Niedergösgen

Gestank, zu viel Lastwagenverkehr und Papierfetzen: Papierfabrik Model AG nervt die Anwohner

Wenn es stark windet, finden die Anwohner häufiger Papierfetzen in ihren Gärten. Der Grund: Ein Grossteil des Altpapiers wird draussen gelagert (rechter Bildrand).

Die Nachbarn der Papierfabrik Model AG in Niedergösgen beschweren sich über mehrere Vorkommnisse. Das Unternehmen bietet nun Lösungen an.

Die Model AG liegt auf dem Inseli in Niedergösgen – mitten im Industriegebiet. Dort wird Wellkartonpapier auf Recyclingbasis hergestellt. Nun sorgt die Papierfabrik, die seit 2009 im Besitz der international agierenden Model-Gruppe ist, aber für Unruhe im Dorf.

Der Gemeinderat von Niedergösgen begrüsste darum in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien den Betriebsleiter Michael Wilms. Er sollte über den Stand der Arbeiten informieren. Mit dem Fokus auf drei Themen: die Geruchsbelästigung, das Littering-Problem und der Lastwagenverkehr.

Neun Millionen für neue Kläranlage

Seit längerer Zeit beschweren sich immer wieder Anwohner über die Geruchsemissionen. Weil auf dem Gelände der Model AG eine eigene Kläranlage steht, ist der Gestank für die Niedergösger störend.

Wilms sagt auf Anfrage: «Die Geruchsemissionen sind 2018 deutlich verringert worden, durch den Neubau der Abwasserreinigungsanlage.» Diese bedingte Investitionen von neun Millionen Franken.

Gestank-Hotline wird kaum genutzt

Im März 2017 begannen die Bauarbeiten. Beim Neubau handelt es sich laut der Model AG um ein geschlossenes und geruchsfreies Klärwerk. «Zudem wurden Aktivkohlefilter in die Kanaldeckel verbaut», so Wilms. Derzeit strebe das Unternehmen die zweite Ausbaustufe an. Deren Umsetzung sollte ab Mitte bis Ende 2020 erfolgen.

Ausserdem richtete die Model AG eine Notruf-Telefonnummer ein: Tag und Nacht können sich die Anwohner melden, die Anrufe gehen direkt an den Schichtleiter. Bisher werde das Hotline-Angebot aber nicht rege genutzt.

Bevölkerung soll mithelfen

Ein weiteres Problem sind herumfliegende Plastik- und Papierfetzen: Dies komme bei starkem Wind vor, da etwa 7000 Tonnen Papier im Hof der Papierfabrik lagern. «Ausserdem ist unser System überfordert, da das Altpapier immer stärker verunreinigt ist. So fallen Abfälle vom Transportband und können weggeweht werden.» Um dies zu verhindern, würden derzeit mehrere Varianten geprüft.

Wilms appelliert aber auch an die Niedergösger: «Eine mögliche Sofortmassnahme ist, dass die Bevölkerung sortenreine Anlieferungen gewährleistet, indem sie Altpapier ohne Plastikverunreinigungen in die Papiersammlung gibt.»

Klares Ja zum Standort Niedergösgen

Zuletzt stören sich die Anwohner am regen Lastwagenverkehr auf den Strassen zur Papierfabrik. Die Model AG habe bereits mehrere Verbesserungen eingeleitet, so etwa ein neues Leitsystem, durch das sämtliche Lastwagen in der Anlage geführt würden.

Betriebsleiter Wilms betonte zum Schluss der Sitzung, dass die Model AG klar Ja sage zum Standort Niedergösgen. Dies würden auch die grossen Investitionen zeigen: Über 105 Millionen Franken habe das Unternehmen bereits ausgegeben. Weitere Investitionen über rund 77 Millionen Franken seien in Planung. «Ziel ist es, die Produktionskapazität zu erhöhen. Dafür müssen vorher gewisse Anpassungen gemacht werden», so Wilms. Dazu gehört etwa der Gesamtausbau der Fabrik: Im Herbst 2018 wurde das leerstehende Holländerhaus, wo früher die Kartonfabrik zu Hause war, abgerissen. An seiner Stelle soll ein neues Altpapier-Lager entstehen, das den Platz besser ausnutzt.

Der Gemeinderat zeigt sich zufrieden über die Ausführungen der Model AG. «Wir wünschen uns aber, dass die Bevölkerung laufend orientiert wird.» Dies bestätigt Wilms. Künftig würden die Niedergösger quartalsweise einen Newsletter erhalten.

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