Auf dem Parkplatz des Kernkraftwerks sieht man schon von Weitem die roten Feuerwehrfahrzeuge stehen. Doch nirgends brennt es, das merkt man an den vielen Feuerwehrmännern und -frauen, die entspannt in Gruppen miteinander reden. Auch der Zivilschutz hat einen Pavillon auf dem Platz aufgestellt. Hier soll in Kürze die Übung «Riesenrad» beginnen.

«Bei der Übung Riesenrad nehmen elf Parteien teil», sagt der Co-Übungsleiter Markus Baltermi vom Regionalen Führungsstab Niederamt (RFSN). Den Namen der Übung habe man gewählt, da es viele Posten seien und jeder Posten sei wie eine Kabine auf einem Riesenrad. Während der Übung werden die Teilnehmer die Stationen im Kreis besuchen. Diese wurden vom Zivilschutz, den einzelnen Feuerwehren des Niederamts und der Betriebsfeuerwehr des Kernkraftwerks Gösgen vorbereitet.

«In Krisen kompetente Köpfe kennen»

Pünktlich um 19.30 Uhr bläst Baltermi das Horn für die Begrüssung. Nicht nur die regionale Feuerwehr und die regionalen Zivilschutzorganisationen sind da, sondern auch zwei Kantonspolizisten und einige Gemeindepräsidenten. Philipp Graber, Stabschef des RFSN und Co-Übungsleiter, erklärt das Ziel dieser Übung: «Primär geht es heute darum, dass wir die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen regionalen Feuerwehren und dem Zivilschutz fördern können.»

Dabei wird eine sogenannte Mitteltabelle erstellt. Diese Dokumentation soll aufzeigen, was die verschiedenen Feuerwehren und der Zivilschutz in ihren Magazine haben. So wissen die Rettungskräfte im Notfall, wo sie das nötige Material finden. Nicht zu unterschätzen sei auch der soziale Faktor. «KKKK», sagt Graber, «In Krisen kompetente Köpfe kennen.» Die Gemeindepräsidenten und Gemeindevertreter sollen bei dieser Übung die Arbeit der Feuerwehr und des Zivilschutzes kennenlernen.

Das Horn kündigt den Postenwechsel an

Wieder bläst Baltermi das Horn. Jetzt kann die Übung anfangen. Beim ersten Posten steht Graber selbst. Er erklärt, wie die Kompetenzen im Krisenfall verteilt sind. So koordiniert der RFSN im Notfall die regionalen Feuerwehren und Zivilschutzorganisationen. Dabei betont er, dass die Gemeinden für den Bevölkerungsschutz verantwortlich seien und der RFSN die praktische Führung im regionalen Notfall übernehme. Der Bevölkerungsschutz in der Region bestehe aus den Feuerwehren und Zivilschutz.

Wieder ist das Horn zu hören, das den Postenwechsel anzeigt. Beim nächsten Posten zeigt der Zivilschutz kleine Anhänger, die bei verschiedenen Krisensituationen zum Einsatz kommen. Der zuständige Zivilschützer betont, dass sie für alle zur Verfügung stehen, und erklärt, in welchem Lager sie untergebracht sind.

Wer ist von einem Stromausfall betroffen?

Das Horn ertönt wieder und die Gruppe bewegt sich zum dritten Posten. Hier brummt das Feuerwehrauto. Ein Benzingeruch liegt in der Luft. Lachend sagt der Postenverantwortliche der Feuerwehr Schönenwerd, dass sich die Niederämter bei einem Stromausfall an dieses Geräusch gewöhnen müssten. Denn der Anhänger ist ein Notstromaggregat und wird bei einem längeren Stromausfall eingesetzt.

Hier wird erklärt, was alles bei einem Ausfall betroffen wäre: Der Verkehr, die Spitäler, die Wasserversorgung, die Kommunikation. Die Liste wird immer länger. Mit der Zeit stört das Brummen nicht mehr, sondern beruhigt, da man weiss, dass es in einem Notfall lebensrettend sein kann.

Breites Aufgabengebiet

Beim nächsten Posten skizziert die Feuerwehr Walterswil einen möglichen Unfall bei einem Transport von Feuerwerkskörpern. Dabei wird gefachsimpelt, wie man einen solchen Brand am besten löschen kann. Die Feuerwehrmänner erzählen von ihren Erfahrungen und bringen konstruktive Vorschläge, wie man mit einer solchen Krise umgehen kann. Dies ist erst der vierte Posten und schon jetzt sieht man die Bandbreite der Einsätze.

In den weiteren Posten wird der Ernstfall bei einem Gasunfall beschrieben, das Einstatzkonzept bei Überschwemmungen vorgestellt oder was bei Tierrettung beachtet werden muss. Bis schliesslich alle elf Posten besucht wurden, kennt man auch die Herausforderungen bei Waldbränden und wie die Betriebsfeuerwehr des Kernkraftwerkes Gösgen seit Fukushima aufgerüstet hat.

Nach dem letzten Hornstoss, meint ein Teilnehmer, dass er viel gelernt habe und diese Übung sehr hilfreich gewesen sei. Jetzt bewegen sich alle zur Picknickstelle unter den Bäumen. In der einen Hand ein Getränk und in der anderen ein Schnitzelbrot. Dieser Teil des Abends sei auch wichtig meint Baltermi. Jetzt ginge es darum, sich kennenzulernen. «Ein Feuerwehrmann geht ungern mit jemandem in ein brennendes Haus, den er nicht kennt», sagt er.