«In etwas mehr als einer Woche geht es um die Wurst.» Mit diesen Worten begrüsste die Kienberger Gemeindepräsidentin Adriana Gubler die Teilnehmenden der Informationsveranstaltung zum geplanten Windpark Burg. Mehr als 80 Personen kamen am Montagabend trotz stürmischem Wetter in die Mehrzweckhalle.

«Wir sprechen heute über die Zukunft unserer Gemeinde. Und kommende Woche entscheiden wir darüber», so Gubler. Damit meint sie die ausserordentliche Gemeindeversammlung, die am Donnerstag, 13. Dezember, stattfinden wird.

Projekt wurde 2008 lanciert

Und darum gehts: Auf der Burg zwischen Kienberg, Oberhof AG und Wölflinswil AG soll ein Windpark mit insgesamt fünf Windkraftanlagen entstehen. Vier davon stehen auf Kienberger Boden. Am Projekt wird seit zehn Jahren gearbeitet.

Jetzt geht es in die entscheidende Phase: Die Gemeinde Kienberg muss der Betriebsgesellschaft — der Windpark Burg AG — das Baurecht für die betroffenen Parzellen auf der Burg erteilen. Und dafür wurde die ausserordentliche Gemeindeversammlung einberufen. Der Gemeinderat unterstützt das Projekt. Gubler erklärt: «Ich sehe eine grosse Chance für die Gemeinde, auch finanziell.»

2021 könnten Bauarbeiten beginnen

Sagen die Kienberger kommende Woche Nein zur Vorlage, dann wars das mit dem Windenergieprojekt auf der Burg. Stimmt die Bevölkerung jedoch einerseits der Verlängerung des Planungsvertrags für die Windpark Burg AG zu und übergibt sie andererseits der Gesellschaft das Baurecht, kann das Projekt realisiert werden.

2021 könnte im Idealfall mit den Bauarbeiten und ein Jahr später mit dem Betrieb der Anlagen begonnen werden.

Kienberg würde finanziell profitieren

Während Louis Lutz von der Windpark Burg AG und als Vertreter der AEW Energie AG das 25 Millionen Franken teure Projekt nochmals erklärte, machten sich einige Zuhörer mit Kopfschütteln, einem etwas zu lauten Räuspern oder fast verächtlichem Lachen bemerkbar.

Man merkte: Die Skepsis ist gross. Lutz schien die Gegner auch nicht mit den finanziellen Vorteilen — Kienberg erhält durchschnittlich 150'000 Franken pro Jahr, wenn die Anlage läuft — besänftigen zu können.

«Gutachten sind unbrauchbar»

Nach den wissenschaftlichen Erklärungen erhielt Bruno Gubler das Wort: Er ist im Vorstand des Vereins Pro Burg und wehrt sich seit Langem gegen die Windkraftanlagen. «Unsere Landschaft ist unser wertvollstes Gut. Und mit diesen Anlagen würden wir sie komplett verschandeln», lautet eines seiner Kernargumente.

Weiter erklärte er die Gutachten zu Lärm oder Schattenwurf, die von der Windpark Burg AG erstellt wurden, für «unbrauchbar». Er habe darum eigene Experten angeheuert, die neue Gutachten erstellt und ganz andere Resultate erhalten hätten. «Kurz gesagt: Die Gefahren und Nachteile überwiegen. Wir dürfen nicht die Katze im Sack kaufen», sagte der Kienberger.

«Es braucht uns alle»

Christian Schneider vom Pro-Komitee «Ja zum Windpark Burg» ging in seiner Ansprache an die Teilnehmenden kaum auf die Vorwürfe der Gegner ein. Vielmehr appellierte er an die Kienberger: «Wir können sagen, die Energiestrategie 2050 des Bundes interessiert uns hier nicht. Aber Tatsache ist, es braucht uns alle für den Atomausstieg», sagte der ehemalige Gemeindepräsident von Kienberg, der das Projekt seit 2008 begleitet.

In der anschliessenden Fragerunde nutzten etliche Zuhörer die Gelegenheit, kritische Fragen an die Projektgruppe rund um Louis Lutz zu stellen. «Was geschieht mit dem Trinkwasser, das wir von den Quellen der Burg beziehen?» — «Wie können die seltenen Fledermausarten geschützt werden?» — «Wie viel Lärm verursachen die Windräder wirklich?»

Kritische Stimmen überwiegten

Lutz und sein Team erklärten, die Wasserquellen würden durch die Bohrungen und Masten der Windräder nicht beschädigt. Auf die Fledermäuse nehme man mit einem besonderen Abschaltplan für die Windkraftanlagen Rücksicht. Und die Lärmbelastung sei im Rahmen der gesetzlichen Normen.

Im Saal überwiegten an diesem Abend die kritischen Stimmen. Gemeindepräsidentin Gubler sagt im Anschluss: «Das ist auch gut so. Es geht ja darum, dass sich jeder bis nächste Woche eine Meinung zum Thema bilden kann. Da gehören solche Fragen dazu.»

Viele Wölflinswiler zu Gast in Kienberg

Verwundert hat sie aber, dass zahlreiche Einwohner und Behördenmitglieder von der Aargauer Gemeinde Wölflinswil anwesend waren. Sie stellten knapp zwei Drittel der Fragen an diesem Informationsabend für die Kienberger Bevölkerung. Sie seien ebenfalls vom Projekt betroffen, da sie die Windräder sähen, erklärte sich ein Wölflinswiler.

Die Gemeindepräsidentin hofft, dass am 13. Dezember möglichst viele Kienberger die Gelegenheit zum Abstimmen nutzen werden. «Dann haben wir ein breit abgestütztes Resultat.» Im Namen des Gemeinderats verspricht Gubler den Anwesenden: «Wir werden den Willen der Mehrheit bedingungslos umsetzen.»