Obergösgen

Gemeindearbeiter «Fosi» ist Gärtner, Handwerker, Förster und Mechaniker in einem

Als Werkhofangestellter kümmert sich Stefan «Fosi» Huber um die vier gemeindeeigenen Fahrzeuge.

Als Werkhofangestellter kümmert sich Stefan «Fosi» Huber um die vier gemeindeeigenen Fahrzeuge.

Stefan Huber sorgt seit 25 Jahren als Werkhofangestellter für Ordnung in Obergösgen – und das ganz alleine. Nun, kurz von seiner Pensionierung, berichtet er über seine Erlebnisse.

Ticktack. Oben ist es 3 Uhr. Etwas weiter rechts schlägt die Wanduhr 12.30 Uhr. Darunter steht der Zeiger irgendwo zwischen 9 und 10 Uhr. Das Ticken erfüllt den offenen Raum. Über 20 Uhren – gross, klein, eckig, rund, farbig angemalt oder aus Holz – hängen in der Garage des Werkhofs in Obergösgen. Der Raum wird als Unterstand für die vier Fahrzeuge, als Pausenraum, Sitzungszimmer, Beizlifest-Veranstaltungsort und Büro genutzt. Es ist das Reich von Werkhofmitarbeiter Stefan «Fosi» Huber.

Welche Uhr gerade die richtige Uhrzeit anzeigt, das kann der Gemeindeangestellte nicht sagen. «Manchmal stimmen sie, manchmal nicht.» Ein besonderes Faible für Uhren habe er nicht. Vielmehr reue es ihn, wenn er die noch funktionierenden Wanduhren im Altmetall-Container entdeckt. «Dann setze ich eine neue Batterie ein und hänge sie hier auf», sagt Huber und bietet den Gästen eine Tasse Kaffee an. Ebenso wie die sechs Bürostühle, die um den grossen Tisch herumstehen, stammt die Kaffeemaschine aus dem Abfall. «Die war sogar noch in der Originalverpackung.»

«Hier redet mir niemand rein»

Den Raum bezeichnet Huber liebevoll als «Sitzungszimmer». Sofort fügt er mit einem Grinsen an: «Für Sitzungen mit mir alleine.» Denn seit 25 Jahren ist er der einzige Mitarbeiter des Werkhofs am Chäsiweg. Und das ist dem 63-Jährigen recht: «Hier redet mir niemand rein. Und die Arbeit ist jeden Tag eine andere.»

Als Huber im Alter von 39 Jahren die Stelle angetreten hatte, wusste er schon: Diesen Job will er bis zur Pension machen. Der gelernte Schreiner und Lastwagenfahrer berichtet denn auch begeistert über seine Arbeit in seiner Heimatgemeinde. «Ich bin alles», sagt Huber.

Damit meint er, der ein Mann der wenigen Worte ist: An einem Tag ist er Förster oder Gärtner; am nächsten schlüpft er in die Rolle des Handwerkers; kurz darauf ist er Mechaniker. «Und ich muss immer ein offenes Ohr für die Bevölkerung haben», so Huber. Seine Chefs seien denn auch die Obergösger selbst: «Die sagen mir schon, was ich zu tun habe», scherzt er.

Huber kämpft gegen Littering

Sein Arbeitstag beginnt immer um 7 Uhr morgens. Nachdem er den illegal abgestellten Abfall vor dem Tor des Werkhofs verräumt hat, macht er sich etwa auf den Weg zu den Abfallfässern am Aareufer. Die muss er regelmässig leeren, besonders jetzt im Sommer. «Littering ist schon ein grosses Problem», meint Huber. Da habe er eine deutliche Veränderung in den vergangenen Jahren bemerkt. Umso mehr begrüsst der Werkhofangestellte die Neugründung des Vereins «Öisi Aare Niederamt», der sich eben um diese Thematik kümmert.

Die strengste Zeit für Huber ist der Winter. Von November bis März muss er 24 Stunden pro Tag und sieben Tage die Woche erreichbar sein – wegen Schnee und Eis. Da sei er immer parat, Ausgang oder Ferien gebe es nur selten in diesen Monaten.

Dennoch gefällt Huber die kalte Jahreszeit. Denn: «Schnee schnüüze, das mache ich am liebsten. Dann sitze ich im warmen Fahrzeug, höre Radio und fahre alleine durch die Dunkelheit.» Was er hingegen gar nicht gerne mache, sei das Leeren der Robidog-Kübel. «Das stinkt», sagt Huber und rümpft die Nase.

Befreundet mit dem Gemeindepräsidenten

In Obergösgen ist Stefan Huber ein Original. Jeder kennt ihn: Die Schulkinder grüssen ihn, die Erwachsenen fachsimpeln mit ihm über die Begrünung der Rabatten. Gemeindepräsident Peter Frei weiss viele Anekdoten über ihn zu erzählen: «Ihn kann man immer anrufen, wenn man ein Problem hat, und er kommt und hilft.» Er sei «einfach ein totlieber Kerl», der für seinen Job lebe.

Jeweils ein Mal pro Monat trifft sich «Fosi» mit dem Breuseler-Kochclub aus Obergösgen.

Jeweils ein Mal pro Monat trifft sich «Fosi» mit dem Breuseler-Kochclub aus Obergösgen.

Doch Huber ist nicht nur aufgrund seines Jobs bekannt. Sondern auch wegen seiner Hobbys: 1980 war er Mitgründer der Guggenmusik Chüeltormschränzer – zusammen mit dem Gemeindepräsidenten. Mehrere Jahre spielte der Sohn eines Dirigenten Bass und Horn; jetzt ist er im Wagenbau-Team. Dann ist Huber auch Mitglied des Obergösger Breuseler-Kochclubs, der sich ein Mal pro Monat trifft.

Darum heisst Huber auch «Fosi»

Früher war er zudem im Turnverein aktiv. Von dort komme auch sein Spitzname: «In der Muppet Show gab es den ‹Fozzie Bear›. Die anderen Turner meinten zu mir, das sei doch ich», sagt «Fosi» und fährt sich schmunzelnd durch den Vollbart. Dass er den amerikanischen Schauspieler Bud Spencer als Vorbild bezeichnet, kommt also nicht von ungefähr.

«Fosi» war im Turnverein. Im August 1999 erschien ein Bericht über das Faustball-Turnier in der Zeitung – mit einem Foto von Stefan Huber.

«Fosi» war im Turnverein. Im August 1999 erschien ein Bericht über das Faustball-Turnier in der Zeitung – mit einem Foto von Stefan Huber.

Noch zwei Jahre lang bleibt Huber dem Werkhof erhalten. Er freut sich auf die Pensionierung. Denn in der noch übrigen Freizeit kümmert sich «Fosi» auch um zugelaufene Katzen, er fliegt mit seinen Modellhelikoptern über die Felder, er schraubt an seinem Piaggo-Dreirad oder am VW-Doppelkabine-Bus herum und er werkelt an seinem Elternhaus, einem alten Bauernhof an der Dullikerstrasse. Huber sagt: «Langweilig wird mir also bestimmt nicht.»

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