Fischen ist nicht nur eine Sommerangelegenheit: Gerade jetzt, im November, wird beispielsweise abgefischt. So nennt sich die Praktik, bei welcher junge Fische aus den sogenannten Aufzuchtbächen herausgeholt, also abgefischt, und in grössere Gewässer, den Hauptgewässern, ausgesetzt werden. Damit sind die Fischereivereine in der Region derzeit beschäftigt. So auch der Fischereiverein Olten und Umgebung (FV), der am Rande von Trimbach eine Fischzuchtanlage betreibt.

Die Fische, die sich derzeit in den dortigen Becken tummeln, werden allerdings nicht ausgesetzt. Sie werden ausschliesslich für die Aufzucht verwendet. Derzeit sind es um die 300 bis 400 Forellen, die die Fischzuchtanlage in Trimbach als ihre Heimat betrachten können. In drei Becken schwimmen die erwachsenen Tiere, in einem weiteren die 500 Jungen.

Erstellt wurde die Zuchtanlage 1968, damit die Jungfische nicht mehr von extern beigezogen werden mussten, erklärt Christian Dietiker, der Präsident des Fischereiverbandes des Kantons Solothurn (SOKFV). Bereits damals hat sich der FV auf die Fahne geschrieben, der einheimische Forellenbestand zu erhalten und zu stärken. Derzeit kümmern sich sechs Mitglieder des Vereins um die Anlage.

Christian Dietiker zeigt, mit welchen Geräten die Forellen abgefischt werden.

   

Gleiches Ziel seit 50 Jahren

Nach dem Abfischen im Herbst beginnt das Aufzuchtjahr von neuem: In den Wintermonaten werden die Forellen in der Zucht gestreift. Das bedeutet, dass bei den Weibchen die reifen Eier sanft in ein kleines Becken gestreift werden, wo sie mit dem Samen der männlichen Forelle befruchtet werden. Danach werden die befruchteten Eier in einem grösseren Becken, durch welches stets Frischwasser fliesst, aufgelegt. Jene Eier, die bei der Befruchtung unbefruchtet bleiben, werden später von den Vereinsmitgliedern mit einer Pinzette täglich aus dem Becken aussortiert.

Nach sieben bis acht Wochen, je nach Wassertemperatur, schlüpfen die kleinen Forellen, sogenannte Brütlinge. Sie verbringen weitere drei Wochen in den Becken der Fischzucht, ohne dass sie gefüttert werden, denn der Brütling kommt mit einem Dottersack auf die Welt, der ihm für circa vier Wochen Nahrung liefert. Dann werden sie in Aufzuchtbäche ausgesetzt. «Das sind kleinere Bäche, in denen es weniger Frasfeinde, wie zum Beispiel grosse Raubfische oder fischfressende Vögel hat. Die grösseren Flüsse und Seen werden Hauptgewässer genannt», erklärt Dietiker. Ein Aufzuchtbach in der Region ist etwa der Erlinsbacherbach. Als Hauptgewässer zählt die Aare.

Ein halbes Jahr bleiben die Forellen, jetzt Sömmerlinge genannt, in diesen Bächen. Im Herbst, also in diesen Tagen, werden sie abgefischt, um sie in die Hauptgewässer auszusetzen. Darin liegt die Problematik, mit welcher sich die Fischer im Kanton Solothurn derzeit befassen: «Die Sömmerlinge sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht fähig, den Frasfeinden, speziell dem Gänsesäger oder Kormoran, im Hauptgewässer auszuweichen», erläutert Dietiker. Dies habe grosse Verluste der Forellenpopulation zur Folge. Aus diesem Grund beabsichtige man, die Sömmerlinge zukünftig ein Jahr länger in den Aufzuchtbächen zu lassen und sie erst im Alter von anderthalb Jahren in die grösseren Gewässer auszusetzen.

Das Ziel der Aktion ist das gleiche wie vor 50 Jahren. Der Erhalt der Bachforelle in der Region. Denn: «Sie ist die Königin der Fische», sagt Christian Dietiker und streicht auch den Unterschied zum Fischereiwesen von damals hervor: «Der Fischer weiss heute, dass ein gesunder Fisch im Gewässer besser aufgehoben ist als in der Pfanne.»