Schönenwerd

«Ich bin ein Kindernarr!»: Der Samichlaus ist dankbar für alle Darbietungen

Der Samichlaus und sein Schmutzli dürfen dieses Jahr keine Besuche abstatten.

Der Samichlaus und sein Schmutzli dürfen dieses Jahr keine Besuche abstatten.

Der Samichlaus der Römisch-katholischen Pfarrei Schönenwerd muss wegen der Pandemie pausieren, was ihn sehr betrübt.

Ein schlimmes Jahr, dieses 2020, auch für den Samichlaus (Name der Redaktion bekannt). «Ich kann dieses Jahr die Kinder nicht besuchen, Corona verhindert meinen gewohnten Gang in die Stube», erklärt ein hörbar betrübter Samichlaus am Telefon. Gerne wäre er wieder in der Dämmerung zusammen mit seinem Begleiter Schmutzli losgezogen. «Als Pfarreiklaus bin ich zwar mittlerweile pensioniert», sagt der Mann mit dem weissen Bart und lacht. «Privat besuche ich aber noch einige Anlässe.»

Rund 20 Jahre lang kehrte er am 6. Dezember in den Schönenwerder Haushalten ein. Wie es dazu kam, daran kann er sich selbst nicht mehr richtig erinnern. «Ich hatte einfach Freude an dieser Tätigkeit und machte sie jedes Jahr erneut sehr gerne.» Sein Bischofsgewand mit dem Krummstab und der Bischofsmütze geben eine würdige Erscheinung ab. «Ich habe auch noch ein Kostüm für den Weihnachtsmann, aber das trage ich nur selten. Ein richtiger Samichlaus ähnelt dem Bischof Nikolaus von Myra.»

Der Samichlaus ist für Kinder bis zum Kindergartenalter eine unhinterfragte Autoritätsperson, so seine Erfahrung: «Danach kippte es meistens, und ich werde erkannt.» In Familien mit mehreren Kindern versuchte er, für die jüngeren einen glaubwürdigen Auftritt zu gestalten: «Teilweise wussten die älteren Kinder, dass ich nicht nur als Samichlaus im Dorf anzutreffen bin. Aber sie verhielten sich meistens mustergültig und verrieten mich nicht.

Und wenn doch, dann genügte ein ernster Blick, und Stille kehrte ein», erinnert er sich. Kinder zu bestrafen, sei nicht sein Ziel gewesen: «Ich war ein lieber Samichlaus!» Niemals hätte er ein Kind in den Sack gesteckt und fortgetragen. «Angst wollte ich nicht verbreiten, stattdessen Freude!» Sein Begleiter, der Schmutzli, leerte nach seiner Rede zu den Kindern die Geschenke aus: «Die Augen der Kleinen glänzten dann besonders!»

Der Esel hat Angst vor Autos und wartet im Wald oben

Besonders interessierten sich die Kinder für seinen Esel, den er aber nie dabeihatte. «Ich sagte ihnen, dass er Angst vor Autos habe und daher oben im Wald auf mich und den Schmutzli warten würde, bis wir von unserer Runde zurück seien.»

Nicht alle Besuche waren jedoch von Heiterkeit begleitet: «Ein Bub war todkrank. Er wollte unbedingt, dass ich ihn besuche. Also ging ich hin. Die ältere Schwester wusste zwar, dass es in Wirklichkeit keinen Samichlaus gab, spielte aber voll mit.» Für den Samichlaus bleibt dieses Zusammenkommen unvergessen: «Der Bub hatte eine grosse Freude. Ein paar Wochen später starb er. Daran denke ich heute noch.»

Unpersönlich per Video?

Vor dem Besuch gaben ihm die Eltern Stichworte zum Verhalten der Kinder, die er in einem dicken Buch aufbewahrte. «Der Samichlaus bestätigt die Erziehungsmethoden der Eltern», umreisst er seine Haupteigenschaft. Bewertet wird, was das Kind im Lauf des Jahres gut oder weniger gut gemacht hat. «Ein immer wiederkehrendes Thema war zum Beispiel das Aufräumen des Zimmers. Auch das Streiten mit Geschwistern kam oft vor.» Dieses Jahr sollen nun Samichläuse per Videobotschaft in die Stuben übertragen werden. Für den Schönenwerder Samichlaus eine ambivalente Sache: «Einerseits muss etwas stattfinden, der Brauch gehört dazu. Aber so unpersönlich per Video? Ich hoffe, man kann sich später wieder treffen.»

Bei einigen Besuchen kam es vor, dass Mütter und auch Grossmütter hie und da dreinredeten, wenn er einem Kind dessen (Fehl-)Verhalten erklären wollte. Das war für den Samichlaus weniger schlimm, als wenn die Familie gar kein Interesse zeigte. «Leider kam es vor, dass der Vater einfach weiter Fernsehen schaute, während ich in der Stube stand. Das tat mir dann weh für Mutter und Kind.» Dankbar war er für Darbietungen: «Wenn mir ein Kind ein Gedicht oder ein Liedlein vorgetragen hat, freute mich das immer», sagt der Samichlaus und bekennt: «Ich bin ein Kindernarr!»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1