Den Grundsatzentscheid hatten die Gemeindeversammlungen von Gretzenbach und Schönenwerd im letzten Dezember gefällt: Im Gretzenbacher Aarefeld, in Sichtweite des Kernkraftwerks Gösgen, wird ein neues, regionales Grundwasserpumpwerk gebaut. Dieses wird das frühere Pumpwerk im Schönenwerder Spitzacker ersetzen, das wegen des Baus des Eppenbergtunnels im April 2015 stillgelegt werden musste. Seither beziehen Schönenwerd, Gretzenbach und der Ortsteil Eppenberg das Wasser aus Aarau.

Jetzt wird aus der Planung Realität: Auf den 1. Januar 2017 wollen die beiden Gemeinden ein gemeinsames Unternehmen gründen, das dieses grosse Pumpwerk baut und betreibt. Die Statuten des Öffentlich-rechtlichen Unternehmens (ÖRU) Wasserversorgung Unteres Niederamt sind von beiden Gemeinderäten beraten worden, sie werden im Dezember den Gemeindeversammlungen vorgelegt.

Anteile im Verhältnis 2:1

Die Gemeinde Schönenwerd wird sich mit 67 Prozent beteiligen, Gretzenbach mit 33 Prozent. Im Vorstand wird Schönenwerd drei Vertreter stellen, Gretzenbach zwei. Unter dem Vorbehalt der Genehmigung der Statuten haben die Gemeinderäte folgende fünf Personen gewählt: Aus Gretzenbach Gemeindepräsident Daniel Cartier und Hansjörg Merz (Präsident der Baukommission und Präsident des Bauausschusses für das Pumpwerk); aus Schönenwerd Gemeindepräsident Peter Hodel, Gemeinderat Röbi Gilgen (Ressort Bau, Planung, Werke) und Jörg Amsler (Mitglied Bauausschuss Pumpwerk).

Der Vorstand wählt die Betriebsleitung, stellt das Personal an und legt den Stellenplan fest. Das Personal wird öffentlich-rechtlich angestellt. Der Vorstand erstellt ein Geschäfts- und ein Personalreglement.

Feinverteilung bleibt bei Gemeinden

Das neue Unternehmen wird nicht nur das neue Pumpwerk bauen und betreiben, sondern alle primären Wasserversorgungsanlagen beider Gemeinden übernehmen. Dazu gehören das neu zu bauende Reservoir Föhren in Schönenwerd, das bestehende Stufenpumpwerk Schachen in Schönenwerd sowie die Verbindungsleitungen Aarau bis Schachen, Schachen bis Föhren, Aarefeld bis Föhren und Kirchenfeldstrasse Gretzenbach bis Höhefeldstrasse Schönenwerd, mit allen Wassermessschächten an diesen Verbindungsleitungen.

Aufgabe der ÖRU Wasserversorgung Unteres Niederamt ist die Beschaffung des Grundwassers, dessen Aufbereitung, Transport und Speicherung. Sie verkauft das Wasser an die angeschlossenen Gemeinden. Diese bleiben für die Feinverteilung an die Kunden zuständig und behalten die dafür nötigen Leitungen und Anschlüsse, die sogenannten sekundären Wasserversorgungsanlagen.

Gemeinderäte machen das Budget

Nach den Statuten entscheiden die beiden Gemeinderäte über das Budget der ÖRU. Die Gemeindeversammlungen erhalten das Budget nur zur Kenntnis. Für die Genehmigung sind 70 Prozent der Gemeindeanteile nötig, sodass Schönenwerd mit seinen 67 Prozent das Budget nicht allein festlegen kann. Einen ersten Finanzplan für die Jahre 2017 bis 2012 werden die Gemeinderäte bereits im Oktober beschliessen. Den Gemeindeversammlungen wird jeweils im Sommer die Jahresrechnung der ÖRU zur Genehmigung vorgelegt.

Mit dem Budget werden die Gemeinderäte auch über die grossen Investitionen entscheiden. Diese stehen bald bevor: Der Bau des Reservoirs Föhren für voraussichtlich brutto 4,2 Mio. Franken ist ab Mitte 2017 bis Ende 2018 vorgesehen; das Grundwasserpumpwerk Aarefeld für brutto 4,5 Mio. Franken soll ab 2018 gebaut werden und bis Ende 2019 betriebsbereit sein.

Menge und Qualität stimmen

Die erweiterten Pumpversuche dieses Sommers im Aarefeld sind erfolgreich verlaufen, wie Hansjörg Merz vom Bauausschuss im Gemeinderat Schönenwerd mitteilte: Die notwendige Fördermenge von 10 000 Litern pro Minute ist möglich, das Grundwasser ist von einwandfreier Qualität. Eine Infiltration von Aarewasser findet nicht statt. Das Wasser vom Aarefeld weist eine deutlich geringere Wasserhärte auf als jenes vom früheren Pumpwerk Spitzacker.