Geschäft läuft

Im Wohnmobil durch die Pandemie: Niederämter Händler spürt den Aufschwung

Schon vor Corona war die Nachfrage gross: Martin Banz verkauft, repariert und vermietet in Dulliken Wohnmobile

Schon vor Corona war die Nachfrage gross: Martin Banz verkauft, repariert und vermietet in Dulliken Wohnmobile

Ein Händler aus dem Niederamt spürt die landesweite Aufrüstung bei Wohnmobilen – und baut seine Mietflotte aus. Ein neuer Verein setzt sich ein für mehr Stellplätze.

Bei den Asphalt-Campern herrscht Aufschwung. Deren Gefährte tragen Namen wie «Sky Wave», «L!ve Traveller» oder «Matrix Axess». Das Versprechen lautet: Maximale Unabhängigkeit. Aktuell sorgen Wohnmobile bei Händlern und Vermietern für reissende Absatzzahlen – auch für einen Händler aus dem Niederamt. Unzählige wollten die Sommerferien wegen Corona in den eigenen vier Wänden verbringen – aber unterwegs. Denn im Wohnmobil bummelt es sich maskenfrei durch Haarnadelkurven über Passstrassen.

Für Martin Banz läuft es gerade ziemlich gut. Er ist Geschäftsführer der WoFaTec GmbH in Dulliken. Das Zwei-Mann-Unternehmen verkauft und vermietet, repariert und wartet Wohnmobile. Die Miet-Flotte ist überschaubar. Drei Modelle stehen zur Auswahl: «Sophie», «Mona» und «Cooper». Zwei Fiats und ein Renault. Alle sind bis Ende Herbst ausgebucht. Wird Banz seine Mietflotte nun ausbauen? «Ja, das ist unser Plan.»

Schon im Frühling lief das Geschäft gut an. «Insgeheim haben wir damit gerechnet», sagt Banz. Lockdowns und Corona-Wellen sorgten für massenhaft Stornierungen von Flügen. Das Reisen in der mobilen Ferienwohnung war plötzlich angesagter denn je. Schon vor der Krise war die Branche hierzulande auf Wachstumskurs. Auch andere Anbieter verzeichnen gute Umsätze, Grosshändler von Wohnmobilen sind zum Teil ausverkauft.

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Boom wird weiter anhalten

Banz geht davon aus, dass der aktuelle Boom weiter anhalten wird. Auch im nächsten Jahr werden Ferien von Corona geprägt sein. Das Buchen von Flügen wird verbunden sein mit Unsicherheit. Das verschafft der WoFaTec neue Kundschaft. Viele würden zuerst ein Wohnmobil mieten. So werde geprüft, ob diese Reiseform einem zusagt. Banz sagt, es gebe im Camperleben immer etwas zu tun: «Man kann nicht einfach zurückliegen und den Service geniessen wie im Hotel, erst wenn alles eingerichtet ist.

Banz hält für möglich, dass einige ihr neues Wohnmobil auch wieder abstossen werden. «Vielleicht gelangen bald schon Occasionen auf den Markt, die aus einem überstürzten Kauf stammen.» Eine aktuelle Bewegung sieht Banz bei der Ausstattung: Modelle mit einer Trocken-trenn-Toilette sind gefragt. Diese kommen ohne Wasser und zusätzlicher Chemie aus.

Viele Apps und Websites

Der Kanton Uri habe den Mangel an Stellplätzen erkannt und während den letzten Monaten neun offizielle Stellplätze neu geschaffen. «Es tut sich langsam was», sagt Banz. Es gebe heute viele Apps und Websites, auf denen offizielle, aber auch halblegale Stellplätze ausgewiesen sind. Oft sei das Parkieren über Nacht nicht gestattet. Wenn keine Reparaturen anstehen, können die Mietfahrzeuge – nach drei Stunden für die Reinigung – an die nächsten Benutzer übergeben werden. Banz empfiehlt für Hauptsaison und Schulferien im nächsten Jahr, bereits jetzt zu reservieren. Sonst könne es eng werden. In der Nebensaison finde sich immer noch ein Fahrzeug.

Bei der WoFaTec beträgt die Miete für ein komplett ausgestattetes Wohnmobil in der Hauptsaison 1’400 Franken in der Woche, Versicherung und gefahrene Kilometer inklusive. Im Winter ist das gleiche Modell für 990 Franken verfügbar. Die Preise für ein neues Fahrzeug beginnen bei 55’000 Franken und gehen aufwärts bis zu einer Million Franken. Gefragt nach Wohnmobilen mit elektrischen Antrieben sagt Banz: «Es gibt erste Versuche dazu.» Doch das benötige noch Zeit. Hauptproblem sei das hohe Gesamtgewicht. Ein Wohnmobil weise schon ein Eigengewicht von bis zu über drei Tonnen auf. Ein zusätzlich schweres Akkupack liege da nicht drin.

Region Olten Tourismus bestätigt Mangel an Stellplätzen

Stefan Ulrich ist Geschäftsführer von Region Olten Tourismus. Er weiss, dass Reisende im Wohnmobil den Hotels keine Logiernächte bescheren. Doch er hält fest: «Man darf sie trotzdem nicht unterschätzen.» Wenn solche Gäste hier einen Tag verbringen, sorgen sie in der Gastronomie und auch beim lokalen Gewerbe für Umsatz. Ulrich glaubt, dass Wohnmobil-Touristen regelmässig gerne auswärts essen. «Es sind zusätzliche Besucher für die Region.» Sie nutzen die Angebote in der Stadt, besuchen die Museen oder beispielsweise den Schriftstellerweg. Zudem seien es oft interessante Leute, dass sorge für Abwechslung. Die Menschen, die hier anhalten und eine gewisse Zeit verbringen, transportieren die Erlebnisse in ihre Heimat und verbreiten sie dort weiter.

Ulrich sagt: «Olten fehlen leider Stellplätze und weitere Infrastrukturen.» Solche waren im Vorstand von Region Olten Tourismus und im Gespräch mit der Stadt bereits Thema. Das Anliegen sei schon vor der Corona-Krise erkannt worden, habe sich nun aber noch einmal deutlicher abgezeichnet. Es handle sich schliesslich um eine politische Frage und sei am Schluss eine Sache der Gewichtung und Priorisierung. Region Olten Tourismus verweise bei Anfragen von Leuten in Wohnmobilen regelmässig auf die Campingplätze in der Umgebung: In Aarburg und Solothurn, sowie am Burgäschisee. Es sei nicht möglich, sagt Ulrich, mit Infrastruktur versehene Stellplätze von heute auf morgen aus dem Boden zu stampfen. «Wenn der Trend anhält werden wir uns für dieses Anliegen einsetzen.»

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