Gretzenbach
Abschied des Gretzenbacher Gemeindepräsidenten – nach 12 Jahren im Amt

Daniel Cartier hatte an der Gemeindeversammlung von Gretzenbach einen letzten grossen Auftritt in seiner Funktion als Gemeindepräsident.

Beat Wyttenbach
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Daniel Cartier tritt an seiner letzten Gemeindeversammlung als Gemeindepräsident zusammen mit seinen Kindern Anelle, Fabrice und Jeanne (v.l.) auf.

Daniel Cartier tritt an seiner letzten Gemeindeversammlung als Gemeindepräsident zusammen mit seinen Kindern Anelle, Fabrice und Jeanne (v.l.) auf.

Beat Wyttenbach

66 Stimmberechtigte hatten sich am Montagabend in der Turnhalle in Gretzenbach eingefunden, um den nach zwölf Jahren abtretenden Gemeindepräsidenten Daniel Cartier und weitere Gemeindefunktionäre zu verabschieden. Cartier selbst holte zusammen mit seinen Kindern den musikalischen Auftakt nach, den er eigentlich schon für die Budgetgemeindeversammlung im letzten Dezember geplant hatte. Dieser fiel Corona-bedingt aus. Daniel Cartier (E-Gitarre) intonierte mit seinen Kindern Jeanne (E-Piano und Vocals), Anelle (E-Gitarre und Vocals) sowie Fabrice (Perkussion) Stücke von ABBA, Shaniah Twain und einen Song über die Soul-Legende Marvin Gaye. Die Darbietungen lösten viel Applaus bei den Versammelten aus.

«Gern gesehener Diskussionspartner»

Der Vizepräsident der Gemeinde, Walter Schärer, hielt die Laudatio, in der er Cartier als «gern gesehenen Diskussionspartner» bezeichnete, der mit seiner «unverkennbaren humoristischen Art» die Leute für sich gewinnen konnte, speziell bei den Seniorenausflügen- und Nachmittagen.

Positiv wertete er dessen Einsatz für die Überbauung «Lismeracker» und streifte dabei die Projekte, die Cartiers zwölfjährige Amtszeit geprägt hatten und die Cartier in seinem Dank und Rückblick ebenfalls erwähnte: Die Sanierung der Köllikerstrasse, die neue Wasserversorgung, die Ortsplanungsrevision oder die Einführung des Ressortsystems. Tiefpunkt war sicher die Debatte rund um die nicht realisierte Asylunterkunft «Täli», die den Gemeindepräsidenten und den Gemeinderat «an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht hat», wie es Schärer ausdrückte.

Daniel Cartier war zwölf Jahre lang Gemeindepräsident von Gretzenbach.

Daniel Cartier war zwölf Jahre lang Gemeindepräsident von Gretzenbach.

Bruno Kissling (Archiv)

Gemeindeschreiberin Andrea Walder-Flury würdigte Cartier in bewegten Worten als «Familienmenschen», welcher der Verwaltung stets vertraut hat und den Angestellten viele Freiheiten liess.

«Mit ihm konnte man Pferde stehlen»,

meinte sie. Verabschiedet wurde zudem Gemeinderat Christoph Wernle, und für je 16 Jahre Behördentätigkeit geehrt wurden der Präsident der Baukommission, Hansjörg Merz, Baukommissionsmitglied Sabine Schertenleib sowie Gemeinderat Kurt Spielmann.

Die Rechnung präsentiert sich Dunkelrot

Es mussten aber auch noch die ordentlichen Geschäfte behandelt werden. Haupttraktandum war die Verwaltungsrechnung 2020, die bei einem Aufwand von rund 13,5 Millionen Franken und einem Ertrag von rund 12,8 Millionen Franken mit einem Defizit von 0,689 Millionen Franken abschloss; budgetiert war ein Aufwandüberschuss von 0,289 Millionen Franken. Trotz der Steuererhöhung von 115 auf 118 Prozentpunkte bei den natürlichen und juristischen Personen vor anderthalb Jahren. Gründe für das hohe Defizit machten Gemeinderat Kurt Spielmann und Finanzverwalter Michael Hüsler bei den Mehraufwendungen in der Allgemeinen Verwaltung wegen des Abgangs des früheren Finanzverwalters und der damit verbundenen Interimslösung, der Gesundheit sowie bei der Sozialen Sicherheit aus.

Auch der budgetierte Steuerertrag von rund 8,5 Millionen Franken wurde um rund 250'000 Franken unterschritten. Darüber hinaus lagen die Nettoinvestitionen mit rund 3,3 Millionen Franken um das mehr als Zehnfache über dem Budget (0,319 Millionen Franken). Zu erwähnen sind verzinsliche Darlehen für Investitionen, die Erneuerung von Abwasserleitungen, die Erschliessung und die Reparatur von Gemeindestrassen sowie Kosten für die Ortsplanungsrevision. Bei einem Cash-Drain (Verlust an Liquidität) von 0,164 Millionen ergibt dies einen Finanzierungsfehlbetrag von rund 3,5 Millionen Franken.

Das Eigenkapital der laufenden Rechnung verringert sich um rund 0,6 Millionen auf noch rund 0,8 Millionen Franken. Der Souverän stimmte der Rechnung 2020 grossmehrheitlich zu, ebenso der Jahresrechnung samt Jahresbericht 2020 der Wasserversorgung Unteres Niederamt (Anteil Gestehungskosten für Gretzenbach: 0,112 Mio. Franken).

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