Franken zu Buche.

In den kommenden Jahren muss die Gemeinde ihr Investitionsvolumen drosseln – weitere Sparmassnahmen sind nicht ausgeschlossen.

Der Gretzenbacher Gemeinderat verabschiedet das Budget 2018 mit einem unerfreulichen Aufwandüberschuss von 249'360 Franken zuhanden der Gemeindeversammlung vom 4. Dezember. Er folgt in seinen Beratungen vollumfänglich den Empfehlungen der Finanzkommission, welche aufgrund der ungenügenden Ertragslage und der hohen Investitionen in den letzten drei Jahren eine deutliche Drosselung der künftigen Investitionen verlangt.

Der Cashflow erreicht nur 232'890 Franken und deckt die Abschreibungen im Umfang von 482 250 Franken nicht mehr. Dank eines (noch) stabilen Steuerertrages von 8 Mio. Franken kann ein grösseres Defizit vermieden werden. Der Sachaufwand wurde zusammen mit den Kommissionen von 2,05 Mio. Franken um 2,6 Prozent auf 1,996 Mio. Franken gekürzt. Die übrigen Kostenbereiche steigen teilweise deutlich an, zum Beispiel die Personalkosten um 247 950 Franken (plus 6,1 Prozent), hauptsächlich infolge höherer Pensen an der Schule aufgrund steigender Schülerzahlen. Gleichzeitig reduziert sich der Beitrag aus dem Finanzausgleich um 62'500 Franken und die Abschreibungen steigen um 24'000 Franken aufgrund der anhaltend hohen Investitionen. Diese belaufen sich auf 2,9 Mio. Franken, was zu einem Finanzbedarf von 2,6 Mio. führt. Damit steigt die Pro-Kopf-Verschuldung auf knapp 1700 Franken.

Skontosatz sinkt auf 1 Prozent

Aufgrund der aktuellen Zinssituation und der äusserst günstigen Refinanzierungskonditionen wird der Skontosatz für die Vorauszahlung der provisorischen Steuern 2018 von bisher 2 auf 1 Prozent gesenkt. Dadurch ergeben sich tiefere Zinskosten, welche das Budget um 41'000 Franken entlasten. Der Jahreszins für die Steuerpflichtigen liegt damit immer noch bei 1,5 Prozent, also deutlich über den üblichen Sparzinsen von zirka 0,05 bis 0,5 Prozent.

Dringende Investitionen

Das Investitionsbudget 2018 zeigt – wie in den beiden Vorjahren – einen massiven Investitionsbedarf von 2,924 Mio. Franken inklusive der zweiten Finanzierungstranche der neuen regionalen Wasserversorgung unteres Niederamt (ÖRU WVuN) von 623'000 Franken. Die durchwegs als nötig und dringend eingestuften Investitionsvorhaben betreffen insbesondere die Sanierung der Bielackerstrasse inklusive Werkleitungen im Umfang von 1,39 Mio. Franken. Dann muss das undichte Flachdach Meridian für 275'000 Franken und die linksufrige Kanalisation am Gretzenbach für 480'000 Franken saniert werden. Die Ortsplanrevision ist mit 255'000 Franken umzusetzen, wovon die erste Tranche von 57'500 Franken im Budget 2018 enthalten ist. Daneben müssen kleinere Investitionen in Anschaffungen der Feuerwehr (45'000 Franken) und in ein Vorprojekt zur Sanierung des alten Schulhauses 1896 (5000 Franken) vorgenommen werden. Sodann sind die Gemeindeanteile von 48'700 Franken an drei Kantonsprojekten (Strassen und Hochwasser) zu finanzieren. Mangels genügendem Cashflow beträgt der Selbstfinanzierungsgrad nur noch 8 Prozent, was zu einer Neuverschuldung von 2,6 Mio. Franken führt.

Kleine Betriebsverluste

Während bei den Spezialfinanzierungen Wasser (-28'900 Franken) und Abwasser (-44'100 Franken) infolge gestiegenem Abschreibungsbedarf kleine Betriebsverluste resultieren, zeigt die Abfallbeseitigung ein positives Ergebnis (+6050 Franken). Insgesamt weisen die drei Spezialfinanzierungen positive Cashflows von 115'250 Franken und Eigenmittel von 1,540 Mio. Franken aus. Das Investitionsvolumen erreicht allerdings hohe 1,449 Mio. Franken (ohne ÖRU WVuN).

Verschuldung wächst

Der Finanzplan 2019 bis 2023 zeigt generell ungenügende Ergebnisse, welche nicht ausreichen, um die hohen Abschreibungen zu decken. Die grossen Investitionen der Jahre 2016 bis 2018 von insgesamt 6,5 Mio. Franken (siehe Grafik unten) lassen die Verschuldung auf knapp 2000 Franken pro Einwohner anwachsen und die Kennzahlen verschlechtern sich. Sollte sich die Lage auf der Steuerertragsseite tatsächlich verschlechtern, wären weitere Sparmassnahmen unumgänglich. Die Investitionen sind in den nächsten Jahren auf jeden Fall auf das absolut Notwendige zu reduzieren.

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